Der Patient ist "König"

(Anmerkung: Dieser Bericht wurde in abgewandelter Form durch die MZ-Mitarbeiterin Frau Petasch bereits am 25.04.14 in der MZ veröffentlicht. Ich fand diesen jedoch etwas "abgeschwächt" und weil mir dieses Problem sehr am Herzen liegt, trage ich hier nochmals meine Originalfassung vor).


Der Patient ist „König“

Ein Besuch in der einzigen Gemeinschaftspraxis für Chirurgie im alten Zeitzer Krankenhaus ist ein Erlebnis wert. Nicht nur, dass man für einen kleinen Verbandswechsel mindestens 3 h Wartezeit in Kauf nehmen muss, muss man sich auch den abwertenden Bemerkungen der Krankenschwester stellen.

Nach einer OP im Krankenhaus in Eisenberg sollte nur ein Verbandswechsel und ein Blick auf die Wunde erfolgen. Dass man als Zeitzer Bürger dann auch eine Praxis am Wohnort aufsucht, ist eigentlich für jeden verständlich, vor allem, wenn man wegen der OP einige Wochen auf das Auto verzichten muss.

Die erste Frage der Schwester, warum ich diese OP nicht in Zeitz habe durchführen lassen, wurde von mir mit klaren Fakten beantwortet. Auf die nächste Frage, warum ich dann die Nachsorge nicht in Eisenberg machen lasse, war ich erst einmal sprachlos, dies beantwortet sich eigentlich von selbst. Und vor allem, was geht das eigentlich diese Krankenschwester an?
Aber das war noch nicht alles, die Krönung kam noch. Den nächsten Spruch dieser Schwester, die wohl schon ewig dort arbeitet und das Zepter voll in der Hand hat, habe ich unkommentiert stehen lassen. Sie sagte sinngemäß: Das, was Geld bringt, lassen sie woanders machen und für den Rest kommen sie zu uns.

Ich finde dies eine unerhörte Frechheit, so mit Patienten umzugehen.
Der anwesende Arzt war dagegen ziemlich wortkarg, äußerte sich überhaupt nicht dazu, wahrscheinlich denkt er genauso. Es werden wohl in dieser Praxis vorrangig Patienten behandelt, die auch das nötige Kleingeld einbringen, anders kann ich mir die Wartezeit von 3 h nur für einen Verbandswechsel nicht erklären.
So verstehe ich auch die Tatsache, dass sich viele Patienten gar nicht erst in den Warteraum begeben mussten, sondern sofort in das Sprechzimmer gehen durften.

In anderen Arztpraxen, wo die Patienten auch als Menschen wahrgenommen werden, wäre diese Krankenschwester schon längst ausgewechselt worden. Aber wahrscheinlich kann man sich dies leisten, weil die Zeitzer Bevölkerung leider auf diese einzige chirurgische Praxis angewiesen ist.

Es interessiert mich auch brennend, warum die gesamte Crew bereits um 11.15 Uhr bis kurz vor zwölf Mittag machte. Natürlich müssen der Arzt und die Schwester(n) auch mal eine Pause machen, aber zu dieser Zeit? Hätte man die restlichen fünf Patienten, die noch im Wartezimmer saßen, hintereinander weg behandelt, hätten Arzt und Schwester(n) auch pünktlich 12 Uhr Mittag machen können.

Auch finde ich das Bestellsystem seltsam. Ich frage mich, warum bestellt man die Patienten zwischen 8 und 10 Uhr bzw. zwischen 14 und 15 Uhr, obwohl die Sprechzeit mittags bis 12 Uhr und abends bis 18 Uhr geht? Wahrscheinlich soll die „Masse“ in den Anfangsstunden kommen, damit pünktlich Feierabend gemacht werden kann.
So erklärt sich wohl auch, dass zu Sprechzeitbeginn mindestens 25-30 Menschen im Wartezimmer sitzen. Eigentlich unzumutbar.

Ich hoffe für mich, dass ich nie wieder diese Praxis betreten muss.
Vielleicht habe ich auch nur einen falschen Tag erwischt. Aber durch Gespräche mit dortigen Patienten, die im Fortschreiten der Zeit ebenfalls ihren Unmut äußerten, scheinen diese Zustände keine Eintagsfliege zu sein.

Den nächstenVerbandswechsel werde ich auf alle Fälle selbst erledigen und drei Stunden meiner wertvollen Zeit und Nerven sparen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.