Notruf 116117 - Was tun, wenn der Arzt nicht kommt?

Wer ist am Telefon und wer kommt, wenn man wie Matthias Tändler die 116117 wählt? FOTO: MZ/PETER LISKER

Nur ein Erfahrungsbericht

Die Arztbereitschaft ist doch eigentlich etwas Feines. Eine zentrale Nummer gewählt und prompt landet man bei einem freundlichen Doktor, vergleichbar mit dem "Bergdoktor".

Die Realität war heute, bestimmt nur ausnahmsweise, eine andere. Ich rief also gegen 18.00 Uhr die besagte Nummer an und wurde freudig begrüßt. "Machen Sie es kurz, ich habe keine Zeit!". Gut, dachte ich, der Bergdoktor ist ja auch immer im Einsatz.

Kurz und bündig schilderte ich also mein Anliegen. "Sohn, fast 18, hohes Fieber - 40, Ibuprofen 600 (heute schon die zweite), Wadenwickel - seit einer Stunde Kampf, Fieber will nicht weichen." Der Arzt antwortete ebenso kurz und bündig: "Ich bin Radiologe, von Kindern habe ich keine Ahnung!". Aha, dachte ich, gab es da nicht so was wie eine medizinische Grundausbildung? "Ja, fahren Sie doch einfach in die Klinik." Nochmal Aha, ein 1,87 großes Kind mit Fieber und Schwindel ins Auto wuchten. Meine Einwände wurden abgebogen, dann war noch eine Diskussion um eine falsche Adresse zu hören. Ich war ein wenig verwirrt, aber die Diskussion war ja nicht für mich bestimmt. Der freundliche Radiologe erklärte mir, dass er gerade beim falschen Menschen zum Hausbesuch war.

Ich packte also mein Riesenkind ins Auto und fuhr zum hiesigen Krankenhaus. Hier wurde uns dann geholfen.

Fazit: Macht eine Arztbereitschaft Sinn, sind Radiologen und andere Ärzte nicht sowieso hoffnungslos überfordert? Oder sind wir zu spezialisiert? Oder ist unser Gesundheitssystem irgendwie schräg? Müssen Krankenhäuser denn wirklich alles leisten, wenn manchmal ein Hausbesuch reicht? Sollte nicht jeder Arzt so grundlegende Kulturtechniken, wie Abhören, Abklopfen etc. beherrschen? Sollte ich den Befunden eines Radiologen glauben, der Kulturtechniken nicht beherrscht? Oder war der RADIOloge doch vom MDR, wie mich ein Bekannter bei Facebook fragte?

Diese Fragen kann ich nicht beantworten, doch mit Sicherheit war das heute ein Ausnahmefall, so hoffe ich zumindest. Problematisch ist es nur, wenn jemand eben kein Auto hat (der freundliche Radiologe hat mich danach nicht gefragt). Oder wenn jemand sich nicht artikulieren kann. Wie auch immer, bei allem Verständnis für überlastete Ärzte, auch Patienten sind gelegentlich überlastet, aber wirklich nur gelegentlich.
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Gina Lützler aus Wittenberg | 05.02.2015 | 18:45   Melden
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