Für eine Rose Ewigkeit

  Löbejün: Historische Stadthalle |

Beeindruckendes Konzert mit ausdrucksstark und emotional vorgetragenen Klavierwerken

Löbejün (Wettin-Löbejün) Am Samstag, den 22. April 2017, hatten die Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft und die Stadt Wettin-Löbejün anlässlich des 148. Todestages des in Löbejün geborenen Komponisten Carl Loewe (1796 – 1869) und im Rahmen der Luther-Ehrungen und Reformationsfeierlichkeiten 2017 zu einem besonderen Klavierkonzert mit Heloise Ph. Palmer in die historische Stadthalle nach Löbejün eingeladen.

Die junge Künstlerin hatte sich eigens dafür mit dem Bestreben Luthers um die sinn- und wortgetreue Übersetzung der Bibel sehr intensiv auseinander gesetzt.
„Im Anfang war das Wort“, heißt es bei Johannes und durch Luther. Was aber war vor diesem Anfang? Denn auch das Wort hat einen Ursprung. Die Wurzeln der von uns heute so vertraut und manchmal leichtfertig dahin gesagten Wörter offenbaren Erkenntnisse, die beinahe nicht zu glauben sind. Das aber mag nur an unserer Neigung liegen, das Wunderhafte nicht ernst zu nehmen, als irreal abzutun.

In einem Moment, da Luther jedes Dogma beiseite schiebt und abwegige Gedanken zulässt, eröffnet sich ihm die Einsicht, dass das Wort mehr bedeutet als eine Verknüpfung mehrerer Buchstaben, mehr auch als ein Sinnesreiz. Er erkennt, dass die etymologische Wurzel des ‚Wortes’ auch Bewegung bedeutet, auch Wachstum und Entstehung.

Er erkennt, dass die etymologische Wurzel von ‚Welle’ dieselbe ist wie die der ‚Rose’. Er erkennt den Zusammenhang zwischen ‚Welle’ und ‚Bewegung’, zwischen ‚Wachsen’ und ‚Licht’, zwischen ‚Rose’ und dem ‚Wort’. Schließlich muss er dem Menschen Schöpferkraft zugestehen, damit das Göttliche dem Himmel entreißen und auf Erden holen kann. Dass der Mensch unmündig bleibt, ist eigenes Verschulden, die Allmacht wäre ihm durchaus gegeben.

Das macht den großen Martin Luther zaudern, denn es bedeutet Machtverlust in seiner Kaste. Er wird die wahren Hintergründe des Wortes nicht im Volk verbreiten lassen und gibt sie niemals preis. Ein Zeichen seiner Erkenntnis hat er uns dennoch hinterlassen: Sein Wappen zeigt die Rose. Die Rose ist das Wort; eindeutiger kann es dem, der um die Hintergründe weiß, nicht vorgehalten werden.

Einmal teilt er sich seiner Magd mit, weil von ihr nichts zu „befürchten“ war. Diese hielt seine Bekenntnisse in einem Brief an Katharina von Bora/Luther fest, der jedoch niemals abgesendet und fortan von der Familie geheim gehalten wird. Er hat die Generationen überdauert und wird nun endlich veröffentlicht.

Heloise Palmer stellte ihn und die darin vermittelten Erkenntnisse zu Wort und Religion in ihrem Programm „Für eine Rose Ewigkeit“ vor, eingewoben wurden Kompositionen von Bach, Haydn, Loewe, Schumann, Janacek, Webern, Delius und ein eigens für diese Programm geschriebenes Werk von John Palmer.

Mit ihrem beeindruckenden, ausdrucksstark und emotional vorgetragenen Klavierspiel begeisterte Heloise Ph. Palmer und entführte die Konzertbesucher in eine Welt der Klänge, Bilder und Texte und fühlte der Lutherrose dabei auf den Grund. Mit lang anhaltendem Beifall bedankten sich die Gäste für dieses außergewöhnliche Kunsterlebnis.


Zur Vita:

Heloïse Ph. Palmer ist eine britische muïetische Künstlerin, Pianistin und Autorin mit polnisch-deutschen Wurzeln. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie in Deutschland, Israel und den USA. Seit 1992 konzertiert sie in Europa, Israel und in beiden Teilen Amerikas. Palmer geht mit der von ihr geschaffenen Aufführungspraxis Muïesis neue und vor allem eigene Wege und versucht durch Kontextualisierung, die Verknüpfung allgemein bekannter Themengebiete mit Werken klassischer Klaviermusik, den Zugang zu letzteren zu erleichtern und damit ein tieferes und nachhaltiges Wahrnehmen der Musik zu ermöglichen.

Ihr künstlerisches Schaffen umfasst Musik, Literatur und visuelle Kunst. Als Interpretin interessiert sie sich neben dem Standardrepertoire seit jeher stark für die Anfänge der Musik ebenso wie für die Werke zeitgenössischer Komponisten. Ersteres hat sie wiederholt zu Bearbeitungen frühester Instrumental- und Vokalwerke veranlasst. Letzteres dazu, neue Werke in Auftrag zu geben und uraufzuführen. Palmer legt großen Wert auf Grenzaufweichung in der Kunst, vor allem in den verschiedenen musikalischen Genres. Daher bezieht sie in ihre Konzertprogramme gern unübliche Stile (zum Beispiel aus Jazz und Populärmusik), Improvisation, sowie elektronische Klänge und „Gegenspieler“ mit ein. Ein umfassendes Portfolio ihrer künstlerischen Arbeit, unter anderem mit eigenen Werken aus Musik und Poesie, befindet sich unter: www.youtube.com/user/heloisephilomele

Fotos mit Konzertimpressionen im Auftrag der ICLG von Dr. Wolfgang Rathgen und Andreas Porsche
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Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft e.V. und Carl-Loewe-Museum Wettin-Löbejün
Am Kirchof 2 | D-06193 Löbejün| T +49 (0)34603 71 188 | info@carl-loewe-gesellschaft.de | www.carl-loewe-gesellschaft.de
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