Die angeplattete Blutbuche im Schlosspark Cösitz

angeplattete Seitenäste der monumentalen Blutbuche im Schlosspark Cösitz
 
die junge Blutbuche vor dem Anplatten (Foto: Broschüre „Schloß und Park Cösitz" von 2007)
Zörbig: Landschaftspark Cösitz | Heute die Auflösung meines Adventrätsels.
Schon bei meinem Parkbesuch am hatte ich von einem Mitglied des Vereins gehört, dass es über die Geschichte von Schloss und Park Cösitz eine Broschüre gibt. Die wollte ich haben, dem im Internet gibt es nur spärliche Informationen.
Deshalb traf ich mich am 8. November im Park mit dem ersten Vorsitzenden des Vereins, Herrn Herbert Hartung und erfuhr erstaunliche interessante Dinge.
Gemeinsam mit seinen Erläuterungen und der Broschüre „Schloß und Park Cösitz" mit Auszügen aus der „Geschichte von Cösitz und Priesdorf“, Teil III“ von 2007 will ich mich nachfolgend zur bemerkenswerten Blutbuche äußern.
Einen Plan des Parks und von 33 ausgewählten Bäumen, zeige ich zum besseren Verständnis nochmals.

Ab 1874 beginnend wurde der Park in vier Etappen im englischen Stil angelegt; ich beschränke mich auf die zweite ab 1877.
An Stelle des heutigen Cösitz soll bereits um das Jahr 750 eine mächtige sorbische Wallburg mit einer Fläche von 1,5 Hektar und einer  bis zu 5 Meter hohen Wallanlage rund um den jetzigen Gutshof gestanden haben.

Im zweiten Bauabschnitt wurde dieser Wall westlich vom Schloss abgetragen und der Wallgraben teilweise verfüllt. Auf diesen nahrhaften, tiefgründigen Mutterboden wurde nun gegen 1877 eine Blutbuche als ca. 20 Jahre alter Starkbaum gepflanzt. Diese hatte ideale Bedingungen für einen schnellen schmalen Wuchs (siehe die historische Aufnahme von 1913). Etwa 40 Jahre später wurde diese Blutbuche gepfropft und geplattet, so dass es heute den Anschein hat, dass sie aus mehreren Stämmen entstanden ist.
Meine Aussage im Artikel vom 24.10.2017 (C) Englischer Landschaftspark Cösitz - nach Sturmtief "Xavier":
„Die mächtigen horizontalen Stämme rund um die Blutbuche waren ursprünglich alles eigenständige Bäume, die vor vielen Jahren eng um die Buche gepflanzt wurden.“, war also falsch!
Nun habe ich mich kundig gemacht:

Anplatten

Anplatten bzw. Anschäften ist ein Fachausdruck aus dem Gartenbau und bezeichnet eine Art der Pflanzenveredelung. Diese Technik wird angewendet, wenn der Durchmesser der Veredelungsunterlage im Vergleich zum Edelreis ungleich stark ist. Sie wird im Frühjahr und Sommer vorgenommen. Das Anplatten ist eine Variante des Pfropfens, gekennzeichnet durch ein eigenständiges Verfahren in der Durchführung von Schnitttechnik und Veredelungszeitpunkt.

Bei Veredelungen im Frühjahr ist darauf zu achten, dass sich das Edelreis in Winterruhe befindet. Es sollte im Januar bei offenem Wetter geschnitten werden, und bis zum Veredelungszeitpunkt kühl, aber frostfrei gelagert werden, so dass es noch nicht angetrieben ist. Koniferen, Johannisbeeren und Stachelbeeren werden nach dieser Methode veredelt. Auch bei Zitruspflanzen, Oliven und Chilis kann dieses Verfahren angewendet werden.

Im Gegensatz zur Geißfußveredelung oder dem sonst üblichen Pfropfen wird die Unterlage nicht abgeworfen (abgeschnitten).
Quelle: Wikipedia.

Die riesigen fast waagerecht stehenden angeplatteten Äste sind eine Augenweide. Schade, dass in den letzten beiden Jahren krankheitsbedingt auf der Südseite der Blutbuche zwei große Äste abgebrochen sind. Besonders auf den Fotos 5, 6 und 8 ist gut zu erkennen wie die Wunden mit einem Spezialmörtel bekleistert wurden.
Herr Herbert Hartung spielt mit dem Gedanken im kommenden Frühjahr ersatzweise neue Reiser anzuplatten. Ich wünsche ihm dazu schon jetzt gutes Gelingen!
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4 Kommentare
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 13.12.2017 | 16:46   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 13.12.2017 | 17:31   Melden
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 13.12.2017 | 18:45   Melden
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Christa Mecke aus Thale | 14.12.2017 | 08:33   Melden
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