Salinefest und Refugium

Warten auf den Salzhandel
 
Prolog
Wasser ist die Grundlage des Lebens. Dumm nur, wenn es vom Himmel ausgerechnet am Salinefest in Kannen herunterschüttet. Das blieb zum Glück nur dem Sonntag vorbehalten, doch der Reihe nach.

Auf dem Markt fand das Salzfest statt und in der Saline das Salinefest. Salz kommt aus dem Wasser, das Sole genannt wird. Beide Feste versuchen dem Rechnung zu tragen, der eine mehr, der andere weniger. Eigentlich ist doch die Händelstadt Halle eine Salzstadt, denn die Geschichte des Salzes ist bedeutend länger. Auch Händel war dem Salz nicht abgeneigt, wie überhaupt jeder Mensch. Heute ist Salz eine billige Massenware. Damals bedeutet Salz Reichtum und wurde nicht umsonst Weißes Gold genannt. So ist das Salz, entstanden aus einer geologischen Verwerfung vor Millionen Jahren, doch die Grundlage, ja eigentlich sogar die Jugendstube des alten Halle, wenn man so will.
Dem Salz sind nun mal die Halloren verpflichtet, haben sie doch als Salzwirker einst die Sole gefördert, geschleppt und zum Versieden gebracht. Sie waren die Salzarbeiter der reichen Pfänner und gründeten später eine der ältesten Brüderschaft in Deutschland.

Doch vor den Halloren gab es die Hanse, eine Organisation, die den Handel der Kaufleute beschützte und einst eine mächtige Macht darstellte. So ist es kein Wunder, das Halle auch der Hanse angehörte, nicht an erster Stelle stehend, aber sich einmischend und von deren Stärke profitierend. Immerhin fast 200 Jahre gehörte die Stadt der Hanse an, bevor gemeiner Verrat die freiheitlichen Bestrebungen 1478 jäh stoppte. Da könnte man Geschichten erzählen und genau das tat dann auch die Theatergruppe Quinta-X-Essentia des Hallischen Hansevereins e.V. mit ihrem Theaterstück „Die Bierkonzession“.

Etwa Bier und Salz – Gott erhalt’s?? Mitnichten, das wusste auch die Hansemagd Ketlin, die es nicht zuließ, dass der Hansekaufmann Erasmus von Halberstadt aus der Salzstadt Halle eine Bierpanscherstadt werden ließ. Und so „tobte“ auf der Bühne nicht nur ein betrunkener Erasmus, sondern geradezu ein Bierstreich nach dem anderen. Doch es kam, wie es immer kommen musste bei den Stücken des Hallischen Hansevereins. Erasmus kam zur Vernunft und die Hansemagd verkündete am Ende des Stückes „Brot und Salz – Gott erhalt’s“. Recht so.

Das war dann der Schwank aus der langen Salzgeschichte der Stadt. Wer jetzt mehr und wahrhaftiges erfahren wollte, ging nicht nur an den handwerklichen Ständen, den Salzverkaufsläden, dem traditionellen Salzsieden vorbei, sondern wandte sich auch dem Hanserefugium zu, wo dann ein nimmermüder Erasmus mit lauten, schnellen Sätzen die wahre Geschichte der Salzstadt celebrierte und eine Führung der besonderen Art vornahm. Ist doch dieses Refugium nicht nur Vereinssitz in der Saline, sondern beinhaltet eine Taverne, ein Salzkontor, eine Waffenkammer, ein mittelalterliches Spielzimmer und eine Scharre (Verkaufsstand), wo man Halle-, Hansekalender und andere Publikationen rund um die Hallische Geschichte kaufen konnte. Warum die Taverne „Zur Hänne“ mit „ä“ hieß, erfuhren einige Zuschauer in seinem Ein-Mann-Stück.

Nun denn, der Kaufmann entließ die Zuschauer mit den Worten „Sobald Sie einen Fuß nach draußen setzen, brennt Geschichte unter Ihren Füßen und wir bewahren einen Teil der geschichtlichen Kinderstube dieser Stadt.“ Die Zuschauer klatschten, bedankten sich artig und viele verließen mit einem zufriedenen Lächeln das Refugium, haben sie doch gerade viel erfahren.

Manche fühlten sich auch fast erschlagen von den im Staccato erzählten Geschichten und konnten sich dann auf dem Salinehof bei Bier und Speisen stärken.
Am Sonntag kam der Regen, da wurde zwar kein Theater gespielt, aber die Führungen gingen weiter und kamen erst zum Erliegen, als auf dem Hof neben der Würstchentheke ein einsames Würstchen sich sein Würstchen schmecken ließ. Demnächst plant der Hanseverein eine Führung an einem Wochenende in dem Hanserefugium, dann mit verschiedenen Spielszenen.

So nimmt der Hanseverein mit seinen Theaterstücken sich selbst nicht immer ernst, aber die Geschichte von Halle an der Saale schon. Mag es nun Wasser schütten oder auch nicht.
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