Was soll ein "SchwedenHaus" in Dessau-Waldersee?

Die Gustavusburg "Schwedenhaus"
 
Gustav Adolf zu Pferde
Dessau-Roßlau: Schwedenhaus |

Eiskalte Frühlingswanderungen in Dessau-Waldersee - ❹ Gustavusburg "Schwedenhaus"

Das sollte der Abschluss meines Ausfluges werden. Vom Leiner Berg wäre es entlang des Schwedenwallgrabens bestimmt ein schöner Weg gewesen; doch zumindest für Autos gesperrt.

Hier gleich die Auflösung.
Zwischen 1784 und 1786 ließ Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau das Gebäude als Wohn- und Gerätehaus zur Instandhaltung der benachbarten Hochwasserwälle errichten (wie sich die Dinge mit Wörlitz gleichen).

Doch im Jahr 1792 schenkte er das Haus dem schwedischen Hauptmann Baron von Greifenheim. Damit wurde das Gebäude, de facto nur 6 Jahre als Wallwachhaus genutzt, zum Schwedenhaus.

Seine Bezeichnung erhielt die „Gustavusburg”, damals auch „Gustav Adolf” genannt nach einem vergoldeten Relief an der Hauptfassade die der Straße zugewandt ist. Das Relief zeigt Gustav Adolf zu Pferde. Über ihm schwebt ein Siegesengel mit Lorbeerkranz - eine Huldigung des Fürsten Franz an den Schweden-könig, der als Führer der protestantischen Partei im Dreißigjährigen Krieg 1632 bei Lützen fiel.

Das Bauwerk wurde zum Teil massiv aufgeführt, zum Teil in Fachwerk. Die Putzflächen wiesen eine Ziegelimitation auf. Aus Sandstein jedoch ist der Risalit, also der vorspringende Mittelteil der Fassade, errichtet worden.
Von 1863 bis 1969 wurde das Baudenkmal als Gastwirtschaft betrieben. In den darauf folgenden Jahren verfiel das Gebäude jedoch zunehmend und wurde 1981 bei einer Feuerwehrübung zudem weitestgehend zerstört.

Glücklicherweise blieben nicht nur das Relief, sondern auch alle anderen Sandsteinteile erhalten. Sie waren durch die Dessauer Stadtverwaltung sichergestellt und eingelagert worden.
Dank einer finanziellen Förderung des Landes Sachsen-Anhalt eröffnete sich der Kulturstiftung bereits in 2006 die Möglichkeit, die noch vorhandene Bausubstanz weitgehend instand zu setzen, darunter einen der ehemals vier Ecktürme des Gebäudes.
Anlass hierfür gaben wohl auch die im Jahre 2007 geplanten Veranstaltungen zum 375. Todestag Gustav Adolfs.
Aufschlussreiche Quellen bzw.Weblinks :
gartenreich.com/de…print_schwedenhaus2
wikipedia.org/wiki/Gustavusburg
Commons: Schwedenhaus (Dessau-Waldersee) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Irrtümlich suchte ich das Schwedenhaus am Ortsausgang von Waldersee. Doch ein nettes älteres Ehepaar wies mir den richtigen Weg. Von ihnen erfuhr ich noch zwei weitere historische Dinge in unmittelbarer Nähe:
Die Keimzelle des heutigen Stadtteil Dessau-Waldersee bildete ehemals Naundorf mit dem früheren Ort Jonitz
Der Besitzer des Gutes Naundorf, der Geheime Justizrat Ludwig von Albert, legte 1832 eine Gärtnerei und einen Park an, von dem heute nur noch Reste vorhanden sind.
1836 übernahm die Familie von Bodenhausen das Gut. Vom ehemaligen Gutshaus ist nur noch der ehemalige Saalbau im Stil englischer Gotik von 1873 erhalten, der immer mehr verfällt.
Seit 2013 gibt es Planungen in dem Gut Ferienwohnungen zu errichten, doch noch ist davon nichts zu sehen.
Quelle: Waldersee Verkauf von Gut Naundorf abgeblasen

Beim Dessau Waldersee – Bürger- und Heimatverein kann man übrigens nachlesen:
"Unsere Vereinsfahne zeigt in drei Feldern das Schloß Luisium, den Obelisken auf dem Mausoleum von Fürst Franz und Luise, dem Kirchturm, und den Ziegenbock als Erinnerung an die Familie von Bodenhausen, die seit 1836 bis zur Enteignung 1946 auf dem Gut Naundorf gelebt hat.

Den letzten Nachfahren hatte das Ehepaar noch persönlich gekannt.
Das Denkmal der Familie von Bodenhausen ( und ein Grabstein eines Ur(7)-Enkels in Zehnter Generation (Bodo, Gustav, Hans, Georg, Ordomar von Bodenhausen, geboren am 13. Mai 1890 in Naundorf bei Dessau und gestorben am 29. März 1959) ist auf dem ehemaligen Naundorfer Friedhof in der Münsterberger Straße noch erhalten und soll öffentlich zugänglich bleiben.
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