Ruinendomino und die Folgen

Zeitz: Eckels Art |

Warum der Marstallabriss ein Wachrüttler sein muss

Als würde gerade Prominenz das Bändchen für eine Landesausstellung durchschneiden löste der Marstallabriss ein landesweit wuchtiges Medienecho aus. Mit Ähnlichem sollten wir bei den nächsten Umfallern nicht rechnen. Sie werden uns einholen, die nächsten umfallenden Steine. Weniger wuchtig werden sie auch nicht sein.
Der Marstall an der Zeitzer Moritzburg ist zwar nicht der erste Stein, der fiel, doch könnte er ein Wichtiger sein. Als erster Stein eines unausweichlichen Ruinendominos. Als ein Zeichen.

Nicht jede der zahlreichen Ruinen in unserer Stadt liegt in so prominenter Nachbarschaft wie der Marstall inmitten Schloss Moritzburg. Manche verstecken sich in Büschen, andere aber sehen unter ihren bröselnden Dächern Menschen vorüber gehen. Autos fahren durch sie hindurch und gegenüber oder daneben gar wohnen Kinder und Greise. Noch. Denn längst hat es begonnen, das Umfallen und Verschwinden der Steine. Oder nur das Umfallen und dann dieses lähmende Vor-sich-hin-marodieren. Weltmeisterschaftsverdächtig fast, was die Anzahl der Ruinen betrifft.

Wer mitspielt und wer nicht

Das Dumme ist, wir bestimmen nicht welcher Stein zuerst und ob überhaupt und wann er fällt. Einzige Spieler sind das Wetter und die Zeit. Selbst wollten wir bestimmen so könnten wir es nicht bezahlen. Es ist teuer, das Startgeld im Riesendomino mit Ruinen.
So sind wir bestenfalls, wie beim Marstall, berechtigt oder gezwungen zu Handeln, weil Gefahr im Verzuge ist. Bestenfalls haben wir die Steine gezählt und dabei geschätzt, welcher wohl der nächste sein würde. Bestenfalls können wir uns vorstellen, was wir an Stelle der umgefallenen Steine tun würden. Noch besser: wir wüssten es schon jetzt und könnten das Vor-sich-hin-marodieren durch eigenhändiges Umwerfen beenden. Wir würden Platz machen können für neue Steine, in denen Menschen wohnen, Kinder und Greise oder in denen arbeitende Menschen Dinge herstellen. Wie einst.

Kein Spiel für ärmelnde Kleinstädte

Doch ein Domino in diesen Dimensionen ist kein Spiel für ärmelnde Kleinstädte wie Zeitz allein. Dieses Ruinendomino haben sich die Menschen der ärmelnden Kleinstadt nicht ausgesucht als ihr Spiel und schon gar nicht in diesen Dimensionen. Daran waren einst Spieler mit dem Selbstverständnis von Globalplayern beteiligt. Losgelassen von der Politik haben sie mit “treuen Händen” die einstigen Häuser frei gemacht von arbeitenden Menschen, die Dinge herstellten.

Zeit zum Aufstehen

Es ist höchste Zeit, sie daran zu erinnern. Wer einst das Spiel eröffnete und den Stein ins Rollen brachte, muss daran erinnert werden, dass er uns noch das Startgeld schuldet. Das sollte, das muss den Verantwortlichen der ärmelnden Kleinstadt nun gelingen. Zur Not mit einem wuchtigen Medienecho als würde Prominenz ein Bändchen durchschneiden.
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