Seniorentour ins Mühltal

  Für die Bewohner des Weißenfelser Caritas-Altenpflegeheims „St. Franziskus" ist es schon eine lieb gewonnene Tradition: Alle Jahre wieder geht es per Bus zu einem Ausflug in die nähere Umgebung. Für viele Mitreisende eine gute Gelegenheit, Altbekanntes einmal wieder zu sehen oder Neues zu entdecken.
Nach der letztjährigen Fahrt zum imposanten Gradierwerk und dem schönen Kurpark in Bad Dürrenberg war in diesem Jahr das Mühltal im benachbarten thüringischen Saale-Holzland-Kreis das Ziel. Pünktlich um 13 Uhr startete der Bus mit vielen Bewohnern und fast genau so vielen Helfern (jeder Rollstuhlfahrer hatte jemanden zum Schieben) vom Heim in der Selauer Straße. Schon die Fahrt durch das landschaftlich schöne Elstertal, vorbei an Zeitz und Deuben wurde für viele Teilnehmer zum Erlebnis. Sie waren begeistert, wie schön die Dörfer an der Strecke in den vergangenen Jahren herausgeputzt wurden. Interessant unterwegs zu entdecken auch ein Hopfenfeld oder ein bunter Heißluftballon am Himmel.
In Kursdorf bei Eisenberg beginnt das Mühltal. Hier ist an einem großen Parkplatz normalerweise Stopp für Autofahrer, denn der schmale Weg in das Tal ist mit nur wenigen Ausnahmen Wanderern und Radfahrern vorbehalten. Für den Ausflugsbus des „St.Franziskus"-Heimes gab es jedoch eine Sondergenehmigung und so konnten wir direkt bis zu unserem Ziel - der „Pfarrmühle" - fahren.
Die „Pfarrmühle" - urkundlich erstmals 1290 als „Günthersmühle" erwähnt und später im Besitz eines Klosters unter dem heutigen Namen bekannt - ist eine der ältesten noch bis heute erhaltenen sieben Mühlen im Mühltal und die einzige, vor der sich tatsächlich noch ein Mühlrad im Bach Rauda dreht. Über Jahrhunderte hinweg gab es hier einen Mahl- und Sägebetrieb. Erst als 1901 die heutige Straße durch das Tal gebaut wurde, entwickelten sich hier Gasthöfe und Pensionen mit „Sommerfrischen", wie früher die Biergärten genannt wurden. Zu DDR-Zeiten war die „Pfarrmühle" ein Betriebsferienheim, seit 1991 befindet sie sich wieder in Privatbesitz und wird als „Waldhotel Pfarrmühle" betrieben.
Im Restaurant des Hotels erwartete die Senioren eine Kuchenauswahl und Kaffee. Danach konnte man noch die Gegend erkunden. Leider war keine Möglichkeit, um noch eine der benachbarten Mühlen - allesamt Hotels bzw. Jugendherberge - näher anzuschauen, denn das Mühltal mit fast 12 Kilometern Länge erfordert doch mehr Zeit. Viele Senioren erinnerten sich auch gern an die Geschichten um den Artisten und „Kraftmenschen" Milo Barus, der in den 1950er und 1960er Jahren die „Meuschkenmühle" betrieb und dessen Nachkommen heute im benachbarten „Milo’s Waldhaus" Gäste bewirten.
Über Eisenberg, Meineweh und Osterfeld ging es schließlich zurück nach Weißenfels, wo gegen 18 Uhr ein erlebnisreicher Ausflug endete. Im Namen der Bewohner, zu denen auch meine Mutter gehört, geht ein großes Dankeschön an das Team des Heims mit den Ergotherapeuten und allen anderen Mitarbeitern sowie an die vielen freiwilligen Helfer.

Ditmar Hauer, Großkorbetha
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