Warum in die Ferne schweifen, das Schöne liegt so nah: Diesmal auf der Konradsburg!

Präsident René Waltherr
 
Auf dem Gelände.
Am vorigen Dienstag könnte man sich bei fast 40 Grad eigentlich an den Frank Schöbel-Klassiker „Ein heißer Sommer“ erinnern, aber die Rotarier aus Aschersleben wollten in den alten, aber kühlen Gemäuern der Konradsburg sicj an deren wechselvolle Geschichte erinnern.

Dazu begrüßte uns der Bürgermeister der Gemeinde Falkenstein und Vorsitzende des Förderkreis Konradsburg e.V. Herr Klaus Wycisk an historischer Stätte, an welcher bereits vor 3000 Jahren Menschen siedelten.

Nach einem sehr köstlichem Essen begann Herr Wycisk in der Kapelle des Anwesens einen kurzen historischen Rückblick:
Einst errichtet zum Schutze des Reichsgutes Harz, um der Bündnispflicht zu Heinrich IV. nach zu kommen, zeigt sich die Anlage dem Besucher in ganz anderer Gestalt, als erwartet. Längst sind die Zeiten vorbei, wo Ungarn- und Slaweneinfälle den mittelalterlichen Alltag bestimmten. Weder Wehrtürme noch ein Bergfried oder Palas erinnern an eine wehrhafte Burganlage. Von deren ebenfalls unerwarteten Ausmaßen beeindruckt ein Modell in der Kapelle. Nach 1120 verließen die Konradsburger den etwa 3 km südlich von Ermsleben gelegenen Bergsporn, errichteten im Selketal die Burg Falkenstein und nannten sich ab 1142 nur noch Falkensteiner.
Die Burg wurde nun ein Benediktinerkloster und war für die folgenden Jahrhunderte ein geistiges und wirtschaftliches Zentrum des Umlandes mit einer entsprechend großen Bibliothek, die allerdings verschollen ist.
Im Ergebnis des Bauernkrieges gaben die Mönche (seit 1477 Kartäuser) das Kloster im Jahre 1526 auf. Bauliche und ergrabene Reste belegen das Ausmaß des ehemaligen Klosters. Von der dreischiffigen, romanischen Basilika sind
bis heute der hohe Chor und die darunterliegende Krypta erhalten. Der Chorraum vermittelt, trotz seiner Schlichtheit, höchsteindrucksvoll die Größe der einstigen Basilika. Die Krypta ist eine fünfschiffige, kreuzgratgewölbte Halle, getragen
von Säulen und Pfeilern. Kapitelle und Kämpfer, ausgestattet mit einer vielfältig beeinflussten Bauzier geben Zeugnis der hervorragenden Baukunst um 1200. Die an die Kirche angrenzende Bebauung lässt in den Grundzügen noch Ost- und Nordflügel des Klausurbereiches erkennen.
1712 wurde die Konradsburg einer landwirtschaftlichen Nutzung als preußische Domäne (bis 1945) zugeführt.
Im Zentrum des einstigen Kreuzganges (dessen Reste ergraben wurden) steht das Brunnenhaus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau (um 1800). Darin befindet sich der über 46 m tiefe, wahrscheinlich klosterzeitliche Brunnen mit seiner technischen Schauanlage - einem Eselstretrad. Dieses wurde sogleich durch unseren Freund Albrecht Schneidewind gemeinsam mit Paula Schwarz getestet. Etwas gruselig wurde es, als Herr Wycisk berichtete, dass bei der Brunnenherrichtung die Gebeine eines der beiden urkundlichen belegten Toten, einem Selbstmörder, gefunden worden. Diese ruhen nun wieder neben der Treppe zum Brunnengebäude. Die übrigen Gebäude entstanden im 18. und 19. Jh. zu wirtschaftlichen Zwecken. Nach 1945 setzte eine kurze landwirtschaftliche Nutzung durch Einzelbauern ein. Verschiedentliche Bemühungen der Stadt Ermsleben und der katholischen Kirche Aschersleben konnten, unter den damaligen Bedingungen, eine zunehmende Bestandsgefährdung, Verwahrlosung und Verfall der Konradsburg in den 70er Jahren nicht verhindern. So worden in der Krypta Schweine gehalten.
Allerdings haben einige Freunde die Anlage aus ihren Kinder- und Jugendzeiten in guter Erinnerung, von Schlittenfahrten im Winter bis heißen Sommern im Stroh.

Dank einer Bürgerbewegung (1982), aus der sich 1990 der Förderkreis Konradsburg e.V. gründete, gelang die Sicherung der Bausubstanz aller Bestandteile der Burganlage. Seit 1991 ist der Verein Träger von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in verschiedenen Projekten. Ein Schwerpunkt der Maßnahmen ist der Erhalt der Anlage als einzigartiges Denkmal deutscher Kulturgeschichte am nordöstlichen Harzrand, das mit seiner Krypta zu den interessanten Sehenswürdigkeiten an der Straße der Romanik zählt.

Unverheiratete aufgepaßt, auf der Burg kann man sich nun auch trauen lassen, Trauzimmer und Platz zum Feiern, Übernachten und Parken ist da. Aber auch ein Wochenendbesuch lohnt sich, auch wegen des einladenden Cafés dort. Zu jeder Jahreszeit finden auf dem Gelände Veranstaltungen statt, sehr empfehlenswert ist die Burgweihnacht.

Das Engagement aller Beteiligten kann nur gelobt werden. Gerade die Sanierung der Gebäude, aktuell die Bedachung der Scheune, ist mit immensen Kosten verbunden.
Also, nicht nur Ferne schweifen, das Schöne liegt doch so nah – und diesmal eben in Ermsleben!
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 16.08.2018 | 15:29   Melden
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