Ein Dank der kritischen Stimme

Zeitz: zeitz-ost | Es scheint, unsere Sprichwörter werden ihrem Sinn auch heute noch gerecht. Auch jenes Wort, wonach getroffene Hunde bellen. War mein ursächlicher Leserbrief also ein Treffer? Ein Streifschuss vielleicht, der leider nicht dort ankam, wo unter angeblich wichtigen Aspekten über die Verwendung von Steuergeldern entschieden wird, während existenziell Wichtiges hinten anstehen muß. Wie etwa Schulen in städtischer Trägerschaft. Ich gehe davon aus, daß ich nicht allein stehe mit dem, was der Kritiker als Haß bezeichnet.

Ich vertrete die Auffassung, im Bildungsbereich sind öffentliche Gelder, unsere Steuern, absolut bevorzugt dort zu verwenden, wo in staatlichen Einrichtungen Bedarf besteht. Dies ist im vorliegenden Fall nicht gegeben - was diesem Kritiker unverständlicherweise kein Wort wert war. Mehr noch: ob nun aus Stadtkassen finanziert oder aus irgendwelchen steuerfinanzierten Fördertöpfen, solange Bedarf herrscht an unentgeltlichen Schulen, verbietet sich meiner Meinung nach jeder Euro öffentliches Geld zugunsten kostenpflichtiger Bildungsstätten. Ich halte für unakzeptabel, wenn in Zeitz entgegengesetzt entschieden wird, während zeitgleich öffentliche – also nicht von irgendwelchen Organisationen betriebene - Schulen weiterhin benachteiligt bleiben. Aus welchen öffentlichen Haushaltsstellen diese Gelder auch kommen mögen.

Daher: Danke, Herr Rosahl, für Ihre Kritik an meinem - nicht ausreichend recherchierten – Leserbrief, der wohl nicht so ganz Ihrer bevorzugten Sichtweise entspricht. Man mag es bitte entschuldigen, daß ich auf die Leistungen von Eltern und Förderverein bezüglich der evangelischen Grundschule nicht einging. Diese Mühen sind fraglos aller Ehren wert, können jedoch nicht verhüllen, wer hauptsächlich diese evangelische Schule finanziert, der Steuerzahler nämlich. Wobei definitiv ein Besuch solcher christlichen Schulen nicht allen Kindern möglich ist. So meine These. Richtig oder falsch?

Schließlich: Das Interesse zahlender und spendender Eltern wäre wohl deutlich geringer, ihren Nachwuchs auf solche Schulen zu schicken, sollten solche Bildungseinrichtungen allen Kindern unabhängig von den elterlichen finanziellen Möglichkeiten offen stehen. Wer da glaubt, christliche Aspekte führen zur Nutzung solcher Bildungsangebote, dürfte mit dieser Annahme relativ einsam stehen. Aber bitte, hier steht meine subjektive Erfahrung sicherlich einigen anderen Meinungen entgegen.

Bleibt nun noch die Verlegung der evangelischen Grundschule Zeitz-Ost in das Franziskaner-Kloster. Gewiß, aus Gespächen mit Stadträten ist mir bekannt, daß sich der Förderverein hier an den Kosten beteiligt. 200.000 Euro sind ein durchaus lobenswertes Engagement, jedoch liegen bereits jetzt die veranschlagten Kosten bei ca. 2,5 Mio. Selbst wenn hiermit die Stadt nicht belastet werden sollte: wem wird wohl für den „Rest“ in die Tasche gegriffen werden? Sicher ist: das Budget der Kirchen beschränkt sich keineswegs auf die Abgaben bekennender Gläubiger.

Christlich genannte Schulen, wie auch Kitas, werden zu über 90 Prozent aus öffentlichen Mitteln gefördert und unterhalten! Wer dies nicht glaubt, der sollte einmal bei Herrn Schäuble nachfragen oder bei der allwissenden NSA. Möglicherweise wären einige stramme Christen überrascht, wie gering der Kostenanteil der Glaubensgemeinschaften an den Liegenschaften unter kirchlicher Obhut ist. Mit Blick auf die Kostenträgerschaft erkenne ich noch nicht einmal eine Berechtigung, Schulen ect. christlich zu nennen.

Also, hier stehe ich und kann nicht anders. Man entschuldige dieses Plagiat, aber meine Meinung steht felsenfest - und sie ist sachlich gut begründet. Hätte es an der Schloßkirche zu Wittenberg vor 500 Jahren eine 96-te These gegeben, dann hätte diese unentgeltlichem Schulbesuch wohl unbedingten Vorrang eingeräumt. Leider handeln nach meiner Auffassung in Zeitz weder Stadtratsmehrheiten noch Christen im Sinne des großen Reformators. Höchste Zeit, daß wieder ein Bruder Martin kommt. Oder noch besser: ein Thomas Müntzer.

Dies noch speziell für Kritiker: Haß ist ein Zeugnis ungezügelten Geisteszustandes. Dieser kann vorübergehend sein oder dauern, doch das ist unerheblich. Was mich antreibt, ist nicht der vom Kritiker unterstellte Haß, sondern die Überzeugung, daß öffentliche Mittel in keinem Falle zu separierenden Zwecken eingesetzt werden dürfen. So auch nicht für Schulen, welche mittels Beiträgen eine separierende Wirkung erreichen.

Gernot Rink, Zeitz
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