Ein besonderer Nikolaustag. Die Gründung der SDP in Zeitz vor 25 Jahren

Gründungsprotokoll vom 6.12.1989 (Foto: Roland Seidelt, Zeitz)
 
Flugblatt Vorstand SDP (Foto: Roland Seidelt, Zeitz)

Am 6. Dezember 1989 wurde die SDP-Ortsgruppe Zeitz mit entsprechendem Protokoll gegründet.

Der Anfang

Es war in den aufregenden Tagen des November 1989 in der Zeitzer Michaeliskirche. Hier, wie zeitgleich in vielen ostdeutschen Städten hatten sich auch in der Zeitzer Michaeliskirche jene Menschen versammelt, die ein anderes Deutschland wollten. Hier gaben jene Zeitzer Demokraten, die sich der SPD nahe fühlten den letzten Impuls zur Gründung einer SDP-Ortsgruppe in Zeitz. Hier wurde ein Flugblatt verteilt und verlesen, das von einem Treffen des SDP-Bundesvorstandes mit ostdeutschen Demokraten am 14.10.1989 in Schwante berichtete.

Mit “SDP Sozialdemokratische Partei in der Deutschen Demokratischen Republik” war das Flugblatt überschrieben. Es beschrieb erste Ziele eines neuen demokratischen Gemeinwesens und forderte zur Bildung demokratischer Strukturen auf. Unterzeichnet war es von Tilo Wetzel, heute SPD-Kreisvorsitzender in Gera.

Nach diesem Novemberabend in der Michaeliskirche war klar, dass sich in Zeitz die SDP als Basisgruppe das Kreises Zeitz konstituieren würde. Einige der späteren Gründungsmitglieder sind noch heute Mitglieder des Zeitzer SPD-Ortsvereins.

Die Gründung

Wenige Tage später hatte das MdI (Ministerium des Innern) die SDP offiziell anerkannt und als Partei zugelassen. Damit war der Weg zur Gründung einer Basisgruppe frei.

Am 6. Dezember 1989 wurde die SDP-Ortsgruppe Zeitz mit entsprechendem Protokoll gegründet. Übrigens im Haus der DSF (Deutsch Sowjetische Freundschaft), das später wieder “Preußischer Hof” wurde.

Nach der Gründung wurde umgehend der erste Vorstand gewählt. Die SDP-Ortsgruppe war mit Geschäftsführer, 2 Vorstandssprechern, einem Schriftführer und mehreren Mitgliedern arbeitsfähig. Arbeitsfähig hieß vor allem, eine organisatorische Infrastruktur zu schaffen und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Denn damals wie heute lebt eine Partei in erster Linie aus ihren Mitgliedern.

Das erste Büro wurde in der ehemaligen Musterungsbaracke in der Zeitzer Wiesenstraße eingerichtet. Die Telefontechnik stellte der Rat des Kreises zur Verfügung.

Vertrauen gewinnen

Bereits wenige Tage nach Gründung lief in der SDP die Arbeit mit der Öffentlichkeit an. Es war die Zeit der Neuorientierung der Menschen. Für viele hieß Neuorientierung auch, ihre berufliche Zukunft in den westlichen Bundesländern zu suchen. Es bestand die Gefahr des Zusammenbruchs der Daseinsvorsorge, etwa in Bereichen des Gesundheitswesens oder der Energieversorgung durch Abwanderung von Fachkräften. Neben der Information über die Ziele der SDP stand also auf der Tagesordnung, bei den Menschen Vertrauen und Zuversicht zu wecken. In mehreren Aufrufen forderte die SDP zur Besonnenheit und zum Hierbleiben öffentlich auf.

Das sahen auch andere politische Gruppierungen so, die sich in Zeitz gebildet hatten. Es galt, gemeinsam bis zu den ersten freien demokratischen Wahlen das Funktionieren bestehender Verwaltungsstrukturen zu gewährleisten. Das ging nur durch eine Koalition der Vernunft. Die SDP, der Demokratische Aufbruch (DA) und die Zeitzer Demokratische Initiative (ZDI) bekannten sich öffentlich zur gemeinsamen Verantwortung.
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