NEUES AUS DER ANSTALT. EIN TATSACHENBERICHT.

Zeitz: Eckels Art |

Wie die Deutsche Rentenversicherung Versicherte erschreckt.

Wartezeiten und die Folgen

Soweit gesund beginne ich mit fast 61 nicht unbedingt, nach der Rente zu schielen. Ich arbeite viel zu gerne. Dennoch hat mich interessiert, was für mich ganz persönlich die gerade verabschiedete Rentenreform bedeutet. Ich fragte bei der Deutschen Rentenversicherung nach und erlebte Neues aus der Anstalt.

Nach eigenen Berechnungen ging ich von zwei Modellen aus, die für mich in Frage kämen:

- abschlagsfrei mit 65 Jahren in die Altersrente für langjährig Versicherte
- mit 63 in die Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Die für beide Rentenformen erforderliche Wartezeit von 45 Jahren hätte ich erfüllt. Glaubte ich und glaube ich bis heute. Schließlich begann ich mit 16 die Ausbildung und arbeitete immer, von wenigen Monaten abgesehen. Dann kam am 04.08.2014 Post von der Deutschen Rentenversicherung. Neues aus der Anstalt, sozusagen. Und das liest sich so:

“Die Wartezeit für diese Rente beträgt 45 Jahre.(….) Diese Wartezeit ist mit …… Monaten nicht erfüllt und kann nach den bislang gespeicherten Daten auch nicht mehr bis zum Erreichen der Regelaltersrente am 18.04.2019 erfüllt werden.”

Ja, was denn nun?

Wie, lese ich da richtig? Hab ich mich verrechnet? Doch war ich nicht erst am 10. Juli bei der Rentenversicherung (DRV) in Leipzig und hab ich dort nicht bestätigt bekommen, dass meine Berechnungen stimmen? Wenn auch unverbindlich. Unverbindlich deshalb, weil das neue Gesetz zwar seit 1. Juli wirksam ist, die DRV jedoch vom Gesetzgeber noch immer nicht alle rentenrelevanten Daten hatte für verbindliche Auskünfte? Was allein schon ein böser Witz ist und weshalb ich eben um jene schriftliche Auskunft bat, die nun am 04.08.2014 eintraf. Neues aus der Anstalt eben.

Also rechne ich nochmal nach. Gleiches Ergebnis: die 45 Jahre Wartezeit sind erfüllt!
Dann aber stelle ich fest, im Bescheid sind Zeiten mit freiwilligen Beiträgen nicht anerkannt. Als rentensteigernde Beiträge schon, jedoch nicht als Zeiten langjähriger Beschäftigung!
Das sind allein aus meiner Zeit im Landtag Sachsen-Anhalt von 1998 bis 2002 ganze 54 Monate, die nicht berücksichtigt sind!

Was zum Kuckuck heißt das nun für mich, warten bis Mai 2019? Von wegen. Also, Service-Nummer DRV anrufen, nachfragen. Schlimmer noch kann es ja nicht kommen. Ich hatte mich geirrt.
Damit beginnt Neues aus der Anstalt, Teil 2.

Die nette Stimme am Telefon

Eine nette Stimme sagt mir, ich hätte wohl Recht mit meiner Berechnung. Und: natürlich werden freiwillige Beitragszeiten nicht nur auf die Höhe der Rente wirksam, sie werden auch als Beschäftigungsmonate auf die Rente für langjährig und besonders langjährig Versicherte angerechnet.

Aha, sage ich “stellt also die DRV falsche Bescheide aus!” Worauf die nette Stimme erwidert, es gäbe technische Probleme. Das Rechenzentrum sei noch nicht in der Lage, diese anerkennungsfähige freiwillige Beitragszeiten in den Versicherungsverläufen korrekt auszuweisen.

Wissentlich falsche Bescheide?

Aha, sage ich “stellt also die DRV sogar wissentlich falsche Bescheide aus?” Immerhin handele es sich um einen Verwaltungsakt mit verbindlichem Bescheid. Dem sei nicht so, sagt die nette Stimme, es sei ja darauf verwiesen, dass “die Verbindlichkeit der übrigen Daten…zu gegebener Zeit in einem weiteren Bescheid geregelt werden.”

Das aber ist auch falsch, denn – Neues aus der Anstalt eben – im Bescheid vom 04.08.2014 steht wie folgt:

“…nach § 149 Abs. 5 SGB VI stellen wir die in dem beigefügten Versicherungsverlauf enthaltenen Daten, die länger als sechs Kalenderjahre zurückliegen, also die Zeiten bis 31.12.2007, verbindlich fest, soweit sie nicht bereits früher festgestellt worden sind.”

Willkommen in der Anstalt!

Nun ja, besagte Zeiten liegen mit 1998 bis 2002 wohl eindeutig vor dem Jahr 2007, und: sie sind “bereits früher festgestellt worden”. Nur, die waren eben auch schon falsch.
Was rate Sie mir denn, die nette Stimme am Telefon? Einen Widerspruch? Das sei doch nun aber nicht nötig, sie werde einen Vermerk machen. Ich würde dann ein Schreiben bekommen mit, extra für mich, “händig ausgerechneten Zeiten”.
Willkommen in der Anstalt!

Und die Moral von der Geschicht?:
Trau Neuem aus der Anstalt nicht!


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2 Kommentare
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Reiner Eckel aus Zeitz | 09.08.2014 | 23:12   Melden
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Reiner Eckel aus Zeitz | 10.08.2014 | 12:14   Melden
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