1912 bis 2012 - 100 Jahre Amtsgerichtsgebäude Weißenfels

Am 11. Dezember 1912 wurde das Amtsgerichtsgebäude in der Friedrissstraße 18 seiner Bestimmung übergeben. Auf dieses Ereignis soll an dieser Stelle einmal aufmerksam gemacht werden.

Bevor der Neubau in der Friedrichsstraße errichtet wurde, befand sich das „Königliche Amtsgericht“ in der Großen Burgstraße 22, dem Geleitshaus. Das Gebäude bestand aus zwei Teilen, dem Haupthaus, direkt an der Großen Burgstraße und einem 1878/79 errichteten Anbau, oberhalb des Haupthauses.

Besondere Probleme traten beim Neubau bereits mit der Gründung des Fundamentes zutage. Untersuchungen hatten ergeben, dass der Baugrund erst in einer Tiefe von 5 bis 10 Metern aus tragfähigen Materialien wie Sand und Fels bestand und somit die nötige Festigkeit hatte. Aus diesem Grund entschied sich die Bauleitung nach einer gründlichen Prüfung mehrerer Varianten, die Fundamente auf 5 bis 10 Meter langen Eisenbetonpfählen zu errichten. Für das Gerichtsgebäude wurden 215 Pfähle und für das Gefängnis wurden 116 Pfähle vor Ort hergestellt und in den Boden gerammt. Die Bauzeit betrug (nach der Gründung) von der Errichtung der Keller bis zur vollständigen Fertigstellung und Einrichtung somit nur 17 Monate. Das Gefängnis wurde am 24. September 1912 fertig gestellt und das Gerichtsgebäude mit einer Feier am 11. Dezember 1912 eingeweiht. Damit wurde die geplante Bauzeit erheblich unterboten. Die Baukosten betrugen 456.000 Mark (geplant: 401.000 Mark), wovon allein 59.000 Mark (geplant: 26.500 Mark) auf die Gründung beider Gebäude fielen.

Es wurde eine für die damalige Zeit schlichte, einfache und zweckmäßige Bauweise gewählt. Eine Ausnahme davon bilden das Eingangsportal, das Haupttreppenhaus und der Schöffensaal, die betont repräsentativ gestaltet wurden. Die Fassade weist über dem Hauptportal zwei Figuren auf, die die Justitia mit Schwert und Waage sowie die Wahrheit mit einem Spiegel darstellen. Links vom Hauptportal befindet sich ein weiterer Zugang, durch den das Publikum direkt in den Schöffensaal gelangte. Im Haupttreppenhaus befinden sich sechs einfach gehaltene Bleiglasfenster, die mit einer Girlande aus Eichenblättern umrahmt sind. Lediglich das mittlere Fenster sticht mit dem Symbol der Justiz, einer Komposition aus Schwert und Waage, heraus.
Unter der oberen Brüstung der Treppenhauspfeiler befindet sich eine weitere Figurengruppe. Sie zeigt rechts und links jeweils zwei Knaben, die eine sich in den Schwanz beißende Schlange und eine Sanduhr halten und damit Ewigkeit und Vergänglichkeit symbolisieren. Sie rahmen einen zentral angebrachten Erzengel Michael und den von ihm erschlagenen Teufel in Gestalt eines Drachen ein. Zudem sind an den Bögen und Pfeilern des Treppenhauses die zwölf Tierkreiszeichen angebracht.

Grundsätzlich wurde das Gerichtsgebäude immer als Amtsgericht genutzt. Zeitweilig kamen folgende weitere Nutzer hinzu: Staatsanwaltschaft des Kreises Weißenfels (1952–1990) ; Staatliches Notariat Weißenfels (1952–1990) und Rat des Kreises Weißenfels, Referat Jugendhilfe (1955–1990). Im Zuge der Auflösung kleinerer Gerichte kamen die Amtsgerichte aus Lützen und Hohenmölsen (einschließlich Teuchern) hinzu.

Etwas eher als das Hauptgebäude wurde das Gefängnis fertiggestellt. Bereits bei der ersten Planung und der Auswahl des Grundstückes wurde immer davon ausgegangen, dass neben dem Gerichtsgebäude auch ein Gefängnis entstehen sollte. Architektonisch bildet es eine Einheit mit dem Hauptgebäude. Besonders gelungen ist der Mansardenbereich. Das viergeschossige Gebäude hat nur eine Breite von 7,20 Meter.

Seit seiner Fertigstellung am 24. September 1912 bis zum Jahr 1968 wurde das Gebäude als Gefängnis genutzt. Danach befanden sich Lagerräume und eine Sauna der Polizei in dem Gebäude. Auf den Höfen wurden Garagen für Polizeifahrzeuge errichtet. Seit 1994 erfolgt die Nutzung wieder durch die Justiz.

Aus Anlass des 100. Jubiläums der Fertigstellung des Gerichtsgebäudes findet am 11. Dezember 2012 in der Zeit zwischen 13.30 Uhr und 17.00 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.
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1 Kommentar
Oliver Leiste aus Landsberg | 23.11.2012 | 13:35   Melden
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