Der Gänse-Brunnen in Halle-Kröllwitz: Bald sprudelt er wieder und die Gänse schnattern …..

Aussehen des Gänsebrunnens im Jahre 1940 (Quelle: IG)
 
Weidanz-Gänse (Aufnahme Volker Herrmann) Quelle: Volker Herrmann, in der Wikipedia unter dem Namen VH-Halle tätig, ist leider am 1. September 2015 im Alter von 80 Jahren verstorben. Wir verdanken ihm zahlreiche Beiträge zur Hallenser Stadtgeschichte sowie zu in Halle (Saale) tätigen Künstlern und Wissenschaftlern. Wir verlieren zudem einen stets hilfsbereiten und konstruktiven Diskussionpartner beim Hallenser Stammtisch. Uwe Gille im Namen der Hallenser Wikipedianer, 13. September 2015

Entstehung und Schicksal des Brunnens

Im Auftrag der Stadt Halle (1937) schuf im Jahre 1939 der in Hamburg geborene und später in Hal­le-Kröllwitz heimische Bildhauer Gustav Weidanz (1889-1970) einen Brunnen neben der auf dem Tannenberg, einem 30 m hohen Phorphyrfelsen, gelegenen Petruskirche.
Namensgebend für die kreisrunde, steinerne Brunnenanlage war eine aus drei Gänsen bestehende Bronzeplastik. Ein weiterer bekannter Künstler hat 1939 an dem Brunnen mitgearbeitet: Carl Fritz David Crodel, genannt Charles Crodel (1894-1973), schuf die dreifarbige Ausgestaltung der Brun­nenschale mit keramischen Mosaiken. In der Zeit des II. Weltkrieges und in den ersten zehn schwe­ren Nachkriegsjahren geriet der Brunnen aus dem Blickpunkt, wurde demoliert und verfiel in einem solchem Maße, dass er abgestellt werden musste. Die Zerstörung seines Kunstwerkes hat Professor Weidanz stark bedauert, was ihn dazu veranlasste damals einen verärgerten Brief an die Stadtver­waltung zu schreiben, indem er den kompletten Abriss des Brunnens erbat. Der Bitte wurde – Gott sei Dank - nicht stattgegeben, sondern als Kompromisslösung eine Umsetzung der Gänseplastik 1956 auf den Rosa-Luxemburg-Platz vor dem Vorgeschichte-Museum vorgenommen. Ein ver­gleichbar trauriges Schicksal erfuhr auch der Heidebrunnen, der zweite Brunnen in Kröllwitz. Diese als eine der ältesten in Halle geschaffene, auch als "Waldtierbrunnen" und "Eulenbrunnen" bezeich­nete Anlage wurde 1932 durch die Künstler Richard Horn (1898-1989) und Jens Bergner (ein Schü­ler von Prof. Bernd Göbel) errichtet und von Spendengeldern finanziert, die durch den Heideverein gesammelt worden waren. 1973 erfolgte die erste Instandsetzung. Die letzte Restaurierung erfolgte 1992, seit 2010 ist der Heidebrunnen wegen eines Defekts außer Betrieb.

Jetziger Zustand des „Ohne-Gänse-Brunnens“ nach 60 Jahren außer Betrieb

Die nachfolgenden Bilder wurden am 20. November 2015 aufgenommen und zeigen zum einen den desolaten Zustand des Brunnens, andererseits die Schönheit und die vielfachen Nutzungsmöglich­keiten der ihn umgebenden Anlage in unmittelbarer Nähe zur Petrus-Kirche und der benachbarten Grundschule Kröllwitz (Man beachte die Größe der Bäume im Vergleich zum Bild von 1940)

Initiative zur Wiedererrichtung des Gänsebrunnens

Der am 21. Juli 2014 gegründete Verein „Interessengemeinschaft Gänsebrunnen Halle-Kröllwitz" (IG), der nach Eintragung in das Vereinsregister die Ergänzung e.V. trägt, hat sich zum Ziel gesetzt, den unter Denkmalsschutz stehenden Gänsebrunnen auf dem Kröllwitzer „Kirchberg“ wieder herzu­stellen und das zugehörige Ensemble zu einem identitätsstiftenden Ort der Stadtteilkultur in Kröll­witz werden zu lassen (aus der Satzung des Vereins). Dazu gehört natürlich auch die Komplettie­rung durch die „Weidanz-Gänse". Nachdem diese sich 17 Jahre auf dem Brunnen, aber fast genau die dreifache Zeit auf dem Rosa-Luxemburg-Platz befunden haben, waren Probleme mit der Rück­führung der „Gänse ins Dorf" vorprogrammiert. Glücklicherweise ist es der IG 2016 gelungen, die originalen Gussformen der Weidanz-Gänse in der Kunstgießerei Seiler in Schöneiche bei Berlin ausfin­dig zu machen. Die Augenscheinnahme durch Prof. Göbel, dem künstlerischen Haupt der IG, er­gab, dass es sich bei den Gänseformen um die Originale handelt.
Inzwischen hat sich der Künstler Marcus Golter, ein Schüler von Professor Göbel, in seinem Atelier durch die notwendige Restauration der Gipsformen eingebracht. Die Existenz der Gussformen ist zwei­fach erfreulich: Erstens wird der Abguss damit ein Original der Weidanz-Gänse sein. Zweitens kön­nen die Befürchtungen der Anlieger des Rosa-Luxemburg-Platzes ausgeräumt werden, die ihnen seit 61 Jahren lieb gewordenen Gänse zu verlieren. Durch die intensiven Bemühungen der IG sind wichtigen Sponsoren gefunden worden, die gemeinsam mit der Spendenfreudigkeit Kröllwitzer Bürger bisher etwa 50% der Rekonstruktionskosten abgesichert haben. Die Stadt signalisierte die Unterstützung des Brunnenprojektes, allerdings mit dem Verweis auf „Kostenneutralität“. Aller­dings darf an dieser Stelle hingewiesen werden, dass der Brunnen städtisches Eigentum ist. Für die bald beginnenden Wasser- und Stromleitungsbauarbeiten einschließlich der Fundament- und Stein­metzarbeiten sowie für den Abguss der Gänseplastik und die laufenden Betriebskosten nach Fertig­stellung sind noch erhebliche Anstrengungen zur finanziellen Absicherung nötig, damit hoffentlich im nächsten Jahr der Gänse-Brunnen wieder sprudeln und die Gänse schnattern können ....
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 10.04.2017
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2 Kommentare
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Yvonne Rollert aus Halle (Saale) | 04.04.2017 | 10:07   Melden
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Willibald Schliemann aus Halle (Saale) | 05.04.2017 | 09:08   Melden
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