8. Mai 2015 in Zeitz: Gedenkveranstaltung anläßlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus

    Leider konnte ich nicht persönlich bei dieser Veranstaltung zugegen sein, aber freundlicherweise bekam ich Fotos und Texte von Mitgliedern des ORTZ für die Veröffentlichung. Ich erhielt weiterhin die Information, daß während der Gedenkveranstaltung eine umfangreiche Liste der auf dem Ehrenfriedhof beerdigten Toten eingesehen werden konnte.

Mit musikalischer Begleitung begann die würdige Ehrung anläßlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in Zeitz-Ost, zu der „Die Linke“ Stadtverband Zeitz sowie die Regionalorganisation der KPD Zeitz eingeladen hatte. Die anschließende Gedenkrede – die wir an dieser Stelle ebenfalls veröffentlichen - hielt Frau Krößmann von der Partei „Die Linke“. An der zentralen Gedenkstele dieses Friedhofes verneigten sich die Gäste und legten Blumen nieder.

Hier nun die vollständige Gedenkrede:


Der 8. Mai ist der Tag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa. Er markiert den Schlußpunkt der Befreiung Europas von der faschistischen deutschen Gewaltherrschaft und er ist der Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus.

Diesen Tag klein reden oder umdeuten zu wollen heißt, ein ungeheuerliches Menschheitsverbrechen klein zu reden oder umzudeuten. Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands der zweite Weltkrieg in Europa. Der Staat, der da von der Anti-Hitler-Koalition unter der Führung der Sowjetunion, der USA und Großbritanniens zur Kapitulation gezwungen wurde, war nicht irgendein beliebiger, sondern ein Deutschland, das diesen Zweiten Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen vom Zaun gebrochen und in den darauffolgenden Jahren in der Folge weiterer Aggressionsfeldzüge ein nie dagewesenes Schreckensregime in fast ganz Europa errichtet hatte. Es war dies kein „normaler” Krieg, in dem „normale" Armeen auf „normalen” Schlachtfeldern gegeneinander kämpften, sondern es war dies von vornherein ein rassistischer, auf die Auslöschung ganzer Völker abzielender Krieg, in dem nach dem blutigen Durchzug der Front die eroberten Gebiete einer totalen Ausbeutung und Kontrolle unterworfen wurden.

Konzentriertester Ausdruck war der Holocaust:

die zielgerichtete und planmäßig „durchgeführte” Vernichtung von 6 Millionen Juden Europas. Ebenso planmäßig vernichtet wurden Hunderttausende Sinti und Roma und getragen war der Krieg außerdem von einem fundamentalen Slawenhaß. Dieser Slawenhaß, die Auffassung, daß es sich bei den Slawen um „Untermenschen” handele, bildete den Rahmen für ein außergewöhnlich verbrecherisches Vorgehen in den Kampfhandlungen selbst wie auch im eroberten Hinterland.

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 trat der sogenannte Kommissarbefehl in Kraft, in dem es hieß, daß, wer als Politkommissar der Roten Armee gefangen genommen wurde, auf der Stelle zu erschießen sei. Der Befehl zielte auf die Liquidierung slawischer Intellektueller allgemein wie auch auf die Austilgung kommunistischen und marxistischen Denkens im Besonderen. Im Hinterland wurden Millionen Menschen dem Hunger- und Erfrierungstod preisgegeben, weitere Millionen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt; kriegsgefangene sowjetische Soldaten verhungerten zu Millionen in den Gefangenenlagern. -— Diese barbarische Kriegführung wurde auf alle ausgedehnt, die sich gegen die deutsche Besatzung wehrten. ln allen Ländern.
Dem Krieg vorausgegangen waren sechs Jahre faschistischer Terrorherrschaft in Deutschland selbst. Viele Tausend Gegner des Nazi-Regimes — Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Liberale, Geistliche — wurden in dieser Zeit umgebracht, Zehntausende in Konzentrationslagern und Zuchthäusern gefangen gehalten. Die Vernichtung der Juden wurde in dieser Zeit mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Pogromen vorbereitet. Zehntausende Menschen wurden in die Emigration getrieben.

