Warum man das Musical "Das Wunder von Bern" unbedingt gesehen haben muss...

Michael Ehspanner alias Max Morlock (Foto: Stage Entertainment / Marco Schröder)
 
Das eindrucksvolle Theaterfoyer.
Ich könnte es mir jetzt ganz einfach machen und sagen; "Weil der Weißenfelser Michael Ehspanner mindestens in den nächsten etwas mehr als 11 Monaten dort bis zu 8-Mal in der Woche auf der Bühne steht...", aber so einfach ist es nicht. Ja, wir waren natürlich wegen ihm dort, haben uns über sein erstes großes Engagement bei Stage Entertainment gefreut und wollten ihn nun unbedingt sehen. Dass dies nun beim "Wunder von Bern" geschieht, war irgendwie klar, er passt da hinein und das dachte ich mir schon eine ganze Zeit. Er sieht eben doch ziemlich "deutsch" aus und das ist eben bei einer 54er deutschen Nationalmannschaft schon von Vorteil. Nun gut, ein Fußballmusical... ich als alter Fußball- und Musicalfan hätte da ja schon 2011 vor Freude hüpfen müssen, als Stage den Grundstein für das Theater an der Elbe legte. Doch irgendwie kam nie der Drang auf, dieses Stück wirklich anzuschauen. Tarzan, Tanz der Vampire, Wicked, Starlight Express, Schuh des Manitu... meine Favoriten, eher alle nicht von dieser Welt, der Phantasie keine Grenzen setzend. Aber ein deutsches Nachkriegsdrama mit Fußball-WM aus 1954... hey, wir sind doch erst letztes Jahr in "echt" wieder Weltmeister geworden. Nun gut, Michael schauen wir uns an und ich besorg mir schon einmal vorher die Musik zum Reinhören. Schon dieses Reinhören setzt eine erste Änderung in der Betrachtung des Berner Wunders in Gang. Vom ersten Ton an schaffen es die Kompositionen von Martin Lingnau das Gefühl zu wecken, nicht mehr weghören zu wollen, geschweige denn zu können. Lieblingslieder zu finden, ist in der Masse der schönen Songs wirklich schwer. Dass sich dann doch der ein oder andere stärker im Gedächtnis breit macht, ist aber nicht verwunderlich. Am vergangenen Montag war es nun so weit, auf zum Wunder nach -nein nicht Bern- nach Hamburg. Ich muss sagen, das Theater beeindruckt sofort, nicht nur von außen, nein auch von innen ist es ein wirkliches Schmuckkästchen. Die überdimensionalen und phantasievollen Gemälde rauben einem im Foyer fast den Atem. Im (extrem bequemen) Sessel angekommen, sieht man freudig wartende Menschen - neben, vor und hinter sich. Von jedem Platz hat man in diesem Haus einen hervorragenden Blick auf das Geschehen auf der Bühne. Mit dem ersten Schwung des Taktstocks wird man entführt in das Deutschland der Fünfziger, erlebt eine Familiengeschichte, die sicherlich typisch für eine Menge solcher Biographien in dieser Zeit war. Nach jahrelanger Gefangenschaft kommt Richard Lubanski nach Hause und kommt mit dem, was geschehen ist, nicht zurecht. Die Probleme der Familie sind nicht seine und seine nicht die der Familie. Zusammenzufinden ist fast unmöglich. Die Nebengeschichte des Ehepaares Ackermann schafft es, der eher traurigen Seite der Lubanskis, eine fröhliche Note zu geben. Und verbunden sind beide Geschichten durch den Fußball... Sohn Matthias Lubanski als Fan und Wasserträger vom Boss Helmut Rahn und Paul Ackermann als eher trotteliger Sportreporter der Süddeutschen Zeitung. Dass seine Frau Anette ihm des öfteren die Show stiehlt, ist gewollt und köstlich (vor allem auch durch die herrlich überdrehte Performance von Elisabeth Hübert, bekannt geworden durch ihren Part der Jane in Tarzan) Nebenbei erfährt man, wie die deutschen Fußballnationalmannschaft um Sepp Herberger durch das Turnier wankt, bis sie am Ende im Berner Wankdorfstadion sensationell Weltmeister wird. Aber das ist fast egal, weil zwischendurch die Familie zueinander findet. Und das passiert mit wundervollen Melodien und tollen Tanz-, Sport- und Artistikchoreographien. Nebenbei passiert etwas extrem Außergewöhnliches, nein ich meine nicht den außerordentlichen Showstopp kurz vor der "Wand"... die Sicherheitscrew musste aufgrund eines kleinen Defektes einschreiten, damit die in bis zu 12 Metern Höhe schwebenden "Fußballer" -und damit auch Michael- im Finale nicht ungewollt abstürzen. Nein, ein Song, ein Lied, welches sich schon aufgrund seiner emotionalen Größe in mein Gehör gebrannt hatte ... "Die Krähe" erklärt eindrucksvoll 12 Jahre Gefangenschaft und was diese aus einem Menschen macht. Der letzte Ton und nichts, rein gar nichts ist zu hören... man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Niemand traute sich zu klatschen. Nach der Show, mit Michael in der Stage-Kantine, lief uns Detlef Leistenschneider alias Vater Richard Lubanski über den Weg. Auf meine Frage, ob dies (KEIN APPLAUS) der perfekte Lohn in diesem Song ist, sagte er einfach nur "Ja... es ist jedes Mal atemberaubend!"... Ja und das ist die ganze Show, atemberaubend, wunderbar, wundervoll... auch wegen Michael, aber eben auch nicht nur wegen ihm. Er hat seinen Teil dazu beigetragen, er gehört dort hin, zumindest für ein Jahr, aber ich glaub sogar für länger! Wer will eigentlich nicht, 6 bis 8-mal in der Woche Weltmeister werden? Ich kann mit voller Überzeugung alle aufrufen, ihn in Hamburg zu besuchen. Aber vor allem ist dies hier ein Aufruf an alle, die da nur nicht hingehen wollen, weil es da um Fußball geht. Denn auch im Wunder von Bern ist der Fußball nur eines...die schönste Nebensache der Welt (mehr nicht)!
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.