Ein innovativer Reitunterricht

Nicht alles wird bierernst genommen
 
Erstmal fachsimpeln
Man nehme ein Grundstück, stelle Pferde darauf und mache einen innovativen Reitunterricht. Klingt einfach, ist es aber nicht. Es hat etwas mit Lernen zu tun und mit dem Verstehen von Pferden. Bekannterweise gehören diese sensiblen Tiere zu den Fluchttieren und dem sollte Mensch Rechnung tragen. Einfach auf das Pferd setzen und sich den Wind durch die Harre wehen lassen, klingt zwar unheimlich romantisch, ist es aber nur, wenn man lernt, mit diesen Tieren umzugehen und sie auch richtig zu reiten. Das wussten schon die Reitervölker, ob Mongolen, Ungarn oder auch die Indianer, die von Kindesbeinen mit den Pferden aufwuchsen und sogar mit ihnen zusammen im Stroh schliefen.

Christian Schurig, seines Zeichens Ausbilder für Pferd und Reiter, ist faktisch mit Pferden aufgewachsen, absolvierte eine Ausbildung als Pferdewirt und machte sich seine eigenen Gedanken über das Reiten. Sein Grundsatz ist: Die Kommunikation zwischen dem Pferd und Reiter läuft immer über die Körpersprache. So steht es auch in dem Handout zu seinem Kurs Innovativer Reitunterricht. Der Name des Kurses ist Programm. „Das Geheimnis beim Reiten liegt im Fühlen“, meint der Ausbilder und erklärt auch gleich was er meint. „Das Pferd lebt immer in der Gegenwart und spürt sofort, wenn der Reiter falsch sitzt, verkrampft ist oder einen schlechten Tag hat. Dann passt es sich den Spannungen an und das Reiten wird unangenehm für Mensch und Tier. Es nützt nichts, auf das Pferd wütend zu sein, denn es zeigt dem Pferd nur die schlechte Führungspersönlichkeit an.“ Und schon sind wir im theoretischen Teil des Reitunterrichts, den sich gerade zwei Reiterelven (Reitschüler) anhören. Der eine, Torsten mit Namen, hat schon selbst ein Pferd und diese Tiere schätzen gelernt. Doch er will mehr, er will sein Pferd verstehen und richtig reiten lernen. Er hat schon einige Reitstunden bei verschiedenen Reitlehrern hinter sich und versuchte es bei Christian Schurig noch nun einmal. So richtig scheint es vorher nicht geklappt zu haben, sollte man denken. „Naja“, sagt Torsten nachdenklich, „hier wird mir erstmals so richtig erklärt, was zwischen Pferd und Mensch passiert, warum ich dies oder jenes tun soll. Es reicht nicht, mich ständig zu kontrollieren, ich muss es auch verstehen.“ Caroline, beide kennen sich noch nicht lange, etwas stiller, nickt. Für sie trifft dasselbe zu, auch wenn sie noch kein Pferd ihr Eigen nennt.

Christian erklärt beiden geduldig wie ein Pferd „denkt“, wie es handelt, warum es so und nicht anders handelt. Die Evolution hat über die Millionen Jahre an den Pferden gearbeitet. Aus 50 cm großen Pferden (Eohippus) vor 55 Millionen Jahren entwickelten sich ab 1,78 cm große Rassen, wie das Shire Horse. Letztere Rasse gehört übrigens der Partnerin von Christian, die ihr Grundstück für den Reitunterricht ausgebaut hat und somit zur Verfügung stellt. Unsere beiden Reitschüler sind indes ganz froh, solch einen sachkundigen Reitlehrer gefunden zu haben und sind begeistert von seinem Reitunterricht. Tatsächlich kann Christian anschaulich erklären, welche Körperhaltung für Pferd und Mensch gut ist. Eine nicht unwesentliche Rolle besteht dabei in der richtigen Atemtechnik, da das Pferd ganz schnell erkennt, wie der Mensch atmet und daraus seine Bewegungen ableitet. Wenn man das alles nicht weiß und beachtet, kann die Reiterei sogar gefährlich werden. „Ich denke darüber kaum nach, habe das in den Jahrzehnten meiner Reiterei verinnerlicht. Das merken die Tiere und schaffen schnell Vertrauen. Trotzdem gebe ich ihnen zu verstehen, dass ich das Pferd lenke und nicht sie mich“, versichert Christian den beiden Reitschülern.

Klingt einfach, ist es aber nicht. Gerade Neulinge sind verunsichert und das merken die Tiere und nutzen diese Verunsicherung aus. Sowas geschieht nicht bewusst, sondern Pferde würden dies auch in einer Herde tun. Die Evolution hat es ihnen einprogrammiert. „Ein Pferd „verarscht“ den Menschen nicht. Es versucht ihn zu verstehen. Und wenn es das falsche versteht, handelt es für den Menschen falsch.“, schreibt Christian in seiner Anleitung. Mensch muss diese „pferdische“ Selbstverständlichkeit erst mal begreifen.

Nach fünf Stunden Theorie und Reitpraxis geht Mensch zufrieden nach Hause, weil er dem Wesen Tier nähergekommen ist, dank eines Reitlehrers, der die Sprache der Pferde versteht. Innovativer Reitunterricht könnte eigentlich auch verstehender Reitunterricht genannt werden.
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