„Schwimmbad statt Klärwerk“

Erinnern Sie sich noch? Keine Angst, ich will nicht den Wahlkampf-Slogan des Oberbürgermeisters auf seine Erfüllung hin beleuchten, obwohl das vielleicht auch mal ganz interessant wäre. Ich will auch keinen Beitrag zum Herstellungskostenbeitrag des ZAW schreiben. Mir geht es um einen Slogan für Weißenfels oder um die Frage, ob wir einen Slogan brauchen und wenn ja, wie er lauten könnte.

Im Zuge der Neueröffnung des Schütz-Hauses und der Diskussion um den Zuschuss der Stadt für den Weißenfelser Musikverein „Heinrich-Schütz“ e.V. wurden Bemerkungen laut, wonach Weißenfels eine „Schütz-Stadt“ sei. Einige Stadträte sind eben manchmal auch sehr spontan. Denken wir nur einige Jahre zurück, als das Fürstenhaus eröffnet wurde, da waren wir alle „Barockstadt“. Nun wurde gerade das Schütz-Haus neu eröffnet. Hoffentlich wird in dieser Phase nicht gerade ein Klärwerk eingeweiht (war nur Spaß).

Die Stadtverwaltung erarbeitet gegenwärtig ein Tourismuskonzept. Ein Ergebnis dieser Arbeit soll dann auch ein neuer Slogan für Weißenfels sein. Seit den 1990er Jahren gibt es bereits einen solchen Leitspruch. „Barocke Stadt am Fluss mit Interessen für Kultur, Sport und Wirtschaft“, lautet er. Dies war der Tatsache geschuldet, dass möglichst viele Merkmale unserer Stadt in den Slogan einfließen sollten. Das Ergebnis ist viel zu lang, wenig griffig, kaum genutzt und daher fast in Vergessenheit geraten.

Und genau das ist das Problem. Weißenfels hat kein absolut herausragendes Merkmal und auch keine Persönlichkeiten, die außerhalb der Stadt allgemein bekannt sind, sodass jedermann sofort zwangsläufig einen Bezug zu Weißenfels herstellt. Dies ist zum Beispiel bei Goethe und Weimar oder der Wartburg und Eisenach der Fall. Zudem sollte dann auch hauptsächlich Weißenfels damit in Verbindung gebracht werden können. Am ehesten trifft dies wohl noch auf die Tradition der Schuhherstellung zu (aber da bin ich als Schusterjunge sicher befangen). Bei einem Slogan sollte schon die Stadt von dem Merkmal profitieren und nicht umgekehrt. Ein gutes Beispiel dafür ist da ganz sicher die weltbekannte Person Luther als Begründer einer Religion. Er macht die Städte, in denen er geboren und gestorben ist (Eisleben) und seine Thesen angeschlagen hat (Wittenberg) bekannt. Dabei muss man die Sache hauptsächlich aus Sicht der Nichtweißenfelser betrachten. Bei Dingen, die hier vielleicht noch bekannt und geläufig sind, zucken Auswärtige nur mit den Schultern. Darunter fallen nun einmal leider auch Schütz und Novalis. Ich habe diesbezüglich meine Erfahrungen, da ich als Schusterjunge die Stadt bei mehreren Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt und Deutschland repräsentiert habe. Ein Slogan, der einer weiteren Erklärung bedarf, verfehlt sein Ziel.

Eine weitere Frage ist auch, auf welchem Gebiet gesucht werden soll? Ist es Geschichte, ist es Kultur, ist es Industrie oder sind wir gar eine Sportstadt? Da hat jeder sicher seine Favoriten. Es soll sich aber auch niemand ausgegrenzt fühlen.

Im Zuge der o.g. Diskussion wurde die Stadt Magdeburg angeführt, die sich als „Otto-Stadt“ sieht und das zu publizieren versucht hat. Dabei stellt man auf Kaiser Otto und Otto von Guericke ab. Ein schlechtes Beispiel. Gerade im letzten Monat wurde dazu eine Analyse mit „einem niederschmetternden Ergebnis“ vorgelegt. Danach hat die 3-jährige und 1,5 Mio. Euro teure Kampagne zu keinerlei positiven Ergebnissen geführt. Weder für Magdeburg noch für Otto.

Zudem sollten sich in einem solchen Slogan auch so viele Weißenfelser wie möglich wiederfinden. Hier bin ich, auch im Hinblick auf die vielfältigen Traditionen der Ortsteile, skeptisch.

Bliebe noch ein allgemeiner Slogan, wie ihn auch andere Städte haben („Leipzig kommt“).

Um den Kreis wieder zu schließen: Der Stadt den Namen „Schütz-Stadt“ zu verleihen wurde vom Kulturausschuss vor einigen Jahren einstimmig abgelehnt.
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