Es ist heute — im Jahre 2015 — erstaunlicherweise wieder üblich geworden, die Bezeichnung „Tag der Befreiung" in Zweifel zu ziehen. Am 10. April 2015 wandte sich die „B.Z.” in Berlin gegen den Vorschlag der LINKEN, die Straße Alt-Friedrichsfelde im Berliner Osten wieder in Straße der Befreiung umzubenennen, mit den Worten, daß „die Freude über diese Befreiung nicht lange währte”, weil „Stalin in Deutschland eine neue Diktatur errichtete”. — Wieso sollte ein weltepochales Ereignis wie die Befreiung vom Faschismus ins Zwielicht geraten, weil die nachfolgenden Entwicklungen widerspruchsvoll waren? Die nachfolgenden Entwicklungen sind ein eigenes Kapitel; sie stellen die Befreiungstat nicht in Frage.

Das hat Bundespräsident Richard von Weizsäcker gewußt, als er 1985, zum 40. Jahrestag der Befreiung, eben genau diese Bezeichnung „Tag der Befreiung" wählte und den Bürgerinnen und Bürgern der Bundesrepublik ausdrücklich ans Herz legte. Denn es war der Westen, wo man so lange zögerte, von einem Tag der Befreiung zu sprechen; im Osten, in der DDR, hingegen war der Tag lange sogar offizieller Feiertag.

Wir müssen uns immer wieder bewußt machen:

Die Befreiung geschah durch die Alliierten, geschah durch die Anti-Hitler-Koalition, geschah durch alle in dieser Koalition vereinten Staaten und Befreiungsarmeen. Sie war das Werk einer ganzen antifaschistischen Welt. Sie geschah im Sinne auch all jener, die sich in Deutschland selbst gegen den Faschismus zur Wehr gesetzt und ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten.
Mindestens Zweierlei ist heute, am 70. Jahrestag der Befreiung, besonders wichtig:

Erstens der unbedingte Respekt vor den Befreiern, vor den Siegern im zweiten Weltkrieg, die unsere Befreier waren. Wenn am 9. Mai in Moskau der Tag des Sieges gefeiert wird (am 9., weil zum Zeitpunkt der Kapitulation in Berlin-Karlshorst in Moskau, wo die Uhr zwei Stunden weiter ist, der neue Tag bereits angebrochen war), dann gebührt den Siegern und Befreiern ebenso Respekt wie denen aus allen anderen Ländern der Welt.

Und zweitens die immer wieder neue Anstrengung, aus dem Zweiten Weltkrieg die Lehre zu ziehen, daß der Frieden gesichert werden muß. Im Ergebnis der Befreiung vom Faschismus wurde 1945 die UNO — die Organisation der Vereinten Nationen — als weltweite Organisation der Friedenssicherung gegründet. Der UNO-Charta zum Durchbruch zu verhelfen — das ist heute wieder eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt.

Folgen wir alle dem Aufruf des erfahrenen russischen Diplomaten und Botschafters Finnlands, Österreichs und Polens, Wladimir Michailowitsch Grinin: Wir müssen uns an das Vermächtnis der Soldaten der Anti-Hitler-Koalition halten. Nie wieder Krieg – Dann waren ihre Opfer nicht umsonst!

Quelle: ORTZ
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
8 Kommentare
41
Heiko Schilling aus Halle (Saale) | 09.05.2015 | 11:52   Melden
231
Wilfried Heineck aus Zeitz | 09.05.2015 | 15:57   Melden
41
Heiko Schilling aus Halle (Saale) | 09.05.2015 | 17:50   Melden
231
Wilfried Heineck aus Zeitz | 09.05.2015 | 20:17   Melden
41
Heiko Schilling aus Halle (Saale) | 10.05.2015 | 18:07   Melden
41
Heiko Schilling aus Halle (Saale) | 10.05.2015 | 19:24   Melden
231
Wilfried Heineck aus Zeitz | 10.05.2015 | 22:37   Melden
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 11.05.2015 | 09:13   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.