Ein altes Handwerk selbst erlebt

Die gefärbte Wolle
 
Die Wolle wird bearbeitet
Tatort: SBH Südost GmbH, Bereich Doctrina Hortum (Schulgarten)
Täter: F. Weiland und Mitarbeiter
Opfer: Schüler einer 8. Klasse

Was sich wie ein Kriminalstück anlässt, ist eigentlich keins, hatte aber mit erforschen und untersuchen zu tun. Und die Täter tun einiges: Nämlich die Opfer anleiten in Sachen Färben. Also kommen wir zur Sache. 20 Schüler des Produktiven Lernens der Heinrich-Heine-Gesamtschule machten sich mit ihrem Lehrer auf den Weg ein altes Handwerk kennenzulernen und selbst mal zu probieren wie es ist, mit einfachen Mittel Wolle zu färben. Das ist anfangs gar nicht so einfach, weil natürlich keine Kenntnisse vorliegen. Schließlich ist dieses Handwerk zwar uralt, aber in unserer Zeit wird so etwas fern jeder deutschen Realität in irgendwelchen Betrieben schnell und in Massen mit ganz anderer Technik bewerkstelligt.

Frau Weiland, ihres Zeichens Anleiterin des Doctrina Hortum (was nichts anderes als Schulgarten heißt) erklärt den Schülern geduldig wie die einfache Technik des Färbens geht. So werden Blätter des Walnussbaumes gekocht und dann wird in dem Sud Wolle eingelegt und später gespült. Natürlich herrscht Arbeitsteilung. Eine Gruppe stellt die Küpe (Sud) her für den Färbevorgang, eine weitere Gruppe spinnt die Schafwolle per Hand, um sie dann von einer weiteren Gruppe in der Küpe färben zu lassen. Die gefärbte Wolle wird zu einem Lesezeichen verwebt und ein Teil der Wolle wird zu einem geknüpften Freundschaftsband verarbeitet.

Ein Prozess, der ein Weilchen dauert und die Gruppe gehen alle Schritte durch. Frau Weiland erzählt auch vom Beizen der Wolle, was vor den genannten Arbeitsgängen erfolgen muss. Heute geschieht das mit Alaun. Für seltsame Ausrufe aber sorgt ihre Geschichte vom Beizen in alter Zeit. Dort lagen die Färbereien abseits vom Dorfe, weil das Beizen mit Ammoniak erfolgte. Den bekam man aus dem Urin der Färber. Der Geruch mochte bestialisch sein (darum das Abseits vom Dorfe), das Ergebnis war dasselbe. Es ersparte jedenfalls den kleinen Toilettengang.

Die Farbe wird von den Schülern aus Walnussblättern (braun), der Goldrute (gelb), den Wurzeln der Krapppflanze (weinrot) und der Rinde des Blauholzbaumes (blau) gewonnen. Soviel Pflanzen haben die Schüler an einem Tag noch nie kennengelernt. Als ob das nicht reicht, werden auch die Geschmackssinne noch stimuliert. So werden Basilikum und Zwergtamarillos aus Südamerika gekostet. Letztere haben einen leicht bitteren Geschmack und wuchsen bei den diesjährigen Temperaturen besonders gut. Zum Kosten gab es auch Lakritzkraut, Stevia (Zuckerkraut), Salzkraut und Colakraut. Frau Weiland wusste einiges über die Kräuter und Pflanzen zu berichten, schließlich hat sie in einer Mittelaltertheatergruppe auch schon einiges gekocht, dann wurde natürlich mit Kräutern aus Doctrina Hortum gewürzt. Fast ein Schock für verwöhnte Fertiggerichtegaumen.
Für die Schüler ein ganz neues Erlebnis. Ganz Verwegene kosteten auch die Chillischoten und lernten mal kennen, was ordentliche Schärfe bedeutet. Das kostet sogar Tränen.

Die Teilnehmer Frau Weilands, Langzeitarbeitslose, die durch die Förderung des Jobcenters hier arbeiten können und das Projekt „AGH Doctrina Hortum“ unterstützen, helfen den Schülern bei der Färbearbeit, zeigen ihnen die Handgriffe und machen die einzelnen Arbeitsschritte vor. Frau Weiland freut sich über den entspannten Tag und sitzt mitten unter den Schüler und schwatzt über die Dinge der Welt, während die Jungen und Mädels ihre Freundschaftsbänder anfertigen. Seltsamerweise oder Gott sei Dank macht es allen tatsächlichen Spaß. Zum Schluss gibt es noch ein mittelalterliches Spiel, bei dem zwei Kugeln, die durch ein Band verbunden sind an eine Art Holzleiter geworfen werden und sich um die Querstangen wickeln sollen. Das Spiel haben Teilnehmer der Förderung hergestellt. Früher nahm man einfach Baumäste als Ziel. Den Schülern macht es Spaß und schon ist eine weitere Begegnung dann im nächsten Jahr so gut wie vereinbart. Dann soll es um die Herstellung von Kräuterbutter gehen.
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