Steinfurther Moritaten *

Siedlung Steinfurth, 2005, von SW
 
Wunderburg, Siedlung Steinfurth, 2005
1. Hier in Steinfurth an der Fuhne
haben wir heut grad zu tune.
Angelockt durch groß Geschrei
kamen wir deshalb vorbei.

Wo gibt es noch zu saufen?
Im Garten mit den Reisighaufen!
Leider ist er plötzlich weg,
und man sieht nur noch den Fleck,

wo er jahrelang gelegen.
Für die Igel war´s ein Segen!
Doch es sprach die Frau Brunhild:
"Hackt Holz, oder ich werd wild!"

2. Eines Tages vor drei Jahren,
als sie gerade gut bei Kasse waren,
sagte Ulrich: "Liebe Frau,
ich steh wieder mal auf Bau.

Lang schon ärgert, gute Alte,
dich der Wind, der grausam kalte.
Deshalb baue ich dafür
vor das Haus ne Windfangtür."

Als er mit dem Werk zu Ende,
hat der Windfang Dach und Wände,
und es wurde, welch ein Graus,
das Elternschlafzimmer daraus.

Nach dem Bau der Ehehalle,
warn die Steine noch nicht alle.
Papa Ulrich, voll Elan,
hat schon wieder einen Plan.

Und er klitschte noch ne nette
gut bemessne Toilette.
Denn die alte, ohne Spaß,
war sehr enge, wenn man saß.

3. "Ich bin nicht wie andre Leute:
Wenn die was brauchten heute,
werfen sie´s schon morgen weg,
so als wär´s der letzte Dreck.

Bei mir wird alles aufgehoben!
Wozu hat man Keller, Boden?
Auch drei Zimmer stehn noch leer.
Habt ihr Krempel, bringt ihn her!

Altpapier und alte Lumpen,
Plasteeimer, Fahrradpumpen,
Fässer, Balken, Bretter auch.
Irgendwann wir´s mal gebraucht.

Augenblicks schreib ich die Liste,
wo man alles wiederfinden müßte.
Dreizehn  Seiten sind es schon
und ´s ist erst ein Teil davon."

4. Ist der Garten auch sehr klein,
ein Gewächshaus muß hinein!
Achtzehn Meter im Quadrat,
Gurken, Paprika, Salat.

Auch mit Pilzen wird es versucht,
doch man hat das Zeug bald verflucht,
denn das Pillzjahr, das war schlecht
und die Brut gedieh nicht recht.

Heizung kostet ´s ungeheuer,
aber nichts ist uns zu teuer,
ist man nur der erste Mann,
der grüne Gurken zeigen kann.

Spargel, Erdbeern, wie das so ist,
alles schreit nach gutem Roßmist.
Kommt ein Sohn dann mal nach Haus,
schickt der Vater ihn hinaus.

Und man sieht den Ärmsten laufen
nach den kleinen Apfelhaufen
Straß um Straß, es ist ein Graus,
und das kommt am Ende raus.:

5. Hin und wieder in der Ehe
wird zu eng der Liebsten Nähe.
Drum stieg Ulrich in den Zug,
der ihn nach Neumünster trug.

Kaum war er dort angekommen,
hat das Telefon er sich genommen.
Doktors wollten grad zu Bett,
da ruft er an, das war nicht nett.

Denn der Doktor dacht mit Grausen,
da hat einer Blinddarmsausen.
Als es ist der Nachbar bloß,
rennt er gleich im Nachthemd los.

Anderntags zur Frühstückspause
macht der Ulrich noch ne Sause:
Im Betriebe (VEB) ruft er an:
"Hallo, hier ist Kruggel dran!"

Die Kollegen hörn mit Staunen.
Durch die Massen geht ein Raunen
:"Der kommt wieder, das ist schön."
Trotzdem, keiner kann´s verstehn.

6. Willst du in die Tatra laufen,
mußt du vieles Zeug einkaufen,
hat Brunhildchen aufgemutzt,
was den Ulrich arg verdutzt.

Er bedenkt es ein paar Tage
und beurteilt scharf die Jage:
"Meiner Reise droht Gefahr,
wenn am falschen Fleck ich spar."

Also wird ein Ja gesprochen,
und im Lauf der nächsten Wochen,
schleppt Brunhilde Zeug heran,
Ulrich wird ein armer Mann.

Zieht er auch die Stirn in Falten,
seine Frau ist nicht zu halten.
Was entbehrt sie viele Jahr,
das wird jetzt auf einmal wahr.

Selbst ein Kühlschrank stand zur Rede,
doch der Ulrich ist nicht blöde.
Blitzesschnelle ward ihm klar,
daß da keine Verbindung war.

Scjhießlich ist man losgezogen.
Die Begeisterung schlug hohe Wogen.
Und nun fährt man jedes Jahr,
weil so groß der Einsatz war.

7 Borstenvieh und Schweinespecke
sind erhabne Lebenszwecke,
heißt es hier jahraus, jahrein,
nunmehr schon fürs dritte Schwein.

Hat man es am Galgen hängen.
die Metzger um die Flasche drängen.
Es lebe hoch das tote Schwein!
Einmal muß es schließlich sein.

"Na, vertragen wir uns wieder?"
fragt der Meister brav und bieder,
während er das Messer wetzt
und zum Sturmangriff ansetzt.

Alle schneiden derb und mutig.
Mancher Finger ist schon blutig.
Das ist schließlich ganz egal,
Blutwurst wid es allemal..

Bei dem vielen fetten Essen
darf man´s Trinken nicht vergessen.
Denn Probieren, das muß sein,
kpstet ´s auch das halbe Schwein.

Knoblauch her! Da hilft kein Schimpfen. 
auch nicht Hansens Naserümpfen.
Daß den Pfeffer man vergaß,
war nicht nur ein übler Spaß.

Denn noch manche Branntweinflasche
lockt man Vatern aus der Tasche,
und des Meisters "alles klar"
ist schon lange nicht mehr wahr!

8. Leute höret die Geschichte,
die mit Schaudern ich berichte,
von dem Manne, der zur Kur
in das Werratälchen fuhr.

-Nachmittags um halber viere
sah man ihn bereits am Biere.
Was er tat, das war nicht recht,
doch die Quelle schmeckt zu schlecht!

Und es kam, wie´s kommen mußte:
Die Zeit er in der Kneip verpußte.
Und vor der verschlossnen Tür,
stand halb zwolfe er dafür.

Das war wirklich nicht zum Lachen,
denn die Nacht bot minus dreizehn Sachen,
und sie wurde furchtbar lang.
Morgens war der Ulrich krank.

So kam er denn nach drei Wochen
elend hustend heimgekrochen.
Seine Frau blies ihm den Marsch,
denn die Kur, die war fürn .....

9. Liebe Leute, keine Bange,
unser Lied geht nicht mehr lange.
Hoffend, daß es euch gefällt,
bitten wir um etwas Geld

für zwei arme Musikanten,
die durch Zufall sich hier fanden.
Ein Hoch auf unser Silberpaar
bringen wir zum Abschied dar!

Und es klettre froh und munter
oft noh Berge rauf und runter.
Die Verwandten, siebzehn Stück,
wünschen dabei recht viel Glück.

Noch in 25 Jahren
sollt ihr in die Tatra fahren!
Goldne Hochzeit feiert dann
auf dem Gipfel des K r i v a n!

* (Widmung, 1989 - nochmal angesehen 2018)
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 07.02.2018 | 06:52   Melden
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