Voll daneben. Deutsche Zeitungen auf Pegida-Niveau?

(Foto: Klaus Stuttmann)

Auch das noch: der Zeitungsverlegerband instrumentalisiert Attentat auf Charlie Hebdo

Von Rechtspopulisten musste man erwarten, sie würden den brutalen Anschlag auf “Charlie Hebdo” instrumentalisieren und für ihre platten Parolen missbrauchen. Aber von deutschen Medien?

Gestern noch hatte ich in einer Debatte um die Pegidaparole der “Lügenpresse” kommentiert, angesichts der Pegida-Positionen und dem verwendeten Vokabular würde ich mich auf meine Zeitung am Morgen und die Wochenzeitung freuen.

Und dann am Morgen das. In der Mitteldeutschen und vielen anderen Tageszeitungen diese Zeichnung. Stünde sie für sich allein, würde ich sie als schlechte Satire abtun. Sie steht aber nicht allein. Sie steht neben der Erklärung des Zeitungsverlegerverbandes, die auch noch verbal unterstützt, was die Karikatur abbildet: es gibt einen Zusammenhang, es wird ein Bogen geschlagen von den gemeinen Morden an den Karikaturisten von ”Charlie Hebdo” und der Pegida-Bewegung und ihren Parolen über “Lügenpresse” und “Volksverrat”.

Das ist infam, das ist falsch und das ist dumm.

Infam ist das, weil es unberechtigt friedlich Demonstrierende, mit welchen unangenehmen Parolen auch immer, mit blutigen Attentätern in einen Kontext stellt. Damit begeben sich diese Blätter auf Pegida-Niveau, wenn nicht noch schlimmer und verletzen journalistisches Ethos, indem sie in unverständlich schroffer Art und Weise instrumentalisieren, statt zu reflektieren.
Falsch ist es, weil gerade ein Blatt wie ”Charlie Hebdo” eben nicht zu der “Lügenpresse” gehören dürfte, die Pegida-Leute im Blick haben.
Und schließlich ist dumm, sich als deutsche Medien mit solchen Andichtungen ohne Not zur Zielscheibe für Pegida zu machen und die Munition gleich noch mit zu liefern.

So dämlich sind wohl nicht einmal die bekannten Pegida-Macher, als dass sie solche “Geschenke” nicht annehmen würden. Wir werden es am Montagabend zu hören bekommen.

Damit kein Missverständnis aufkommt, ich halte weder von Pegida noch von Legida und ihren Parolen etwas und ja, mir tut der Beifall von 17.000 für deren dumpfe Sprüche körperlich weh. Und ja, wir müssen dem etwas entgegensetzen, mit den Mitteln, die uns die erstrittene Pressefreiheit und die bewährte demokratische Grundordnung geben.

Solche, wie die hier beschriebene Aktion zähle ich dazu ausdrücklich nicht. Sie ist nicht anderes als die Instrumentalisierung des Attentates auf ”Charlie Hebdo” für den eigenen Kampf gegen Pegida.

Die Folgen sind verheerend, denn sie gibt der Pegida-Behauptung Nahrung, deutsche Medien wären nicht frei in ihrer Meinungsbildung. Schließlich ist ja wohl kein Zufall, wenn der gleiche Wortlaut mit gleicher Illustrierung am selben Tag durch den Tagesblätterwald rauscht.

Es wird mit dieser Aktion nicht leichter, dem Argument zu begegnen, der deutschen Presse fehle es an Mut, sie sei zu feige, sich der Wahrheit zu stellen. Denn was ich aus der Karikatur und der nebenstehenden Erklärung des Zeitungsverlegerverbandes heraus lese ist eine gehörige Portion Selbstmitleid und so etwas wie Verzweiflung. Oder was dachten sich die Protagonisten dabei, nun ihre Kritiker zu so etwas wie Komplizen von Attentätern zu erklären? Vermutlich nichts.

Was bleibt? Scherben wegräumen. Und für mich die leise Hoffnung, Montag würde ich in der Mitteldeutschen Zeitung lesen, sie habe nicht beabsichtigt, dass sich nun friedliche Demonstranten wie Komplizen gewaltsamer Täter fühlen sollen.

Beitrag und die Erklärung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger auf reinereckel.de
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4 Kommentare
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Reiner Eckel aus Zeitz | 10.01.2015 | 21:52   Melden
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Reiner Eckel aus Zeitz | 11.01.2015 | 09:50   Melden
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Jürgen Schindler aus Dessau-Roßlau | 19.01.2015 | 11:16   Melden
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Reiner Eckel aus Zeitz | 23.01.2015 | 11:08   Melden
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