Neues Theather Zeitz zeigt Luther

Premiereabend „Martin - Bruder und Reformator“. Eine Zeitreise beginnt, die das Geschehen im Mittelalter kurz umreißt. Ein junger Mann tritt in´s Geschehen - der junge Luther – wild, eigensinnig, streitwillig und streng im Glauben verwurzelt und nicht gewillt, in´s selbe Horn zu blasen, sucht und findet er seine Wahrheit. Glaubwürdig gespielt von Sascha Kiesewetter rückt der junge Luther dem Zuschauer zu Leibe. Diesen energiegeladenen Charakter dem väterlichen Diktat (Karl Karliczek) zu unterwerfen, scheitert. Und nachdem Papst Leo X. (Jürgen Stegmann) von den Umtrieben eines jungen Augustinermönchs erfährt, will er ihm, gemeinsam mit Kardinal Cajetan (Gunthart Hellwig) einen Denkzettel verpassen. So wird er zum Reichstag nach Worms geladen. Kaiser Karl (Jürgen Stegmann) und der Kurfürst Johann von Sachsen (Karl Karliczek) wollen Luther am Gängelband führen und fordern ihn auf, zu widerrufen, ansonsten würde man ihm einen Denkzettel verpassen. Doch er wollte Kaiser Karl nicht vor den Kopf stoßen und so schrieb Luther bereits hier, vor dem Reichstag in Worms 1521, Geschichte: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders, Gott helfe mir.“
Wie kostbar sind solche klare Worte in der politischen Gegenwart, doch man scheut selbst, das Zitat Luthers zu gebrauchen.
Die weiteren Geschehnisse sind hinlänglich bekannt. Luther leitet die Reformation ein und prägt uns alle, die wir heute - bewußt oder unbewußt – seinen fortschrittlichen Gedanken seit 500 Jahren folgen.
Und so steht der alte Luther (Gunthart Hellwig) gedankenversunken neben seiner Frau, Katharina von Bora (Henriette Rossner-Sauerbier). Er, allein dem geistigen Tun verpflichtet, ist es Katharina von Bora, die die gesamte Wirtschaft bestellt und ihr Scherflein beiträgt und dennoch sind beide ein Herz und eine Seele. Dabei muß Katharina von Bora ihr Licht nicht untern Scheffel stellen, denn sie ist ihm auch geistig ebenbürtig. Wunderbar werden von beiden Luthers Zeitzer Predigten in Bildern dem Publikum vor Augen geführt. Dieser sanfte Einblick in die privaten Gemächer Luthers holt ihn gleichsam vom bronzenen Sockel direkt ins Herz der Zuschauer.
Diese kurzweilige Inszenierung neben dem alten Franziskanerkloster in Zeitz, in dem genau diese Predigten stattfanden - das paßt wie die Faust auf´s Auge.
Wir sagen danke für eine Regieleistung von Gunthart Hellwig, die uns Luther wieder lebendig gemacht hat, weil hier der Mensch Luther das Thema war.
Das Franziskanerkloster Zeitz ist m. E. die richtige Spielstätte für dieses Stück. Ob es in diesem Jahr gelingt, Luther hier wieder für die Zeitzer auferstehen zu lassen und dem Zeitzer Volk ein geschichtliches Selbstbewußtsein zu vermitteln? Wer´s glaubt, wird selig!
Knut Kahnt
*die von mir verwandten Redensarten haben ihren Ursprung natürlich auch bei Dr. Martin Luther; beim nochmaligen Lesen werden Sie bestimmt alle zehn Redensarten entdecken.
Fotos: Dieter Mittenzwei
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