Urlaubsreise in die Geschichte

Breslauer Tor in Oels / Olesnica

Während des Advent und der Weihnachtstage kommt in der Familie wieder die Zeit des gegenseitigen Besuch. Häufig kommen dann auch die Urlaubsfotos auf den Tisch, es werden Erinnerungen ausgetauscht und manchmal auch bereits darüber geredet, welches das Reiseziel der nächsten Urlaubs sein könnte.



So ist die Zeit unter dem Weihnachtsbaum auch die Tage des Erinnerns an Sommer, Sonne, Strand und erlebnisreichen Tagen in vielen Ländern der Welt. Das ist bei uns nicht ganz so, denn wir hatten die Zeit des Reisens dazu genutzt, einen Ausflug zu den Wurzeln eines Teils unserer Familie zu machen.
Diese Reise führte uns also nach Niederschlesien an die Strände der Oder. Dort stammt ein Teil unserer Familie her. Bei jedem Urlaub gibt es immer besondere Momente, die vor allem im Gedächtnis bleiben. Für uns waren das die Momente, einmal durch die Straßen der Kleinstadt, des Dorfes gehen, in denen die Großeltern geboren wurden. Dazu gehört auch, den Ort zu sehen, wo sie damals geheiratet hatten und auch, wo unsere Eltern geboren wurden, wo sie zur Schule gingen und vermutlich auch das erste Mal zum Tanz waren. Zu diesen Augenblicken gehört auch, einmal an jener Bahnsteigkante zu stehen, von dem aus der Vater seinen Heimatort das letzte Mal sah, als er abgereist war und seinen Dienst bei der Wehrmacht beginnen musste.
Wie wir aus Gesprächen wissen, spielen viele mit dem Gedanken, auch einmal eine solche Reise zu unternehmen. Das sollte sehr gründlich mit den eigenen Unterlagen vorbereitet sein. In Polen gibt es kaum noch öffentlich zugängliche Unterlagen aus der deutschen Zeit Schlesiens. Auch die Kirche, von der man eigentlich sagt, sie könne alle Fragen beantworten, können das nur für Mitglieder der katholischen Kirche tun. Alte Adressbücher oder alte Fotografien sind in den Museen in Schlesien vorhanden - aber was vorhanden ist, erfährt man erst, wenn man vor Ort danach fragt. Zugleich sollte man als Besucher die Hoffnung, in den Dörfern in Schlesien etwas über die Geschichte vor 1900 oder kurz nach 1900 zu erfahren, nicht zu hoch ansetzen. Was drüber bekannt ist, kann man im Internet nachlesen und die Menschen vor Ort wissen kaum mehr - auch sie wurden nach Ende des Zweiten Weltkrieges umgesiedelt und stammen eigentlich aus anderen Teilen des früheren Polen oder aus der Ukraine.
Damit stellt sich für Menschen, die aus ähnlichem Grund nach Schlesien reisen möchten, ob man Polnisch sprechen muss. Wer in eine größere Stadt fährt, muss das nicht unbedingt können. Für Nachfragen vor Ort oder den Besuch eines Dorfes ist das auf alle Fälle ratsam - zumindest sind geringe Sprachkenntnis auch ein "Türöffner" für einen Kontakt und die Gespräche mit der polnischen Bevölkerung.
1
Einem Mitglied gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
1 Kommentar
18.900
Peter Pannicke aus Wittenberg | 20.11.2017 | 00:28   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.