Dauerbaustelle Ortsfeuerwehr Pfützthal

Baustelle direkt neben dem Feuerwehrhaus in Pfützthal: Die Brückeüber den Pfützthaler Bach wird erneuert
 
Die von der Saale überschwemmte Baustelle im Juni 2013
 
Das von der Überschwemmung bedrohte Feuerwehrhaus Pfützthal im Juni 2013
Salzmünde: Ortsfeuerwehr Pfützthal |

Die Einsatzfähigkeit der Ortsfeuerwehr Pfützthal ist derzeit durch externe und interne Baustellen gefährdet. Durch einen ersten Schritt hin zu einer professionellen Feuerwehrstruktur – die aber auch Kosten für die Gemeindebürger mit sich bringt – könnte dieses Problem vermindert werden.

Die Feuerwehr der Gemeinde Salzatal wird derzeit von neun Ortsfeuerwehren (OFW) gebildet. Darunter nimmt die OFW Pfützthal eine prominente Stellung ein: Zum einen ist sie für einen weitläufigen (18 km²) und einwohnerstarken (ca. 2500 Einwohner) Gemeindebereich zuständig, der von Gödewitz und Quilschina über Salzmünde bis nach Schiepzig und Neuragoczy reicht. Zum andern sind im Pfützthaler Feuerwehrhaus an der Saale zwei Löschfahrzeuge und umfangreiches Rettungsgerät auch für Kfz-Unfälle stationiert. Die Größe des Zuständigkeitsbereichs und die vergleichsweise gute Ausstattung der OFW Pfützthal stehen derzeit aber im Kontrast zu ihrer Einsatzfähigkeit. Dafür sind mehrere „Baustellen“ im wörtlichen und im übertragenen Sinn verantwortlich.

Baustelle 1: Straßensperrung zwischen Salzmünde und Pfützthal

Seit dem Frühjahr 2013 ist die Saaletalstraße zwischen Salzmünde und Pfützthal offiziell gesperrt. Der Grund dafür ist eine Baustelle in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrhauses. Dort ist die Straße aufgerissen, damit der Pfützthaler Bach unter einer neuen Brücke und in einem neuen Bett durchgeleitet werden kann (Bild oben). Dies hatte und hat zur Folge, dass die Feuerwehrfahrzeuge im Einsatzfall einen größeren Umweg fahren müssen und somit erst später am Brand- oder Unfallort eintreffen. Die Baumaßnahme sollte eigentlich im September 2013 beendet sein, doch hat sich durch die Flut im Juni dieses Jahres die Fertigstellung verzögert (Bild).

Baustelle 2: Abwasserzweckverband verlegt Leitungen in der Gödewitzer Straße

Das Ausrücken der OFW Pfützthal wird noch stärker behindert, wenn der Abwasserzweckverband Salzatal seine Pläne umsetzt, neue Trinkwasser- und Abwasserleitungen in der Gödewitzer Straße im Zentrum von Pfützthal zu verlegen. Die damit verbundene mehrwöchige Sperrung der Straßenverbindung zwischen Pfützthal und Gödewitz lässt somit für die Feuerwehrfahrzeuge nur noch den weiten Umweg über Zaschwitz und Fienstedt offen.

Baustelle 3: Anfälligkeit des Pfützthaler Feuerwehrhauses für Überschwemmungen

Während man davon ausgehen kann, dass die Baustellen 1 und 2 in absehbarer Zeit (hoffentlich) wieder aufgehoben werden, hat die Flut im Juni 2012 gezeigt, dass das erst im Jahr 2011 ausgebaute Pfützthaler Feuerwehrhaus ein grundlegendes Standortrisiko besitzt. Es ist bei extremem Hochwasser überschwemmungsgefährdet und bedarf dann selbst des Rettungseinsatzes anderer Ortsfeuerwehren (Bild). Hier zeigt sich, dass sein nur etwa siebzig Meter vom Saaleufer entfernter Standort gerade in Situationen, wo es auf die Einsatzfähigkeit der Rettungskräfte ankommt, diese Einsatzfähigkeit beschränkt. Zudem beeinträchtigen feuchte Wände und Schimmel die Nutzung des Gebäudes so lange, bis diese Flutfolgeschäden wieder beseitigt sind. Die in der „Risikoanalyse und Brandschutzplanung der Gemeinde Salzatal“ enthaltene Aussage zum Feuerwehrgerätehaus Pfützthal „Der Standort ist aufgrund seiner Lage im Gemeindegebiet zukünftig erforderlich und unstrittig“ darf folglich angezweifelt werden.

