Nein danke!

Die Landesregierung bezeichnet Bürgerarbeit als einen Erfolg und fordert Ersatz für dieses „Arbeitsmarktinstrument“, sofern es, wie vorgesehen, eingestellt werden sollte. Gewiß, die Bürgerarbeiter erfüllen die ihnen auferlegten Pflichten ordnungsgemäß, da gibt es keinen Grund zum Tadel. Doch wenn die Landesregierung die Bürgerarbeit als Erfolg bezeichnet und ihre Fortsetzung verlangt oder einen Ersatz bei ihrer Auflösung, dann sind selbst Müllsäcke als Brechtüten zu klein. Denn Bürgerarbeit war und ist kein Erfolg für den Arbeitsmarkt. Das Gegenteil trifft zu.

Wohl haben diese Maßnahmen einigen „Beschäftigten“ einige wenige Euro eingebracht und steigern deren Rente um stolze 8 € für jedes Jahr in Bürgerarbeit - doch der Preis dafür ist immens.

Bürgerarbeit kostete Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt! Echte, wirkliche Arbeitsplätze. Weil nämlich kommunale Arbeitgeber diese Maßnahmen nutzten, um ihre Aufgaben in Schulen, Kindergärten, in öffentlichen Grünanlagen usw. dem Arbeitsmarkt zu entziehen. Wie viele? Allein in Sachsen-Anhalt dürften, legt man Erkenntnisse der BA in Nürnberg zu Grunde, ca. 2700 echte Arbeitsplätze dieser Nutzung von Bürgerarbeit zum Opfer gefallen sein. Es liegt auf der Hand, daß dabei volkswirtschaftlich kein Geld eingespart wurde.

Auch ist fest davon auszugehen, daß diese Zahlen bei unserer Landesregierung ebenso bekannt sind wie bei der Landesdirektion der BA. Dennoch fordern Herr Hasselhoff und Herr Senius einen „sozialen“ Arbeitsmarkt. So nicht, nein danke!

Ein „weiter so wie bisher“ zum Schaden des ersten Arbeitsmarktes muß verhindert werden! Zumal derartige Vorgehensweisen eben nicht gedeckt sind vom Begriff sozialer Arbeitsmarkt. Ob Hasselhoff als Chef der Landesregierung oder Senius als Chef der Landesdirektion der BA – beide irren oder führen möglicherweise gar vorsätzlich irre mit ihrer Behauptung, Bürgerarbeit oder deren Nachfolge leiste Hilfe für Vereine und soziale Einrichtungen. Beiden Herren müßte bekannt sein, daß bloß ein geringer Teil der Maßnahmeteilnehmer in diesen Bereichen eingesetzt wird.

Kommunen und auch caritative Verbände setzen den Löwenanteil aller in allen Maßnahmen Beschäftigten ein - und sie handhaben dies als direkte Konkurrenz zum Arbeitsmarkt. Hier nur ein Beispiel von vielen: Echte Betreuung von Senioren durch Bürgerarbeiter; wer kennt das schon? Wohlbekannt sind dagegen Pflegetätigkeiten durch Bürgerarbeiter; dies sogar gern nachts oder an Wochenenden, weil da reguläre Kräfte teurer sind.

Auch wenn sich Herr Ministerpräsident Haseloff und Herr Senius von der Bundesagentur für Arbeit (BA) ignorant zeigen und einen Ersatz für Bürgerarbeit lancieren: Selbst die Bundeszentrale der BA in Nürnberg bemerkt, daß 44 % aller durchgeführten Maßnahmen gar nicht hätten bewilligt werden dürfen. Diese Erkenntnis dürfte die jetzt vorgesehene Einstellung der Bürgerarbeit-Maßnahmen bewirkt haben. Und diese festgestellten 44 % können wir getrost als sogar noch geschönte Zahl auffassen. Allein hier im Burgenlandkreis spricht viel dafür, daß sich diese Zahl real wohl verdoppeln wird. Was die genannten beiden Herren in Magdeburg zu etablieren versuchen, eröffnet keine neuen Chancen für Langzeitarbeitslose, sondern ermöglicht unter bloß neuem Etikett die Fortsetzung des gescheiterten „Konzepts“. Dem muß Einhalt geboten werden.

Wir Zeitzer Montagsdemonstranten bemühen uns sehr, diesen Mißbrauch zu unterbinden. Doch wir sind schlechterdings zu leise, um in Magdeburg wahrgenommen zu werden. Einige kräftige Stimmen würden da wohl mehr bewirken. Es reicht leider nicht aus, daß man uns im Zeitzer Rathaus und in der Kreisverwaltung wahrnimmt. Die persönlichen Erfahrungen maßnahmebetroffener Bürger mit dort zu leistenden Arbeiten sowie die entsprechende Lautstärke können dazu beitragen, daß unsere Forderung bis Magdeburg zu hören ist

Arbeit statt Beschäftigung


Reguläre Arbeitsplätze in kommunalen Bereichen anstatt diese Arbeiten als 1-Euro-Jobber verrichten zu müssen, denn das nennen wir Betrug am sozialen System.

Gernot Rink
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Gernot Rink aus Zeitz | 25.03.2015 | 21:32   Melden
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