Wie ich zu Ortlepp fand…

Christine Heinemann schenkt eine Grafik
 
Raluca Denecke, wie Jugendliche einen Dichter entdecken

Geschichte, Geschichten und Überraschungen am Ortlepp-Tag

Wenn sich alljährlich die Mitglieder der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft zu ihrer Hauptversammlung treffen gibt es viel Geschichte. Natürlich viel Geschichte über den Dichter, dessen Lebenswerk zu erforschen und in das öffentliche Bewusstsein zu rücken Ziel der Gesellschaft ist. Dieses Mal hielt die Gesellschaft den Ortlepp-Tag in Droyßig ab, dem Geburtsort des Dichters.

Ein überraschendes Geschenk

Dieses Mal gab es neben viel (neuer) Geschichte um Ortlepp auch einige Geschichten. Etwa die ganz spannenden, wie nämlich die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft eigentlich zu dem Dichter fanden. Und dieses Mal gab es neben den Geschichten auch Überraschungen. Zum Beispiel die der jungen Künstlerin Christine Heinemann aus Zeitz.

Heinemann, ehemals Meisterschülerin bei Prof. Schimansky und Prof. Liebmann und seit 2012 diplomiert freischaffend tätig, machte den Ortleppenthusiasten ein Geschenk. „…zur Unterstützung Ihrer wichtigen Arbeit…“ so die Künstlerin an die Versammlung gewandt. Sie befasse sich seit einiger Zeit mit der Dichtkunst Ortlepps und habe großen Spaß an der Auseinandersetzung mit ihren gestalterischen Mitteln. Mit „Ortlepp im Thale der Saale“, einem schönen Holzschnitt, löste die junge Künstlerin große Freude bei den Beschenkten aus. Heinemann hatte sich in jüngster Zeit mehrfach grafisch mit dem Schaffen Ortlepps befasst und für Aufmerksamkeit gesorgt.

Wie Jugendliche einen Dichter entdecken

Eine andere Überraschung liegt schon einige Zeit zurück. Im Juni nämlich hatten die Jugendliches des Zeitzer Jugentheaters „Karambolage“ mit der Aufführung von szenischen Splittern zu Ortlepps „Fieschi“ für Furore gesorgt.

Raluca Denecke hatte den Entstehungsprozess von Anbeginn begleitet und dieses Stück später als Thema einer Belegarbeit in ihrem Studium verwendet. Die Jugendlichen hatten Ernst Ortlepps poetisches Nachtstück gelesen, sich die Dramaturgie der szenischen Darstellung selbst erarbeitet, sie teilweise mit Musik kombiniert und so eine eindrucksvolle Vorstellung geboten. Nun soll, so waren sich die Mitglieder der Ortleppgesellschaft einig, das Stück im nächsten Jahr zum 15-jährigen Jubiläum erneut aufgeführt werden.

Wie ich zu Ortlepp fand...

Wie unterschiedlich die Zugänge zum Dichter Ortlepp sein können, ja sogar kleine selbständige Geschichten bergen, wurde deutlich an Schilderungen anwesender Mitglieder. Bei Dr. Inge Buggenthin trafen offensichtlich zwei günstige Stränge zusammen. In der Familie mit geborenen Ortlepps liege zum Verwandtschaftsbonus eben ein Forschungsgen und so konnte sie über eine lange Zeit des Forschens in den Spuren des Dichters berichten und verfüge heute über einen reichen Fundus an literarischem und dokumentarischem Material.

Thomas Schneider indes sei über Umwege durch Streitgespräche rund um Forschungen und Veröffentlichungen um Friedrich Nitzsche auf Ortlepp gestoßen. Das war lange vor der Wende und so konnte er auch Spannendes über die Schwierigkeiten von Forschungsarbeiten berichten, wenn deren Themen grenzübergreifende Recherchen notwendig machten. Da hätten zur Beantwortung von Anfragen schon einmal Wochen und Monate vergehen können, während man heute via Google sogar seitengenau Quellen fände. Amüsant auch: Schneider hatte vor sich ein Karteikästchen mit Belegen aus dieser „analogen Zeit“.

Entdeckungen

Wie immer, wenn sich die „Ortleppianer“ treffen gab es auch dieses Mal Neuigkeiten rund um die Forschungen und Publikationen zu Ernst Ortlepp.

So konnte Manfred Neuhaus, der so etwas wie der „Kriminologe der Gesellschaft“ ist seine neuesten Erkenntnisse über die Zensur von Literatur in der Zeit Ortlepps berichten. Manche seiner Schilderungen des schon damals ausgeklügelten Zensurwesens erinnerte an die zweifelhafte Tradition von Meinungs- und Gesinnungsschnüffelei in jüngerer Zeit. Neuhaus zeigte auf, wie der von der Zensur bis in die Armut getriebene Ortlepp versuchte, durch anonyme Veröffentlichungen und Verwendung von Synonymen dem strengen Diktat zu entgehen.
Manfred Neuhaus ist auch Herausgeber einer umfangreichen Ortlepp-Bibliografie.

Neue Publikationen

Am Ende des Ortlepp-Tages konnte Roland Rittig hoch erfreut und nicht ohne Stolz auf zwei neue Publikationen verweisen.

Der Band „Der alte Ortlepp ist todt – aber nicht vergessen“ fasst alle Beiträge und Aktivitäten anschaulich zusammen, die aus Anlass des 150. Todestages 2014 realisiert wurden. Im Letzten Jahr fand in Zeitz ein viel beachtetes literarisches Kolloquium aus diesem Anlass statt, dessen Beiträge unter anderem in diesem Bändchen dokumentiert sind. Die zweite Publikation „Die Briefe Ernst Ortlepps“ erarbeitete Anne Usadel aus Leipzig, die als Lektorin in Leipzig arbeitet und in der Ortlepp-Gesellschaft auch für die Dokumentationen und die Website verantwortlich zeichnet.

Das Fazit für ZeitzOnline als Gast dieses Ortlepp-Tages: Ernst Ortlepp, den Weg zu dieser interessanten Persönlichkeit zu finden, das lohnt sich.

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