Gedenken für die Opfer des Faschismus am ehemaligen jüdischen Betsaal in Zeitz

Die Gedenktafel vor dem ehemaligen jüdischen Betsaal in der Zeitzer Judenstraße 8a
 
Während der Gedenkrede
Zeitz: Ehemaliger jüdischer Betsaal |

Wie einer Mitteilung der Mitteldeutschen Zeitung zu entnehmen war, fand am 08.09.2013, dem Gedenktag für die Opfer des Faschismus und zugleich auch Tag des offenen Denkmals, um 10:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus vor dem ehemaligen jüdischen Betsaal in der Zeitzer Judenstaße statt.

Für diesen Sonntag hatte der Stadtverband der Partei Die LINKE sowie die Regionalorganisation Zeitz der KPD zur Gedenkstunde aufgerufen.

Leider waren nur sehr wenige Menschen zugegen. Lag es an dem in der MZ sehr kurzfristig nur einen Tag vor der Veranstaltung veröffentlichten Termin, an allgemeinem Desinteresse oder wollten sich die meisten Menschen lieber in der alten Mälzerei bespaßen lassen? Wie dem auch sei, eine größere Beteiligung wäre angemessen und würdiger gewesen!

Nachdem Blumen, ein Stein (nach jüdischer Sitte) und ein Plakat für den Erhalt des OdF-Mahnmals niedergelegt wurden, sprach zu den Anwesenden als Gastredner der Stadtrat Norbert Hörig (WiR/Unabhängige/KPD):


Sehr verehrte Bürgerinnen und Bürger von Zeitz,
Hinterbliebene der Opfer des Faschismus,
Christen, Genossen und Andersgläubige,

Heute haben sich hier an dieser Stelle aktive Menschen – wenn auch in kleiner Anzahl – zum Gedenken an die schrecklichen Untaten der Nazis versammelt.

Ich erinnere:

Die vielen großen Mordstätten der Nazis wie Auschwitz, Buchenwald, Rehmsdorf (nur wenige Kilometer entfernt), Treblinka, Meidanek, Dachau und viele andere mahnen uns zum Gedenken, aber auch zur Wachsamkeit. Unweit von hier haben gewissenlose Menschen es fertiggebracht, Hand zu legen an ein originales Denkmal – wie es der Volksmund nennt. Mit Lügen, Entstellungen und Verleumdungen haben sie sich zu Handlangern der Neonazi-Ideologie gemacht.

Es ist nicht nachvollziehbar, was in den Köpfen jener vorgeht, die sich an einem solchen Mahnmal vergreifen. War es der von einer gewissen Partei erstrebte 18-%-Wählerstimmenanteil oder waren es andere niedrige Beweggründe? Wie dem auch sei – es ist absolut schändlich! Übrigens nutzen Neonazis die Zahl 18 als Code für AH = Adolf Hitler (entsprechend der abgezählten Stelle dieser Buchstaben 1 = A und 8 = H im deutschen Alphabet). Nur ein Zufall?

Den Anwesenden und der überwiegenden Mehrheit der Zeitzer ist es zu danken, daß die Befürworter einer Vernichtung des originalen OdF-Denkmals gestoppt und sie gehindert wurden, das Denkmal gänzlich vom Platz zu entfernen.

Im Namen der vielen schuldlosen Opfer der Nazis, die umgebracht wurden, weil sie Juden, Roma, Sinti, Slawen, Kommunisten, Sozialdemokraten oder ehrliche Christen waren, fordere ich die Wiedererrichtung des Zeitzer Mahnmals für die Opfer des Faschismus in gleicher Höhe mit den gleichen Steinen. Ich erwarte auch von den heutigen Kirchenvertretern, daß sie sich endlich öffentlich für die Wiedererrichtung des Denkmals einsetzen.

Mich schreckt noch heute der Satz „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloß meines Bruders, wenn er auf Urlaub von Stalingrad bei uns weilte.

Ich danke den alliierten Armeen, besonders der Roten Armee, für die Befreiung von den menschlichen Bestien, den Faschisten.

Wir – die wir heute hier stehen – wissen, worum es geht und wir sollten weiterhin um die Erhaltung des OdF-Denkmals kämpfen.

Ich möchte auch daran erinnern, daß die NSU-Verbrechen nur möglich waren, weil der Geheimdienst geschlafen hat. Er wußte nicht, was im Land vorgeht? Nun, das ist der Boden, auf dem wächst, was mit diesem Denkmal geschah! Inzwischen wird sogar im Internet zweifelhafter Zeitzer „Persönlichkeiten“ wie eines gewissen Werner G. gedacht, der ein HJ-Anführer war und mit seinen Gruppen u. a. Jagd auf Juden und Kommunisten machte. Welche tiefbraunen „Historiker“ sind für solche Erwähnung verantwortlich? Ich bin mit diesem Problem auch an den Oberbürgermeister Dr. Kunze herangetreten, doch der ist anscheinend wohl auf dem rechten Auge blind.

Also Wachsamkeit ist angebracht und Einsatz ist gefragt.

Ich danke Ihnen.

Norbert Hörig

Lesen Sie auch folgenden Artikel: Über das Zeitzer Mahnmal für die Opfer des Faschismus
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3 Kommentare
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Wilfried Heineck aus Zeitz | 12.09.2013 | 11:52   Melden
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Wilfried Heineck aus Zeitz | 12.09.2013 | 21:27   Melden
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Wilfried Heineck aus Zeitz | 08.11.2013 | 22:56   Melden
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