Geschichte wahrnehmen

Sicht auf Denkmal "Flamme der Revolution" Juni 2012
 
1. Tafel aus Richtung Leipziger Turm
Im Alltag ist die Wahrnehmung der Anstoß, sich näher mit geschichtlichen Ereignissen zu beschäftigen. Das erfuhr ich, nachdem mich ein Tourist fragte, welche Bedeutung die Fahne und die Wegtafeln am Hansering haben. Weiter nachgedacht, stelle ich mir heute die Fragen: Stehen die Tafeln und das Fahnenmonument in unmittelbarem Zusammenhang und welche Bedeutung haben sie noch für die junge Generation?


„Weg der Erinnerung“ (the path of memory)



Durch meine Recherche erfuhr ich, dass die Tafeln auf Beschluss des Stadtrates als Denkmal zur Erinnerung an die Montagsdemonstrationen 1989 in Auftrag gegeben wurden. 2006 gestaltete der Künstler, Christof Traub, 10 bronzene Tafeln, die auf der rechten Straßenseite des Hanserings vom Leipziger Turm bis Höhe Landesgericht Halle zu sehen sind. Die Inschriften der Tafeln machen das Anliegen des Künstlers deutlich, diese Tafeln als Schritte zur Freiheit zu verstehen. Die letzte Tafel, trägt die Aufschrift „Recht muss Recht werden“. Sie ist in Höhe des Landesgerichtes zu sehen. Von diesem Standort aus, ist das Denkmal „Flamme der Revolution“ deutlich zu erkennen.

Denkmal „Flamme der Revolution“

Die unterschiedliche Farbgebung des Fahnenmonumentes ist sichtbarer Ausdruck der wechselvollen geschichtlichen Ereignisse. Es wurde 1967 aus Anlass des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution in Russland, als Denkmal mit der Bezeichnung "Flamme der Revolution" eingeweiht. Es dominierte mit seinem roten Farbanstrich den oberen Hansering. Zahlreiche Aufmärsche und Demonstrationen der Partei- und Staatsführung der DDR fanden hier statt. Zur Wendezeit 1998 wurde die Fläche am Fahnenmonument als Treffpunkt im Rahmen der Montagsdemonstrationen genutzt. Das Fahnenmonument wurde damals als "buntes Segel" bezeichnet. Der Grund war, dass das Fahnenmonument für Anschläge und Bekanntmachungen genutzt wurde. Dazu trug auch bei, dass in der Silvesternacht 1989/90 das Fahnenmonument mit Farbbeuteln beworfen wurde. Abriss oder Verbleib des Denkmals war in den 1990er-Jahren heftig umstritten. Im Dezember 1994 bekam die Telekom die Baugenehmigung für ihre neue Telefon-Schaltzentrale. Danach wurde ein neuer Farbanstrich (ein roter Hintergrund, die weißen Punkte, die EU-Fahne und im oberen Teil ein gelber Hase sowie der daneben zu sehende Piratentotenkopf auf schwarzem Grund) aufgetragen, zu der nur wenige Menschen Bezug hatten. Es war wohl der Versuch, mit künstlerischen Mitteln, die neue politische und wirtschaftliche Entwicklung auszudrücken. Die anhaltende öffentliche Diskussion über die Bedeutung des Fahnenmonumentes endete damit, dass 2004 der hallesche Künstler, Steffen O. Rumpf, auf Beschluss des Stadtrates, das Denkmal mit dem Namen "Flamme der Revolution", farblich neu gestaltete. Die neue Farbgebung bildet die Milchstraße ab und die orangene Hintergrundfläche stellt die kosmische Hintergrundstrahlung dar. Diese lässt viele Interpretationen zu.


Wahrnehmung als Anstoß zum Nachdenken

Das Fehlen einer Erklärungstafel, erschwert es Touristen und Bürgern den Bezug zur „friedlichen Revolution“ herzustellen. Wenn man heute das Fahnenmonument betrachtet, wirkt es eingezwängt zwischen dem Neubau der Telekom und dem Parkhaus. Leider ist auch die Gedenktafel nicht mehr vorhanden, die auf die Bedeutung des Denkmals „Flamme der Revolution“ hinwies. Die Verbotstafel am Sockel verhindert wohl kaum Verschmutzung, Schmierereien und Graffitis. Die bereits sichtbaren baulichen Mängel am Fahnenmonument sind ein weiterer Grund, über Wahrnehmung und Darstellung der Bedeutung der friedlichen Revolution am Hansering nachzudenken.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 03.04.2017
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2 Kommentare
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Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) | 09.03.2017 | 22:01   Melden
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marlit rendelmann aus Halle (Saale) | 10.03.2017 | 19:47   Melden
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