Baustelle 4: Personalsituation und Betriebsklima der OFW Pfützthal

Eine weitere und dauerhafte Baustelle im übertragenen Sinn ist seit etwa zwei Jahren in der OFW Pfützthal durch anhaltende Personalquerelen entstanden. Der tiefere Grund für diese internen Querelen liegt darin, dass die OFW einigen Kameraden zugleich als „Pfützthaler Geselligkeitsverein“ diente. Diese Ausrichtung und interne Untergruppenbildung führte – neben dem einen oder anderen Verstoß gegen Feuerwehrdienstvorschriften – zu Spannungen innerhalb der Kameradschaft und zum Rücktritt des Wehrleiters. Im weiteren Verlauf wurden einige Kameraden aufgrund disziplinärer Verstöße aus der OFW ausgeschlossen. Die davon Betroffenen sehen sich zu Unrecht ausgeschlossen und haben sich in den vergangenen Monaten durch Auslegung von Unterschriftenlisten und Einzelgespräche mit Vertretern aus Verwaltung und Politik für ihre Rückkehr eingesetzt. Das Betriebsklima in der OFW ist bis heute durch diese Geschehnisse und Aktivitäten belastet. Für potenzielle neue Mitglieder bietet die OFW Pfützthal somit ein wenig attraktives Bild. Die Personalknappheit führt dazu, dass derzeit bei der Alarmierung der OFW Pfützthal stets benachbarte OFW mit alarmiert werden, damit deren Kameraden die personellen Lücken schließen helfen. Dieses verstärkte Einspringen von Kameraden anderer OFW kann vorübergehend organisiert werden, ist aber auf Dauer kein tragbarer Zustand.

Plädoyer für den Einstieg in professionelle Feuerwehrstruktur

Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es bei einer solchen Ausgangslage? Dier Gemeinde Salzatal ist darauf angewiesen, dass die OFW Pfützthal als wichtiges und zentral positioniertes Element der gemeindlichen Feuerwehrstruktur funktioniert. Einer stärkeren Werbung für die ehrenamtliche Mitarbeit sind aufgrund des derzeit wenig attraktiven Erscheinungsbilds der OFW nur geringe Erfolgschancen einzuräumen. Ein verstärkter Druck auf Gemeindearbeiter, sich in der Feuerwehr zu engagieren, besitzt auch nur beschränktes Potenzial. Der Autor dieser Zeilen plädiert dafür, in einer solchen Situation darüber nachzudenken, einen ersten Schritt vom Ehrenamt hin zur Professionalisierung zu tun. Ein entsprechendes Modell könnte darin bestehen, dass vier hauptamtlich tätige Feuerwehrleute eine im Ortsbereich Salzmünde hochwassersicher gelegene zentrale Einsatzstelle leiten („Feuerwehrleitstelle Salzatal“). Im Hinblick auf den kommenden Weiterbau der Autobahn A 143 wäre ein autobahnausfahrtnaher Standort sinnvoll. Diese hauptamtlich Tätigen sollen die ehrenamtlich tätigen OFW nicht ersetzen, sondern deren Einsätze effizienzsteigernd organisieren und unterstützen.
Was kostet ein solcher Einstieg in professionelle Strukturen? Da die Tätigkeit der Hauptamtlichen der gesamten Gemeinde zugute käme, sollten die Kosten auch von allen Einwohnern getragen werden. Geht man von 120 000 Euro für vier Stellen aus, so müsste eine jährlich zu erhebende „Brand- und Katastrophenschutzabgebe“ in folgender Höhe beschlossen werden:
• 10 Euro für alle über 18jährigen Einwohner, die der Einkommensteuerpflicht unterliegen. Aktive und passive Mitglieder der Feuerwehren sind davon ausgenommen.
• 10 Euro für alle grundsteuerpflichtigen natürlichen und juristischen Personen (z.B. Unternehmen, Vereine, Verbände) mit Grundbesitz im Bereich der Gemeinde Salzatal.
• 10 Euro für alle umsatzsteuerpflichtigen natürlichen und juristischen Personen mit Unternehmenstätigkeit auf dem Gebiet der Gemeinde Salzatal.
Dies würde z.B. bedeuten, dass auf ein zur Miete wohnendes Rentnerehepaar mit höherem Einkommen eine Abgabe von 20 Euro entfiele. Einem berufstätigen Arztehepaar mit eigenem gemeinsamen Haus in Salzatal würden demnach 60 Euro berechnet. Ein Unternehmer, der in Salzatal einen Betrieb auf einer eigenen Immobilie führt, aber in Halle wohnt, hätte eine Abgabepflicht von 20 Euro. Diskussionswürdig wäre der Aspekt, ob bei der Abgabe eine Staffelung nach Grundstücksgröße erfolgen sollte.
Angesichts der demographischen Entwicklung, die bereits in verschiedenen Ortschaften von Salzatal zu Nachwuchsproblemen bei der Feuerwehr führt, wäre es vorstellbar, die Einführung eines solchen oder anderen Modells auch unabhängig von der konkreten Situation in Pfützthal zu diskutieren.
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Melanie D. aus Salzatal | 23.09.2013 | 14:30   Melden
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