ENTSCHULDIGUNG? ETWAS ZUM TAG DER EINHEIT.

Zeitz: Eckels Art |

Haben Sie sich schon entschuldigt? Nein? Ich auch nicht.

(erstmals veröffentlicht am 3.10.14 auf reinereckel.de)

Entschuldigung?

Was talken sie doch wieder um die Wette rund um diesen Tag der Einheit. Und was sie alles wissen! Gelegentlich wird mir das Gefühl zu vermitteln versucht, ich hätte mich doch nun endlich mal zu entschuldigen.

Entschuldigung, dass ich – nicht immer doch meistens – ein glücklicher Mensch war.

Entschuldigung, ich habe meinen Job gerne gemacht und mich wohl gefühlt unter Kolleginnen und Kollegen, im Kollektiv.

Entschuldigung, dass ich meinen Kindern nicht erklärt habe was Recht ist und was Unrecht, was richtig ist und was falsch. Entschuldigung, ich hatte sie stattdessen gelehrt, wie sie selbst erkennen, was Recht ist und was Unrecht, was richtig ist und was falsch.

Entschuldigung, ich habe Bücher gelesen und mir Kunst angesehen, einfach so aus lauter Lust an Schönem, Schöngeistigem, aus Freude an Ästhetik und Appetit auf Denken.

Entschuldigung, dass ich geliebt habe und mich der Wollust hingegeben, Lust genossen habe im Geben und im Nehmen.

Entschuldigung auch für die Nächte beim Rotwein mit Freunden und die Gespräche über Liebe, Gesellschaft und was sich ändern müsste und wie.

Entschuldigung, dass ich ich selbst war, damals in einem Unrechtsstaat.

Warum?

Was für einen Schwachsinn talken sie doch wieder um die Wette rund um diesen Tag der Einheit. Und was sie alles wissen!:

Wer sich an sein Leben gerne erinnert – ein “hoffnungslos blinder Nostalgiker”.

Wer von Heimat spricht – ein “ewig Gestriger”.

Wer erfolgreich im Lehrerberuf war – ein “der Systemnähe mindestens Verdächtiger”.

Wer Literatur las und Kunst genoss – ein “die tatsächlichen Verhältnisse verkennender Intellektueller”

Wer sich der Wollust und Liebe hin gab – jemand, der “mit Macht die Realität zu verdrängen suchte”.

Nein, doch nicht

Was die Talkmimen mit Deutungshoheit in den rechtsstaatlichen Medien offenbar nicht wissen:
Noch immer – jedenfalls meistens – bin ich ein glücklicher Mensch. Ich mache meinen Job stets gerne und liebe die Zeit mit Kolleginnen und Kollegen, im Team.

Ich vergaß nie, was Recht ist und was Unrecht, was richtig ist und was falsch. Deshalb gebe ich mich auch nach wie vor der Liebe und der Wollust hin, jawohl.

Ich lese Bücher und habe Lust und Freude an Kunst.

Und Gründe, sich mit Freunden beim Rotwein zu treffen gibt es auch genug. Etwa zu sprechen über Gesellschaft, Liebe und was sich ändern müsste. Und wie.
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P.S.: seit der Veröffentlichung sind ein Monat und einige Takshows zum Thema vergangen. Ich entschuldige mich noch immer nicht.

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