Apropos 10. Hansefest - ein Nachtrag

Auftakt war der traditionelle Salzhandel
 
Kinderspielplatz
 
Die Hansemagd backt Salzgebäckkuchen
Kaum haben wir, der Hallische Hanseverein, uns ins 10. Hansefest gestürzt, ist es auch schon wieder Geschichte, was zeigt, dass Geschichte sehr, sehr schnell vorüber ist. Doch in diesem Jahr gab es einige Neuerungen. So durchschritt man quasi  ein großes Holztor auf der Peißnitzinsel, was die Neue Hanse von der Alte Hanse schon rein optisch trennte. Nur ein paar Schritte trennten die Ritterzelte und Gewandungshändler von Kettenkarussel und Hüpfburg.

Am Samstag ging es dann auch mit dem Programm Schlag auf Schlag. Robin Hood kämpfte gegen die Reichen und gab den Armen und kam schon mal bei der Verteilung durcheinander. Kaum Atem konnte man holen, denn ein schreiender Trommler lud schon zur nächsten Unterhaltung ein. Zwei kämpfende Ritter legten sich mit einer archaisch anmutenden Ritterin an. Nach diesem unterhaltsamen Kampfgeklirr wurde es orientalisch. Erstmals präsentierte sich die M8 Gruppe mit einem sehenswerten Bühnenstück über Till Eulenspiegel, den Narren der deutschen Landen und Hodscha Nasreddin, dem Narren des Orients. Die beiden trugen ihre „Kämpfe“ vor einem Spiegel aus, sehr zum Gaudi der Zuschauer. Wenn dann noch syrische Kehlen singen, und genau daraus besteht die M8 Gruppe des Hallischen Hansevereins, ist das Gelächter groß und auch gewollt.

Kaum war dies Spektakel vorüber, kam ein „Esel, der auf Rosen geht“ der Gruppe Quinta-X-Essentia auf die Naturbühne. Natürlich hatte das Stück etwas mit der bekannten Sage Halles zu tun, nur war das berühmte Grautier Erasmus von Halberstadt, der Hansekaufmann, der einem Streich aufsaß und den verübte die Hansemagd Ketlin, Leitsymbol des hallischen Hansevereins. Die Kinder hat’s gefreut, die Zuschauer haben geklatscht.

Damit nicht genug, ging es nach 18:00 Uhr so richtig los, doch zwischendurch konnte man noch allerlei Kurzweil erleben. Die Kinder fanden sich in dem Erlebnismittelalterspielplatz ein, wo mit Holzschwertern versucht wurde, das Spiel der Großen nachzuahmen. Besonders am Sonntag ging es so richtig ab. Sackhüpfen, weitwerfen und das Mobberlespiel waren die Highlights und die Eltern hüpften mit ihren Kindern um Salzsteine herum um die Wette. Schade nur, dass die Pferde des Reitlehrers Christian Schurig nicht zum Auftritt kommen durften, weil laut Auskunft der Stadt die Tierchen in den drei Stunden, die sie da sein sollten, den Rasen kaputttrampeln würden. Nur gut, dass wir Menschen das nicht tun und ja, Verordnungen müssen eingehalten werden. Im Mittelalter hätte man sich totgelacht, ob der Posse.

Die Hanse kennenlernen konnte man im rot-weißen Hansezelt und ein wenig vom Originalsalz der Saline sich eigenhändig in die Säckchen füllen. Daneben gab es Infos über die Hanse und Comics sowie Kalender von Halle. Weiterhin gab es das Hansebuch zu kaufen oder man nahm einfach am Hansequiz teil. Das besondere an den Publikationen, es sind alles Eigenproduktionen des Hansevereins.

Im Kinozelt war es verdammt warm, aber vier Filme nonstop boten genug Unterhaltung, vom Kochen in alter Zeit bis zur Dokumentation über Halle eine Hansestadt. Wer frische Luft dringend brauchte, setzte sich kostenlos in den Kaffenkahn und konnte 20 Minuten Fahrt auf der Saale genießen. Der Modellbauverein baute mit Kindern Schiffchen aus Polystyrol und zwei wurden auf der Saale von der Hansemagd symbolisch ausgesetzt.

Doch kommen wir auf den Samstagabend zurück. 18:00 Uhr Ritterkampf, dann gemütliches Abendessen und Biertrinken an den urigen Ständen, um zwanzig Uhr kamen die „Fiddler Folk Family“ zu Wort, zur Geige und zum irischen Steppdance. Die Leipziger Gruppe, nach der Kelly Familie, einzige singende, fiedelnde und steppende Familie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, nach eigenen Aussagen, riss die Zuschauer mit. Zwei Stunden später war es mit der Musik vorbei und es begann der Augenschmaus. Die Gruppe „Das Geierlamm“ zeigte eine Feuershow, bei der es selbst Drachen den Atem gestockt hätte. Auch Leon, ein junger Gaukler aus den Reihen des Ritters von Lyon, der vorher schon Schwertkämpfe ausfochte, gab seine Feuerkunstjonglage zum Besten. Schnell, viel zu schnell erlosch das Feuer, doch nur auf der Erden, den kurz nach der Show, konnte das staunende Publikum sehen, wie sich ein Feuerwerk in den Himmel erhob. Die Saale spiegelte die Leuchtkörper wieder und schien in „Feuerwerksflammen“ zu stehen. Wer jetzt glaubte, dies war der Samstag und man konnte 22:30 nach Hause geben, wurde noch mit frivolen Geschichten der Gruppe „Quinta-X-Essentia“ überrascht, wo es um 6 Episoden rund um die Finkenflucht ging, einem ehemaligen besonderen Häuschen, wo sich die jungen Männer (Finken) vergnügten und die alten Männer sich flüchteten vor ihren keifenden Frauen. So war es eben damals. Heute heißen diese Häuser fantasielos „X-Carree“ oder so, haben aber denselben Zweck.

Einziger Wermutstropfen war, dass die dazu ablaufende Lasershow abgebrochen werden musste, weil zwei übereifrige Männer sich an der Ausführung stießen. Sie hatten zwar Recht, weil Sicherheitsvorschriften eingehalten werden müssen, aber man hätte das auch anders lösen können, zumal selbige gleich danach auch gegen neue Datenschutzrichtlinien verstießen.

Die frivolen Geschichten wurden indes fortgesetzt, sehr zur Freude der Zuschauer. Sie waren dann auch der Abschluss gegen 23:00 Uhr und bildeten die Grundlage mancher Träume an diesem lauen Abend, wo man jeden Stern einzeln zählen konnte.

Wenn man bedenkt, dass das gesamte Programm von Samstag bis Sonntag, die Mittelalterspiele, das Salzgebäckbacken am Sonntag, die Kaffenkahnfahrten, die Infos im Hansezelt, der Aufbau und Abbau der Zelte durch eigentlich nur ca. 40 Mann bewerkstelligt wurde und die Theaterstücke von den Auftretenden ohne Gage vorgeführt worden sind, ist das Hansefest gemessen am Laternenfest zwar klein, kann sich aber sehen lassen. Wie sagten doch Erasmus und Ketlin am Ende ihres Stückes „Der Esel, der auf Rosen geht“: „Ein Esel wer vergisst, was wichtig ist im Leben! Denn es ist besser zu geben, denn zu nehmen.“

Fotos: Hallischer Hanseverein (Christian Schurig, Christian Schwela, Sylvia Waldow)
Die Fotos wurden bewusst so ausgewählt, das wenig Menschen sichtbar abgebildet werden. (Man weiß heute nie!)
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1 Kommentar
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 11.06.2018 | 18:21   Melden
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