Feierlaune - oder wie man einen regnerischen Tag verbringt

Die Chefin und ihr Koch
 
Kürbiscremekokossuppe
An einem regnerischen Sonntag kann man meistens nicht viel tun. Maximal lädt die Couch zu einem Rendezvous mit dem Fernseher ein. Oder man hat eine Einladung zu einem Tag der offenen Küche in Nietleben. Dort liegt in der Quellgasse die „Feierlaune“, deren Namen eigentlich auch schon Programm ist. Hier befinden wir uns nicht nur an einem kulinarischen, sondern auch an einem historischen Ort. 1371 wird Nietleben das erste Mal erwähnt und die Quellgasse ist der Ursprungskern des Ortes, da hier einst das lebenspendende Nass der Erde entsprang und der Gasse ihren Namen gab. Freilich, soviel Wasserreichtum wie im Mittelalter gibt es heute nicht mehr, da der Braunkohlebergbau zwar die Kohle den Menschen schenkte, aber der Natur das Wasser entzog. Somit suchte man sich halt sein Bierchen oder Wässerchen in den Gaststätten oder organisiert kurzerhand eine Feier. Und da sind wir in der genannten Feierlaune, der Kreis schließt sich.

Die ehemalige Gaststätte hat seit 2014, als Susan und Holger Mißalla die Regie samt Gebäude übernahmen, ihr Gesicht tüchtig verändert und es ist einiges renoviert und gar gemacht worden. Zum Beispiel die Küche, in der heute am Tag der offenen Küche, Felix Müller ganz und gar exotische Häppchen zum Besten dem neugierigen Publikum zum Besten gibt. Da hat sich der Koch, der seit seiner Lehre 1997 gern auch mal außergewöhnliches kreiert einiges einfallen lassen. Es gibt eine Kürbiskokoscremesuppe, dann ein wenig molekulare Küche wo Melonenkaviar auf Rosenschaum kredenzt wird. Der Gaumen nimmt's zur Kenntnis und wundert sich. Das Auge aber erspäht schon die Lachspraline in Kadeifiteigfäden eingewickelt und auf Seespargel gelegt. In einem Sektglas wird dazu Himbeerspuma mit Mangoschaum und Johannisbeeren gegeben. Aha, Johannisbeere ist was man auch mal kennt. Zu allem kann man sich Brot mit Sepiafarbstoff nehmen und der Lachslolli mit Algensalat hat auch so seinen eigenen Geschmack. Ungewohnt, aber nicht unangenehm, eher frisch. Ganz zum Schluss läßt man sich, so man noch kann, die Praline mit Chilli Nougat schmecken. Man, ist in diesem Fall meine Begleiterin Sandy, die gern alles verkostet. Zum ersten Mal kann sie auch bei der molekularen Küche live dabei sein und sehen wie der Melonenkaviar entsteht, indem die Melonenflüssikeit in eine Calciumchloridlösung gespritzt wird und zu kleinen Kaviarkügelchen koaguliert (geformt wird). Mancher Gast kann nicht fassen, dass bei diesem Kaviar halt nichts „fischig“ schmeckt. Ich finde die molekulare Küche interessant, solange ich es nicht selber machen muss. Meine Begleiterin ist satt und hat die fremden Genüsse in sich aufgenommen, bei manchen weiß sie nicht recht, was sie von halten soll, essbar war aber alles allemal.

Die „Feierlaune“ steht allen Feierlustigen als Mietobjekt zur Verfügung, man kann dort selbst kochen, oder sich sogar genannten Koch Herrn Müller mieten und sich somit mal anders beköstigen lassen. 40 Personen kann der Saal aufnehmen und die Küche steht jedem Kochinteressierten zur Verfügung, aber auch ein Cateringservice kann geordert werden, für die, die mehr feiern denn kochen wollen. Eine gute Verkehrsanbindung ist gewährleistet, ein Parkplatz hinter dem Grundstück ebenfalls zu finden. Und sollte das Wetter mitspielen, kann auch auf der Terrasse vor dem Haus gefeiert werden.

Übrigens einen Geheimtipp können wir noch weitergeben. Jeden letzten Sonntag im Monat zwischen 11:00 Uhr und 14:00 Uhr ist ein Tag der offenen Tür, wo mal umschauen kann und gespannt sein kann, was in der Küche so geboten wird. Felix Müller freut sich jedenfalls über seinen Minijob und die Chefin lächelt zufrieden.

Das lässt den trüben Sonntagmittag auch ohne Couch und Fernseher überstehen und satt sind wir auch.
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Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) | 02.11.2018 | 17:57   Melden
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