Die Uhren im Wittenberger Rathaus ticken anders

Von einer, die auszog, eine Karte zum Neujahrsempfang zu kaufen.



Hoffnungsfroh las ich heute eine Notiz des Bürgerbüros in der Mitteldeutschen Zeitung. "Karten für den Neujahrsempfang der Stadt gibt es ab sofort im Bürgerbüro des Neuen Rathauses".
Gelesen, getan, um 16.30 Uhr betrat ich das Bürgerbüro und fragte nach dem Objekt meiner Begierde. Die freundliche Dame sah mich an, als würde ich vom Mond kommen. Die Karten sind schon lange ausverkauft. Ich entgegnete etwas kleinlaut, wie denn das möglich sei, da ja erst ab heute... Nein, nein, so wurde ich eines besseren belehrt, die Karten sind schon seit gestern ausverkauft. Wie, was? Ja, 250 Karten waren sofort ausverkauft.

In meinem Kopf liefen Bilder von Menschenmassen ab, die am 2. Januar vor dem Rathaus Schlange standen. Aufruhr am Schalter, wildes Gedrängel, mehr wage ich mir kaum vorzustellen. Bloß gut, dass ich dem Getümmel entkommen bin, oder eher nicht?

Auf jeden Fall habe ich nun keine Karte und damit auch keine Chance von dem Ereignis des Jahres zu berichten. Denn das muss es ja sein, bei dem Ansturm auf die Karten!

Etwas nachdenklich verließ ich das Rathaus. Sollte es nicht doch an mir gelegen haben? Vielleicht gab es da doch noch ein bis zwei Restkarten und ich passte nicht ins Schema, nicht Bürger genug, zu viel Bürger, nicht bekannt genug, nicht unbekannt genug, zu normal, zu oft teilgenommen? Fragen über Fragen durchschwirrten meinen Kopf.

Aber eines erscheint jedenfalls klar, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Bloß was tue ich, wenn doch Zeit und Raum relativ sind?
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