Graf Otto von Stolberg-Wernigerode und Reichskanzler Otto von Bismarck

Bevor die Grafen zu Wernigerode 1268 als Lehen zu Brandenburg kamen waren sie Reichsunmittelbar und zählten somit zum Hochadel. Nach Aussterben der männlichen Linie übernahmen 1429 die verwandten Stolberger Grafen Wernigerode ( Stolberg-Wernigerode ). Stolberg-Wernigerode galt als Stütze der preußischen Krone. Ottos Großvater gehörte schon den Staatsrat (beratendes Kollegium des Königs) an. Ein Berg-und Hüttenarbeiter konnte damals nur mit Genehmigung des Grafen heiraten. Graf Otto wurde 1837 in Südhessen geboren, besuchte das Gymnasium und studierte Jura. Als standesgemäßer Student war er ohne schikanöser Pflichten (kein Fechtzwang u.s.w.). Mit 21 Jahren wurde seine Amtseinführung als Graf vorgenommen. Die Feierlichkeiten dauerten eine Woche. Mit der Prinzessin Anna Reuß hatte er 7 Kinder. Auf Vorschlag Bismarck erhielt er schon mit 30 Jahren das Amt des Oberpräsidenten (oberster Verwaltungsbeamter einer preußischen Provinz) in der neuen Provinz Hannover. Später kam er in den Reichstag und wurde sogar Präsident des Preußischen Herrenhauses. Auf Wunsch des Reichskanzler Bismarck wurde er zum Botschafter in Wien ernannt. Die Krönung seiner Laufbahn war 1878 das Amt des stellvertretenden Reichskanzler und Vizepräsident des Staatsministerium (auf Bismarcks persönlichen Wunsch). Er sträubte sich sogar diesen Posten anzunehmen. In seiner Zeit war auch die Währungsumstellung von Reichstaler auf Mark (1 Reichstaler entsprach 3 Mark). Er hatte den höchsten preußischen Orden „Hoher Orden vom schwarzen Adler“ inne. Eine Sozialgesetzgebung in seiner Grafschaft die eine Krankenkasse, Pensionskasse und Unfallversicherung einrichtete trug auch zu seinen Ansehen bei. Der Ottofelsen im Harz wurde nach den heimatverbundenen Grafen benannt. Er besaß umfangreichen Grundbesitz (520 Km²) und mehrere Fabriken (z.B. Eisenhütten, Zuckerfabrik) die ihm im Jahr 1870 1,5 Millionen Mark einbrachten. Er war ein geschickter Kapitalist und Bodenspekulant. Auf der Weltausstellung in Paris erhielten seine Erzeugnisse aus der Eisenhütte Ilsenburg hohe Auszeichnungen. Bei einem Besuch des Kronprinzenpaar in Wernigerode zeigte ihnen Graf Otto auch den Brocken. Der preussische König der vom Grafen zur Jagd nach Wernigerode eingeladen war erlegte hier 30 Sauen,8 Damwild und einen Sechsender Rotwild. Die Sozialgesetze in der Wernigeröder Grafschaft waren später Vorbild für die sozialen Reichsgesetze Bismarcks. Die Aufwendige Hofhaltung des Grafen lag immerhin bei 130000 Mark im Jahr. Allein für Dienerschaft wurden 37000 Mark und für Küchenetat 47000 Mark ausgegeben. Über 30 Jahre lang ließ Graf Otto das Schloss zu seinem heutigen Stiel umbauen.Mit 53 Jahren wurde Graf Otto von Stolberg-Wernigerode in den Fürstenstand erhoben. Schon mit 59 Jahren starb Graf Otto. Die Diagnose lautete Schrumpfniere. Auf den Theobaldi- Friedhof wurde er beigesetzt.

Quelle : „ Im Dienste Bismarcks “ von Konrad Breitenborn
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