Kommentar zum Artikel: Die DDR im Atomvisier

Ich habe mit Interesse den MZ-Artikel "Die DDR im Atom-Visier" in der Ausgabe vom 13. Februar und auch die Kommentare verfolgt. Ergänzend möchte ich aus eigenem Erleben auch etwas dazu beitragen, was für manche Leser vielleicht informativ ist.

Von 1981-1984 hab ich meinen Wehrdienst beim Wachregiment Feliks E. Dzierzynski in Berlin absolviert. Der kalte Krieg hatte in diesen Jahren seinen Höhepunkt erreicht und auch mit atomarem Waffeneinsatz der Großmächte musste man rechnen. Auf dem Territorium der DDR sowie in der BRD waren Atomraketen stationiert, unter anderem auch im Berliner Umland.

Während meiner Dienstzeit hatten die Soldaten die Aufgabe, in ihren Berufen den Bau des größten Atombunkers des Warschauer Pakts voranzutreiben und weitere geplante Bauwerke zu errichten. Ich war in der glücklichen Lage an diesen streng geheimen Objekten mitzuwirken, persönliche Eindrücke zu gewinnen und mir meine eigene Meinung dazu zu bilden.

Das Objekt 17/5001 - auch "Honeckerbunker" genannt - befand sich direkt auf unserem stationiertem Gelände in einem Waldstück bei Prenden zwischen Wandlitz und Bernau. Ausgeklügelte ingenieurstechnische Hochleistung beweist die Ausstattung dieses Bauwerkes. Auf drei Etagen befanden sich 300 Räume mit eigener Wasser-, Luft- und Stromversorgung. Die Wohn- und Aufenthaltsbereiche des Personals sowie die wichtigsten technischen Anlagen wurden alle an starken Stahlseilen aufgehängt, um bei einem Einschlag die Schwingungen bis zu einem Meter auszugleichen. Die Wohnbereiche befanden sich in riesigen Stahlcontainern an ca. fünf Zentimeter starken Stahlseilen mit einer Art (mit Stickstoff befüllten) Stoßdämpfern an den Enden, die mit dem Containerboden verbunden waren.

Ich als Schweißer habe dort Einiges miterrichtet in den Wohnbereichen und Technikräumen. Interessant waren auch die Schnellverschlussklappen gegen Eindringen verseuchter Luft von außen. Im Gefechtszustand wurde das Objekt dafür mit leichtem Überdruck gefahren.
Durch die eigene Versorgung mit Strom, Luft und Wasser war dieses Bauwerk autark und hätte einige Wochen Überlebenschancen für ausgewählte Leute der Regierung geboten. Die Nachrichten zur Außenwelt wurden über unterirdische dicke Kabel von anderen entfernten Bunkern transportiert, sodass die 5001 nicht über Radar zu orten war.

Nach Fertigstellung und Inbetriebnahme ca. 1983/84 war ich noch am Werbellinsee im Objekt 17/5020 und 5021. Dort befanden sich ausschließlich mehrere unterirdische aus halbkreisförmigen Betonsegmenten bestehende Tiefgaragen für Lafettenfahrzeuge mit SS-20.
Der Honeckerbunker ist Ende 2008 für immer mit Spezialbeton zum Schutz vor weiterem Vandalismus und Plünderei verschlossen worden. Als Zeitzeuge durfte ich im Mai 2008 mit Familienangehörigen und Freunden diesen streng geheimen Ort nochmals besichtigen.

Mathias Hennig
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2 Kommentare
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 21.02.2016 | 20:57   Melden
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Wolfgang Rust aus Dessau-Roßlau | 24.02.2016 | 18:44   Melden
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