Rückblick Radpartie

SV „Glück Auf“ Plötz e.V.
Radpartie am 28.09.2014

Ausgesprochen gut hat es der Wettergott am Sonntag, dem 28.09.2014, mit den 13 Pedalrittern des SV „Glück Auf“ Plötz e.V. und den Freizeitradlern aus Plötz, Roßlau und Görzig gemeint.
Geplant war eine Tour auf „Umwegen“ nach Löbejün, um hier an einer Stadtführung teilzunehmen. Die Umwege waren leider gesperrt und so erfolgte die direkte Fahrt nach Löbejün. Am Ortseingang von Löbejün erfolgte der letzte Stopp vor dem geplanten Treffpunkt mit der Stadtführerin Frau Schneider. Ein kurzer Anruf bei Ihr, um mitzuteilen, daß die lustige Truppe unterwegs ist, wandelte sich in den Erhalt einer klaren Mitteilung um: „Hopp Hopp, es war ausgemacht um 14.00 Uhr“. Uns blieben noch 10 min, und um die Stadtführung nicht zu gefährden, wurden alle Anstrengungen unternommen, um pünktlich am Treffpunkt zu erscheinen. Dies gelang uns und unter starker Atemnot konnte um 13.58 Uhr die Gruppe als anwesend angemeldet werden. Frau Schneider informierte uns auch sogleich über die geplante Tour durch die Stadt und erwähnte auch beiläufig die Dauer dieser Stadtführung. Dabei hat sie aber sicherlich nicht mit dem Wissensdurst des Plötzers gerechnet. Wir danken schon an dieser Stelle für eine mehr als 3-stündige Stadtführung durch Löbejün.

Was konnten wir alles erleben und erfahren:
Wann wurde die Stadt erstmals erwähnt und wann bekam man das Stadtrecht verliehen? Die Ersterwähnung war nach Frau Schneiders Worten im Jahre 961 und das Stadtrecht erhielt man wahrscheinlich im 13. Jahrhundert.
Hier gibt es eine kleine Unsicherheit: da durch einen großen Stadtbrand im Jahre 1583 viele Dokumente und Nachlässe verbrannt sind, besteht nur die Vermutung mit der Angabe zum Stadtrecht. Erfahren konnten wir auch, warum die Stadt brannte. Zu Pfingsten im Jahr 1583 wollte ein Bürger der Stadt im Gasthaus ein Bier trinken, bekam aber keins. Aus Wut und mit Verärgerung über dieses Handeln des Gastwirtes zündete er die Stadt an. Was es nicht alles gab in früheren Jahren.
Löbejün gibt es auf einer Fläche von 20,52 km², und vieles davon konnten wir zu Fuß erkunden.
Die nächsten Informationen, die wir erhielten, waren die von der Stadtmauer und dem Halleschen Tor. Als wir erfuhren, daß es eigentlich noch 3 weitere Stadttore gab, war das Staunen da. Löbejün schützte sich mit einer Mauer und 4 Stadttoren.

Hinter dem Halleschen Tor erwartete uns schon die Löbejüner Wasserfrau. In Ihrer Tracht mit dem Wasserträger auf der Schulter trug sie uns das Gedicht „Es ist alles nur geliehen“ vor. Schon nach dem ersten Satz wurde es sehr ruhig und nachdenklich in der Gruppe. Zum Schluss sagten wir nur noch, wie recht die Wasserfrau nur hat. Da wir uns an diesem Tag die Zeit geliehen hatten, um die Stadt Löbejün besichtigen zu dürfen, konnten wir im Inneren des Halleschen Tores viel über die Heimatgeschichte in Wort, Bild und Gegenständen sehen und erfahren. Das besondere an dieser Führung mit Frau Schneider und der Löbejüner Wasserfrau (Frau Bauer) war, wir benötigten keinen Dolmetscher um das „Mir und Mich verwechsle ich nicht, das kommt bei mich nicht vor ……………….“, zu verstehen und auch mitzureden. Eigentlich wollte man gar nicht weiter, weil es jeder super fand, was sich hinter diesen Mauern befand. Jeder hat auch einen eigenen Beitrag mit Erzählungen und Erinnerungen beigefügt. Mit einer ordentlichen und klaren Frage von Frau Schneider ob den jetzt alle durch wären, konnte die Führung fortgesetzt werden.
Die nächste Sehenswürdigkeit war das Haus 1600. Hier erfuhren wir die Geschichte zum Haus und zum Jetzt-Zustand. Auch erhielten wir Informationen zur Bedeutung einzelner Straßennamen – Burg, Kemnitz, Kochs Thor, Auf der Schanze und PiPaPo.
Zum PiPaPo später noch mehr.
Auf unserem Weg zur Kirche kamen wir am Rathaus, dem Karl Löwe Denkmal und dem schmalsten Haus von Löbejün in der Markt Straße vorbei und erfuhren auch hier Neues und Wissenswertes. Natürlich ist uns auch aufgefallen, wie der Altstadtkern ausgebaut wurde. Da kann man die Geschichte über „Der bankrotte Löbejüner“ gar nicht glauben.

