An alle, die unsere jetzt innerstädtische Montagsdemo stört

  Zeitz: Zeitz Innenstadt | Am 25. Juni erschien in der Lokalausgabe Zeitz der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) auf Seite 9 – auch im Internet auf MZ-Web.de - ein redaktioneller Artikel über die Zeitzer Montagsdemonstration an ihrem neuen, nunmehr innerstädtischen Veranstaltungsort auf dem Zeitzer Roßmarkt-Ecke Wendische Straße-Ecke Judenstraße. Dem Artikel war deutlich zu entnehmen, daß sich einige Innenstadthändler durch den neuen Veranstaltungsort etwas gestört fühlen. Die Zeitzer Montagsdemonstranten sahen sich durch diesen Artikel zu einer einstimmig beschlossenen Erklärung veranlaßt, welche sie der Zeitzer Lokalredaktion der MZ zuleiteten. Die MZ-Lokalredaktion veröffentlichte diese Erklärung leider nicht, ist dazu auch nicht verpflichtet. Die Zeitzer Montagsdemonstranten machten mir diese Erklärung dankenswerterweise zugänglich. Ich halte diese Erklärung für sehr vernünftig und möchte sie als Bürgerreporter interessierten Kreisen an dieser Stelle im vollen Wortlaut zugänglich machen:

An alle, die unsere jetzt innerstädtische Montagsdemo stört:

Mit der Lautstärke, da läßt sich was machen. Wir müssen auch nicht direkt vor Fenstern oder Türen stehen. An den Stirnfalten der Geschäftsleute können wir hingegen nichts ändern, denn die sind nicht uns anzulasten und wohl eher den mageren täglichen „Kundenströmen“ geschuldet. Im Übrigen: Gerade die Reaktionen auf unseren neuen Veranstaltungsort auf dem Roßmarkt zeigen, wir Zeitzer Montagsdemonstranten stehen dort genau richtig anstatt, wie uns nahegelegt wurde, auf dem Schützenplatz, vor dem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit.
Denn die „Kunden“ im Jobcenter oder in der von-Harnack-Straße bei der „Agentur für Arbeit“ wissen doch ohnehin, wovon wir reden – und die Angestellten dort müssen funktionieren, um nicht selber zu den „Kunden“ zu gehören und die Schreibtischseite wechseln zu müssen. Die Zeitzer Montagsdemonstranten haben sich entschlossen, im Stadtzentrum zu protestieren, weil viel zu häufig die Auswirkungen von Hartz IV durch die vermeintlich Nichtbetroffenen nicht wahrgenommen oder verdrängt werden.
Diese (Un-)Sozialgesetzgebung SGB II führte zu unzulänglichsten Regelsätzen für die „Hartzer“, aber auch zu Niedriglöhnen, Niedrigrenten usw. Dies alles ist doch Folge von SGB II! Auch die Flut der Minijobs, mies bezahlter Zeitarbeit, prekärer Beschäftigung usw. wurden und werden durch diese famose SPD-Leistung SGB II ermöglicht oder zumindest stark gefördert.
Wenn nun in Zeitz Wohnungsleerstand herrscht und Geschäften die Kunden fehlen, dann ist die Ursache in Zeitz eben nicht allein der Michaelpark, sondern nach 10 Jahren Hartz-IV-„Reformen“ haben nicht „nur“ Hartz-IV-Betroffene viel zu wenig Geld zur menschenwürdigen Existenz, auch immer mehr arbeitende Menschen haben real immer weniger Geld.
Wir meinen: es sind noch sehr viel mehr als die üblicherweise genannten ca. 6 Mio Menschen von diesen Schand-Gesetzen betroffen, sind deren Opfer - und erkennen sich noch immer nicht als solche! Oder wagen dieses Eingeständnis einfach nicht.
Es ist daher richtig und sogar notwendig, in der Innenstadt zu demonstrieren, dort, wo offensichtlich noch allzuviele Unwissende oder auch Ängstliche unterwegs sind. Die einen sollen erkennen, was SGB II tatsächlich bedeutet und die anderen wollen wir ermutigen. Denn offen zu demonstrieren und seine Meinung zu bekunden tut wohl anstatt weh und ist keine Schande.
Ganz allgemein: ein jeder schaue in seine Geldbörse, andere in ihre Laden- oder Geschäftskasse, um festzustellen, daß von SGB II nur sehr wenige Leute profitieren können – diese sehr wenigen profitieren allerdings sehr erheblich! Einen Erfolg für viele Menschen beabsichtigten die SGB-II-Einpeitscher allerdings auch niemals, das war überhaupt nicht gewollt.
Wie also ein Mißerfolg für die einfachen Leute erzielt werden kann, wissen wir somit alle aus eigener Erfahrung.
Dementgegen treten wir ein für monatlich 500 € Regelsatz plus Kosten der Unterkunft und 10 €/h gesetzlichen Mindestlohn lohnsteuerfrei und sozialversicherungspflichtig. Offenkundig ist: 8,50 €/h festigt die derzeitigen Elends-Regelsätze und bedingt danach allenfalls monatlich 400 € Minirente. Wer dagegen protestiert, tut jederzeit recht.


Zeitzer Montagsdemonstranten,
Offener Runder Tisch Zeitz
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