Fuchs, Du hast das Huhn gestohlen...

(Foto: David Schmeißer)
 
Der Fuchs am 16.5.2015 um 6:18 Uhr aufgenommen von der Wildkamera (Foto: Frank Osterloh)

Die Überschrift ist angelehnt an das bekannte Kinderlied. Die aktuelle Situation in meiner heimatlichen Umgebung mit dem Gevatter Fuchs ist weder lustig noch niedlich.

Mein Mann züchtet seit Jahrzehnten Zwerghühner. Diese werden bundesweit auf großen Ausstellungen gezeigt. Die Zuchttiere haben zum ersten einen wichtigen idellen Wert für die Nachzucht. Davon abgesehen ist auch ein finanzieller Wert vorhanden.

Vor 2 Wochen wurden aus einem unserer Hühnerställe am Morgen nach dem Öffnen 17 absolute Top-Zuchttiere meines Mannes getötet. 4 tote Tiere fand mein Vater fassungslos im Hühnergarten. 13 Tiere hat der Fuchs weggeschleppt.
Was dieser Verlust für einen Geflügelzüchter bedeutet, kann sicher nicht jeder Leser nachvollziehen. Jeder der Züchter hat seine Tiere über Jahrzehnte auf diesen Zuchtstand gebracht. Eine mühevolle Arbeit, die vom Fuchs so gnadenlos niedergemetzelt wird. Hilflos stehen mein Mann und weitere Betroffene vor einem unglaublichen Scherbenhaufen.
Das Glück meines Mannes ist, dass die Jungtiere nicht angefallen wurden, weil sie in einem Extra-Bereich untergebracht sind und zu der Zeit noch im Stall waren. Mit den Jungtieren wird seine Zuchtlinie hoffentlich weiter bestehen. Die Situation als solches ist jedoch sehr bitter und deprimierend.
Das Furchtbare an der Sache ist, dass es scheinbar keine Hilfe gibt, obwohl wir kein Einzelfall sind. Bei der Versammlung des örtlichen Geflügelzuchtvereins in Uichteritz am 4. Juni habe ich die Züchter befragt, um konkrete Zahlen anzugeben.
Tierverluste in den letzten Wochen durch den Fuchs in Uichteritz und Lobitzsch:
Wolfgang Schiedt 80 Tiere
Rainer Jänicke 16 Tiere
Jens Züger 17 Tiere
Ingolf Montag 3 Tiere
Ilona Harnisch 6 Tiere
Marianne Ködel 19 Tiere
Hartmut Schmidt (Lobitzsch) 17 Tiere
Florian Börner (Lobitzsch) 11 Tiere

Dies sind die mir bekannten Fälle. Durchaus möglich, dass noch weiteres Geflügel geholt wurde.
Wohlgemerkt befinden sich die Grundstücke der Züchter mitten in den Ortschaften Uichteritz und Lobitzsch.
Besonders bedauerlich ist der Fall bei Marianne Ködel, deren Mann ein Züchter mit Leib und Seele war. Herr Ködel ist vor wenigen Wochen nach kurzer Krankheit verstorben. Eine liebe Erinnerung an ihren verstorbenen Mann ist dadurch unwiederbringlich verloren.
Für Herrn Schiedt ist mit dem Verlust fast aller Jungtiere die diesjährige Zucht nahezu vollständig verloren. Das ist einfach furchtbar. Herr Schiedt hat auf verschiedenen Wegen selbst nach Hilfe gesucht. Er erkundigte sich bei der Kreisjagdgenossenschaft und fragte bei verschiedenen örtlichen Jägern an. Die Antworten glichen sich. Durch den Nachwuchs der Füchse besteht Schonzeit. Davon abgesehen darf im Ort nicht geschossen werden. Der Züchter muss auf seine Tiere selbst aufpassen bzw. für ihren Schutz sorgen.

Bei Familie Osterloh (ebenfalls Geflügelzüchter) wurde vom Fuchs 1 Lamm geholt. Über eine angebrachte Wildkamera hat Frank Osterloh mir verschiedene aussagekräftige Bilder übergeben, die ich ausdrücklich für den Bericht nutzen kann. Mit den Bildern kann dokumentiert werden, dass bei Osterlohs der Fuchs sowohl nachts als auch am Tag anzutreffen war. Die Tiere scheinen viel von ihrer Scheu verloren zu haben. Teilweise wirkt es schon fast dreist. So wurde ein Fuchs in der Markwerbener Schulstraße mehrfach am Tag gesehen (wohlbemerkt mitten im Ort).

Wohin soll diese Entwicklung führen?

Ich bemerkte bereits, dass es sich zum Großteil um wertvolle Zuchttiere handelte. Mit der Zucht entstehen viele Kosten, so zum Beispiel durch notwendige Impfungen. Viele Pflichten und Vorgaben müssen von den Züchtern erfüllt werden.
In unserem Fall fühlen sich die Züchter regelrecht hilflos. Natürlich versucht jeder, seine Tiere zu schützen. Das ist selbstverständlich. Leider können die Grundstücke nicht hermetisch abgeriegelt werden.
Füchse sind bekanntlich sehr schlaue Tiere. Ein Zaun von deutlich über 2 m Höhe ist für ihn kein Problem. Er schafft es unter Umständen auch, sich unter dem Zaun durchzugraben.
Der Fuchs ist ein Raubtier. Diesem Ruf wird er nur zu gerecht. Es muss doch eine Möglichkeit geben, die Geflügelzüchter zu unterstützen. Nicht der Fuchs hat Schutz und Schonzeit verdient. Die Züchter würden sich gern an den Kosten der Jäger zur Eindämmung des Fuchsproblemes beteiligen.
Während der Versammlung kam dann auch das Thema Raubvögel auf. Diese nehmen immer mehr zu. Gerade in der Zeit der Jungtiere kreisen sie über den Höfen und hoffen auf ihre Chance. In dem Fall können nur Netze den notwendigen Schutz für die Jungtiere gewährleisten. Es ist aber einfach nicht möglich, dass gesamte Grundstück komplett zu schützen.

Keiner der Züchter kennt aus seiner Vergangenheit eine so akute Situation für die Geflügelbestände. Genau darauf möchte ich mit meinem Bericht aufmerksam machen.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 12.06.2015
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