Aufregung bei der Zeitzer Gedenkveranstaltung anläßlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz

Die Treppe.
Wer am Dienstag (27.1.2015) kurz vor 16:00 Uhr auf dem Zeitzer Altmarkt eintraf, konnte einen recht aufgebrachten Oberbürgermeister Kunze erleben.

Der Grund seiner Aufregung war offensichtlich eine lange, mit rotem Textil belegte Treppe, welche den Zugang zum mit gefährlichen Schotterbrocken verstellten Denkmal für die Opfer des Faschismus erleichtern sollte. Ein Lob dem, der diese geniale Idee verwirklichte!* Kunze meinte jedoch, das würde das Andenken beschädigen. Er verlangte, die Treppe zu entfernen, sprach von Anmaßung und drohte sogar hörbar mit Polizei. Einen zur Treppe gehörenden Info-Aufsteller entfernte er sogar eigenhändig, wozu er mit Sicherheit kein Recht hatte. Viele der Anwesenden reagierten auf Kunzes Gepolter mit Unverständnis und Wut. Zu Recht, denn er wollte ein Hilfsmittel entfernen, mit dem man würdevoll und ohne Unfallgefahr Blumen am Denkmal niederlegen konnte - diese temporär aufgestellte Treppe.

Wenn das Andenken beschädigt wurde, dann gewiß nicht durch diese Treppe, sondern durch Umbauten, welche das Denkmal verstümmelten:

1. dem Denkmal fehlt seit dem Umbau bis auf den heutigen Tag das Gründungsdokument, ihm wurde gleichsam das Herz herausgerissen.

2. es bekam einen unförmigen Sockel mit unleserlicher und verfälschender Inschrift verpaßt, die zudem noch konspirativ in Hinterzimmermanier zustande kam.

3. es wurde mit Schotter eingefaßt, was Ehrungen extrem erschwert. „Begründung“: der Schotter symbolisiert das Leid. Das ist umstritten. Nach anderen Deutungen verhöhnt es die Opfer auf unglaubliche Weise.

Es besteht kein Zweifel, daß Oberbürgermeister Kunze all dies überwiegend zu verantworten hat.

Und doch stellt Kunze sich ans Mikrofon und heuchelt Gedenken an die Opfer des Faschismus! Meiner Meinung nach beschädigte Kunze das Denkmal schwer und sollte dort keine Gedenkreden halten. Und ich wette, so dachten viele der Anwesenden auch.

Übrigens stakste Kunze lieber über die Schotterbrocken statt über die sichere Treppe. Glücklicherweise unfallfrei. Es wäre tatsächlich entwürdigend, wenn bei einem solchen Anlaß jemand stürzt.


W. Heineck

*Edit: Es war der mutige Stadtrat Norbert Hörig, der den Bau der Treppe ermöglichte.
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Gottfried Hentschel aus Zeitz | 29.01.2015 | 09:05   Melden
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