Fünf Hexenprozesse im Harz und Harzvorland

Einige ausgesuchte Hexenprozesse zwischen Quedlinburg und Nordhausen, sollen von den Tausenden dem Hexenwahn der Kirche zum qualvollen Opfer gefallenden, hier einmal näher betrachtet werden.

Erstes Geständnis


Die erste Frau; die unter der Folter gestand, zur Walpurgisnacht auf den Brocken geflogen zu sein, war Grethe Wroythe aus Elbingerode. Die Bestätigung der Anklagepunkte reichte den Richtern mit ihren Folterknechten oft nicht aus. Erst wenn sie andere Menschen als Hexen denunziert hatten, ließen sie von ihr ab. Grethe Wroythe wurde zum Tode verurteilt und umgebracht.

Letzte Hinrichtung

Erst 30 Jahre nach Grethe Wroythes grausamen Tod wurde mit Magdalene Hermes aus Quedlinburg erneut eine Frau als Hexe beschuldigt. Sie gestand unter Folter: In der Walpurgisnacht hätte sie sich mit zehn anderen Hexen vor der Tür einer Frau in Wernigerode versammelt und war von dort zum Brocken geflogen, um dort zu tanzen. Auch sie wurde zum Tode verurteilt.
Die letzte Frau, die wahrscheinlich in den deutschen Landen als Hexe hingerichtet wurde, war Anna Schwägelin. Die Tochter eines Tagelöhners schlug sich mit Betteln und nur zeitweise als Dienstmagd durchs Leben. Sie verliebte sich in einen Knecht, der ihr die Ehe versprach. Er heiratete aber eine andere. Enttäuscht darüber fluchte sie über Gott und Maria. Dies hörte ein Augustinermönch, der sie bei der geistlichen Obrigkeit anschwärzte.
Die übergab dies der weltlichen Gerichtsbarkeit. Sie kam ins Gefängnis und gestand unter der Folter alles, was man hören wollte, auch einen Vertrag und den Beischlaf mit dem Teufel. Sie wurde 1775 in Kempten enthauptet und dann verbrannt. Dass sie nicht lebend verbrannt wurde, galt als Gnadenakt.

Bündnis mit dem Teufel

Durch Ortstratsch wurde Anna Beringer 1573 verhaftet. Das erste Verhör war eine gütliche Befragung. Dabei wurden ihr die Foltergeräte nur gezeigt und genauestens erklärt. Den Vorwurf, den Hühnern ihrer Nachbarn die Eier abgezaubert zu haben, bestritt sie. Lange hielt sie der Folter stand. Dann aber räumte sie ein, mit dem Teufel zu buhlen. Wegen Teufelshurerei musste sie den Feuertod sterben. Emerentia Kreismer, eine unbescholtene und gut beleumundete Frau aus Ilsenburg wurde 1611 von einer Ilsabeth Kramer ins Unglück gestürzt. Sie behauptete öffentlich, diese sei eine Buhlerin des Teufels und treibe Hexerei. Sie hatte sogar bereitwillige Zeugen.

Unverhofftes Urteil

Die Grafschaft Stolberg-Wernigerode teilten sich damals zwei Brüder. Graf Heinrich, ein aufgeklärter Herrscher, besaß den Ilsenburger Teil. Graf Johann, ein unbarmherziger Verfolger von Hexen herrschte über Wernigerode und die umgebende Region. Emerentia Kreismer wiederholte vor dem Propst im Kloster Drübeck ihre Anschuldigung. Der Propst gab die Anschuldigung an die weltliche Obrigkeit weiter und erklärte, dass Emerentia eine Hexe sei.
Graf Heinrich handelte völlig unerwartet. Statt Emerentia Kreismer ließ er ihre Verleumderin festnehmen. Nach acht Tagen gelang es ihrem Mann, auch durch Fürsprache, sie wieder zu befreien. Alles wäre gut, wenn Emerentia Kreimer nicht in Wernigerode aufgetaucht wäre. Sie wurde dort sofort verhaftet. Die beiden Grafen stritten darüber heftig und riefen den Magdeburger Schöppenstuhl an. Graf Johann erhielt ein Gutachten, das eine Befragung auch unter der Folter zuließ. Graf Heinrich erhielt ein Gutachten, das wegen erwiesener Unschuld der Beschuldigten die Verleumderin zu verurteilen, nicht durchsetzbar zu sein schien. Zwei völlig widersprüchliche Urteile. Graf Johann ließ drei Tage lang foltern, bekam aber kein Geständnis. Graf Heinrich nahm nun mit Nachdruck Ilsabeth Kramer ins Verhör. Diese und ihre Zeugen rückten plötzlich von ihren Vorwürfen ab. Manche Quellen sagen, dass Erementia Kreismer daraufhin freigelassen wurde.

Quelle:“ Hexenleben“ von Eberhard Löblich
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