Krankenkassenbeiträge steigen, weil …

War es gerecht, daß Arbeitende und Unternehmer die Beitragslast je zur Hälfte tragen mußten?

Unstreitig ist jedenfalls: dieses System hatte sich seit Jahrzehnten bewährt. Dabei errechnete sich der Beitrag nach dem Bruttolohn und wurde anteilig abgeführt. Somit ermöglichte diese Beitragsgestaltung, einen eventuell steigenden Kostenbedarf der Krankenkassen bei Lohnsteigerungen zu decken. Was aber mußte dann infolge des massiven Ausbaus des Zeitarbeitssektors und der Werkvertragsarbeit zwangsläufig geschehen? Wegen dort häufig drastisch geringerer Arbeitseinkommen war nämlich die Kostendeckung bei den Krankenkassen nicht mehr gesichert. Die Auswirkungen sind allen Pflichtversicherten geläufig: Leistungsminderungen und Beitragserhöhungen, Praxisgebühren usw.

Selbstverständlich konnte auch die von ihren Verfechtern hochgelobte Hartz„reform“ nur zu einer Verminderung des Beitragsaufkommens führen. Bedeutete doch allein schon die Umwandlung von Arbeitslosenhilfe in Hartz IV eine Beitragsminderung hin zu Kleinstbeträgen. Doch nicht nur das, auch Hartz II (die „Stärkung“ der Zeitarbeitsbranche) und Hartz III (Minijobs und „Ich-AG“) führten derbe Beitragsverluste herbei – bei naturgemäß steigenden Gesundheitskosten. Und diese steigenden Gesundheitskosten sollen und müssen nun allein von den versicherten arbeitenden Menschen getragen werden.

Der Verdacht liegt sehr nahe, daß auf diese Weise die arbeitenden Menschen jene Beitragslücke ausgleichen sollen, welche durch die Hartz-„Reformen“ entstand! Und: die „Wirtschaft“ wurde vor diesen Kosten „geschont“, obwohl sie gleichzeitig von Zeitarbeit und Minijobs erheblich profitierte!

Aber ja doch. Wer wird hier gleich von Unrecht reden, hat „uns“ doch die Hartz-Reform zu einer „Rekordbeschäftigung“ verholfen.

Ein trauriger Rekord freilich: noch niemals war der Anteil sogenannter atypisch Beschäftigter an allen Arbeitenden derart hoch wie heute – also der Anteil von Beschäftigten im Sektor Niedrigeinkommen. Teilzeitbeschäftigung und Minijobmodelle bewirken, daß trotz sogenannter Rekordbeschäftigung die Gesamtarbeitsstunden in der BRD 2014 um ca. 2,5 Mrd. Stunden unter denen von 1990 lagen.

So „müssen“ also in logischer kapitalistischer Konsequenz die Krankenkassenbeiträge wieder einmal ansteigen, freilich nicht länger mehr hälftig verteilt auf Unternehmer und Arbeitende, sondern allein von den Beschäftigten zu bezahlen. Nein, nachdem nun viele Jahre „die Wirtschaft“ mittels verschiedener Aktionen der Politik ihre Beiträge zumindest stabil halten konnte, ist sie nun von künftigen Beitragserhöhungen gänzlich befreit. Wenn also demnächst die Krankenkassen mehr Geld benötigen werden, legen sie den Bedarf fest und decken den Bedarf gänzlich bei den Arbeitenden nebst den Rentnern.

Bereits jetzt steht felsenfest: Schon bald werden die Gesundheits- und die Krankenkassen mehr Geld brauchen, um den derzeitigen Versorgungsstandard halten zu können. Denn falls, wie absehbar, zusätzlich mehr als 1 Mio Einwanderer weit überwiegend als Hartz-Bedarfsgemeinschaften pflichtversichert sind, dann haben die Krankenkassen wieder einen Kostenbedarf. Weil zugelassen wurde, daß „die Wirtschaft“ verschont bleibt von Kostensteigerungen im sozialen Bereich.

Weil wir zulassen, daß Wirtschaftspolitik betrieben wird zu Lasten der Sozialsysteme!
Weil wir als die gemeinsam Stärkeren uns statt dessen spalten lassen! Uns spalten lassen in Arbeiter, Angestellte, Beschäftigte, Arbeitslose – oder, wie derzeit zudem, in Asylkritiker und -befürworter sowie Einwanderer. Wir allesamt sollen die Kosten schultern - mit Ausnahme und zugunsten einiger Nutznießer natürlich.

Unsere Krankenkassenbeiträge steigen, weil wir uns gegen den Sozialabbau seit Jahrzehnten nicht wehren!

Gernot Rink, Zeitz
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