DANKE! - an´s Neue Theater Zeitz

Zeitz: Neues Theater Zeitz | Das Bildnis des Dorian Gray stand nüchtern auf der Karte zum Premiereabend des Neuen Theaters Zeitz. Daß das Ensemble des Neue Theater Zeitz hohe Ansprüche an sich stellt, hat sich mittlerweile rumgesprochen. So bleibt die Bühne nur einsilbig und die wahre Schauspielkunst dominiert das Geschehen. Lust und Frust gleichermaßen, denn jede Mimik, jede Bewegung, ja selbst ein Augenaufschlag wird vom nahen Publikum wahrgenommen. Diese unmittelbare Nähe am und im Publikum setzt besondere Maßstäbe an Akteure und Inszenierung gleichermaßen.
Felix Zühlke als Dorian Gray hatte die ungezügelte Lebenslust eines reichen, skrupellosen, frauenverzehrenden Lebemannes zu verkörpern, der mit Stammtisch-Weisheiten aufwarten konnte, die einige, insbesondere Besucherinnen vergessen ließen, daß sie im Theater saßen und so ihr Veto unmittelbar akustisch zum Ausdruck brachten. Somit hatte das Theater bereits hier seine volle Wirkung erzielt: Es war direkt beim Zuschauer angekommen und zog diesen unmittelbar in seinen Bann. Das leise Schmunzeln der Männer blieb ungehört, erkannte man sich doch selbst in der einen oder anderen Situation wieder. Und so standen die Wertmaßstäbe von Sitte und Moral im Grenzbereich zur Diskussion. Diesen nicht fortwährend zu strapazieren, sorgte eine sehr fidele Figur des Lord Henry Wotton, den Axel Hartwig nimmer müde wurde, Leben einzuhauchen. Dieser reiche Lord Wotton begleitet und forciert auf eine sehr illustre Art den zeitweilig von Selbstzweifel ob seines Tuns, geplagten Dorian Gray und kehrt die teuflische Seite des männlichen Habitus ganz nach oben. Diesem wilden Treiben (oder Trieben) des Dorian Gray stellt sich plötzlich die tatsächliche Liebe in den Weg. Die junge Sibyl Vane, die auf eine sehr einfache aber deshalb um so wunderbarere Weise von Daria Monciu als die jung Verliebte gespielt wird, so daß das bis dahin derbe Treiben der frauenvernichtenden Männer eine feinsinnige, liebenswerte Zäsur erfährt, der Dorian Gray fast erliegt. Lord Wotten bringt ihn aber wieder auf die richtige, falsche Spur.
So, wie Oscar Wilde dem Geschehen die Richtung gibt, altern auch die Schauspieler rings um Dorian Gray, die, wie in der Figur des gealterten Malers Basil Hallward, den hier immer noch der junge Benno Günter verkörpert, graumeliert die Szene betritt und angestaubt ungeahnte Lichteffekte erzielt, die auch lachend begrüßt wurden.
Eine angenehme, kurzweilige Szenerie beschert uns Lady Narborough, die, als kostümierte Henriette Rossner-Sauerbier, hier ihre Paraderolle findet und durch ein keckes und auf eine ganz subtile Weise erfrischendes Wortspiel mit Dorian Gray ihre eigene Nichte an den Mann zu bringen versucht. Insbesondere in dieser Szenerie findet das Stück seine ursprüngliche englische/irische Prägung und die holde Weiblichkeit dominiert in Wort und Spiel. Dies ist zugleich auch eine zeitliche Erlösung des Zuschauers von der allesbeherrschenden Dramatik und wird dankbar angenommen. Ein Mehr solcher gleichgelagerten Zwischenspiele bekäme der Inszenierung m. E. sehr, weil es den Zuschauer vom steten Hinterfragen seiner eigenen Moralvorstellung befreien würde und diesem ernsten Inhalt sowohl eine prägende als auch unterhaltende Funktion gäbe, indem es dem Amüsanten Raum gibt, ohne dabei lächerlich zu wirken. Wenngleich die fortwährende Handlung dies nur schwerlich zuläßt. Bei aller Dramaturgie der Geschehnisse um Liebe, Enttäuschung, Verachtung und Tod auch den bekannten schwarzen englischen Humor einfließen zu lassen, täte dem Stück bei aller Tragik gut.
Ein markerschütternder Schrei der jungen Nichte, verführt durch Dorian Gray, läßt aber hier keine andere, als eine sehr dramatische Interpretation zu.
Und so erkennt schließlich Dorian Gray die Widerwertigkeit seines Lebens im Abbild seines jetzt völlig entstellten Portraits wieder und zerstört dieses und damit sich selbst in einer dramatischen Schlußszene.
So ist das „Bildnis des Dorian Gray“ in einer Bearbeitung von Shoshana Sauerbier-Tietz unter Regie von Christine Hofer dem Zuschauer nahe gebracht worden, wobei die weibliche Handschrift durchgängig erkennbar bleibt und ein Für und Wider der Aufführung offen hält.
Bleibt festzuhalten: Eine erfolgreiche Premiere, die uns sagen läßt: Danke! Wir kommen gerne wieder!
Knut Kahnt
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 07.11.2016
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