Nun standen wir vor der Treppe zum Kirchhof und dem Karl Loewe Haus. Hier fragten wir uns, ob extra wegen uns der rote Teppich ausgelegt wurde. Keiner aus unserer Gruppe konnte uns die Frage, warum es diese Rote Treppe gibt, beantworten. Es wird schon einen Grund dafür geben. Wir putzten uns die Schuhe und schritten gut gelaunt hinauf zur Kirche. Frau Schankewitz erwartete uns zur Führung in der Kirche und gab uns die Erlaubnis, den Kirchturm mit seinen über 100 steilen Stufen zu erklimmen.
Eine herrliche Aussicht in alle Himmelsrichtungen entschädigte uns für den kräftezehrenden Aufstieg. Wer in Richtung Osten schauen wollte, also nach Plötz, musste das leider durch eine Vergitterung machen. Warum? Gibt es da etwas was nicht viele wissen?
Von oben sah man auch wie Frau Schneider unten auf dem Kirchhof sehnsüchtig auf ihre Gruppe wartete. Um nicht in Zeitnot zu geraten, wurde der Abstieg zügig betrieben.
Weiter ging es zum Schillerdenkmal bis hin zum Dampfzylinder. Dieser Dampfzylinder war eigentlich der Auslöser, um die Stadt Löbejün zu besuchen.

Seit 2008 führen wir zwei Radtouren im Jahr durch, um sich zu bewegen, aber auch um mal etwas Interessantes zu sehen. In diesem Jahr ist es aber anders gewesen. Auf unserer Tour im Frühjahr -statt mit den Rädern sind wir mit dem Bus nach Amsterdam gefahren (Holland, Amsterdam – Fahrräder ohne Ende). Auf der Rückfahrt hat man das hier Erlebte nochmal Revue passieren lassen und Pläne für eine neue Tour geschmiedet. Hierbei erwähnte Reinfried Zimmer den Dampfzylinder, welcher in Löbejün steht. Er ist der zweite Dampfzylinder der ersten Deutschen Dampfmaschine. Wir alle im Bus schauten uns an und wussten nicht, was er meint und was das sein soll. Dann kam noch hinzu, daß Frau Erika Bau über die Löbejüner Kirche sprach und daß man diese auch besichtigen kann. Mit diesen zwei Informationen wurde festgelegt: Das wollen wir sehen, da möchten wir hin - und so war der Plan für den 28.09.2014 fertig.
Schön, daß es in Löbejün einen Zeitzeugen der Deutschen Industrie gibt, schön wäre es aber auch, wenn das Areal eine Verschönerungskur erfahren würde.
Die vorletzte Station war das Hospital mit dem ältesten Gebäude der Stadt, der Kapelle. Schade, daß man über das Hauptgebäude und den jetzigen inneren Zustand nicht nur Gutes erfahren konnte.

Entlang der „Fließe“ führte uns der Weg zur letzten Attraktion von Löbejün, dem Historischem Stadtgut. Bemerkenswert, was die Stadt Löbejün sich hier geschaffen hat und wie man versucht, es sinnvoll zu nutzen. Natürlich kamen auch Fragen und Zweifel auf, ob man alles so machen musste, ob das Historischem Stadtgut eine Auslastung hat und PiPaPo.
Die Frage von mir, dem Verfasser dieses Artikels: was wäre heute mit diesem Objekt, wenn der Bürgermeister und der Stadtrat damals nicht die Entscheidung für die Restaurierung dieses Areals getroffen hätten, konnte und wollte keiner beantworten.
Vermutlich wäre das gesamte Objekt zwischenzeitlich dem Verfall preisgegeben.

Hier endete auch unsere Stadtführung nach über 3 Stunden. Die letzte Frage welche uns beschäftigte war an diesem Tag: wer hat und nimmt sich die Zeit von über 3 Stunden und erkundet einmal Löbejün? Wahrscheinlich sind es nur wenige. Wir haben es getan und sagen Danke Frau Schneider, Ihre Stadtführung war sehr interessant und für uns alle informativ.

Da wir vor der Stadtführung vorausschauend unsere Fahrräder schon an der Sportgaststätte abstellten, konnte uns nach der Verabschiedung nichts mehr halten, um zu den Rädern, nein um ins Gasthaus zu kommen. In einer lockeren Runde wurde das soeben Erlebte noch mal bei einem kühlen Getränk durchgegangen und vorgetragen. Hier kommt jetzt nochmal das PiPaPo mit hinzu, welches in Erzählungen eines Einzelnen (Pedalritter Ed) einmal öfters auftauchte und somit an diesem Abend zum „Spruch des Tages“ festgelegt wurde. Kurz vor Eintritt der Dunkelheit erklang nochmal der Schlachtruf „PiPaPo“ und es wurde für den Rückweg aufgesattelt.

Alle Bilder dieser Tour sind auf der Homepage des SV „Glück Auf“ Plötz e.V. zu sehen.

Olaf Hilbig
Vereinsvorsitzender.
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