In der Heimat entdeckt … Ein Besuch auf der zweitgrößten Burg des Harzes

Lauenburg - Mauerreste im Torbezirk
 
Lauenburg - Rest des Ostturmes
Thale: Lauenburg | Unweit der Orte Bad Suderode (heute zu Quedlinburg gehörend) und Stecklenberg (heute zu Thale gehörend) im Ostharz befinden sich am „Weg Deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“ die Reste der zweitgrößten Burg des Harzes. Erbaut von Kaiser Heinrich IV. im 11. Jahrhundert -erstmals erwähnt im Jahre 1164- zieht sich die Gesamtanlage der Lauenburg, einer Reichsburg, über eine Ausdehnung von 400 Metern hin. Besonders erwähnenswert ist die Anlage, weil zwischen 2007 und 2013 ein vom Land Sachsen-Anhalt mit finanzierter Natur- und Geschichtslehrpfad eingerichtet wurde, der den Besucher durch die weitläufige Anlage begleitet und die vorhandenen Grabensysteme, Mauer- und Gebäudereste erklärt.
Es ist schwer vorstellbar, dass zum Bau der Burg allein für das Grabensystem rund 61 000 Kubikmeter Erde bewegt werden mussten, für die Mauern der Burg wurden 20 000 Kubikmeter Mauerwerk benötigt. Man hat errechnet, dass insgesamt 2700 Arbeitstage für die Errichtung der Burganlage nötig waren.
Heute sind von der Hauptburg nur noch wenige Reste vorhanden. Lediglich der Ostturm, ursprünglich 28-30 Meter empor, ragt hier noch in die Höhe. Durch die gute Beschilderung werden jedoch auch der Torbezirk, die Burgkapelle oder auch die ehemalige Zisterne im Wald erkennbar. An der Hauptburg verläuft der Weg mit dem Abstieg nach Stecklenberg.
Aber auch die Vorburg der Lauenburg ist sehenswert. Hier wurde 2013 in den vorhandenen 17 Meter hohen Bergfried eine Metallkonstruktion eingefügt, sodass man auf einen Aussichtspunkt bis auf eine Höhe von 336,38m gelangt und dann mit einem schönen Ausblick in Richtung Quedlinburg und Umgebung für die Mühen des Aufstieges entlohnt wird. Von hier oben aus kann man die Bedeutung der Burganlage erahnen. Sie diente vor allem dem Schutz der Stadt Quedlinburg sowie der durch das Gebiet führenden Handelswege bzw. Heerstraßen.
Eine wechselvolle Geschichte nennt Namen wie Pfalzgraf Adalbert, Heinrich den Löwen, den Regensteiner Grafen und den Halberstädter Bischof Albrecht II. Im 15.Jahrhundert sank ihre Bedeutung .Bis 1477 wurde sie als bischöfliches Schloss genannt, verfiel anschließend und wurde dann von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften als Steinbruch genutzt.
Für den Wanderer heute ist es leicht, die Ruine der Lauenburg zu finden: Die Wege sind gut markiert, bis Stecklenberg sind es 1,5 Kilometer, bis Bad Suderode etwa 2,5 Kilometer.
Der Wanderer, der den Weg von Bad Suderode über die Paracelus-Harz-Klinik zur Lauenburg nimmt, kommt an der Calciumquelle vorbei. Sie wurde 1923 eingefasst und 1953 im Rahmen des NAW erneuert. Diese Chlorcalziumquelle befindet sich in einem romantischen Tal mit Bachlauf sowie zahlreichen Sitzgelegenheiten. Hier hört man nur das Rauschen des Baches sowie das Zwitschern der Vögel und man kann einen Schluck des köstlichen Quellwassers genießen. Ebenfalls am Weg, nur etwa 10 Minuten entfernt, liegt die Ruine der Stecklenburg. Ein Abstecher zu ihr lohnt sich- majestätisch ragen ihre wenigen Gebäudereste in die Höhe. Erbaut wurde sie um 1100. Im Jahre 1311 erhielt die Familie von Hoym die Burg, die sie 400 Jahre behalten sollte. Nach dem Verkauf an den preußischen König 1711 spielte sie keine Rolle mehr, verfiel und wurde ebenfalls als Steinbruch benutzt.
Die Anlagen beider Burgen sind durch Anschauungstafeln des Harzklubs gut erklärt.
Sehenswert sind heute ihre Überreste allemal, zeugen sie doch vom Leben vergangener Jahrhunderte und beweisen, in welch einer geschichtsträchtigen Region man sich befindet.

Manfred Drobny
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 22.10.2015
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