Industriegeschichte vor Ort – der Braunkohlenpfad von Teutschenthal bis Halle

Braunkohlenpfad - Schautafel am Eingang zum Heidebad Nietleben
Halle (Saale): Heidesee | Er ist 23 Kilometer lang und zieht sich in einem großen Bogen von Teutschenthal bis nach Halle zur Saline hin: Seit kurzem markieren Informationstafeln über die Braunkohlegewinnung die markantesten Orte an dieser Route. So finden wir die neuen Tafeln bei uns beispielsweise am Eingang zum Heidebad, in Heide-Süd, am Weinberg sowie schließlich vor der Saline. Sie zeigen auf einer Übersichtskarte den Verlauf des Pfades, und sie informieren über die historische Bedeutung des jeweiligen Ortes. Dem interessierten Wanderer erschließt sich so ein Mosaikstein nach dem anderen. Man erfährt Genaueres über die Vergangenheit, vor allem die Förderung von Braunkohle-aber auch anderer Rohstoffe- in unserer Umgebung.

Startpunkt des Braunkohlenpfades ist Teutschenthal (Bahnhof). Bereits in den Jahren 1809 und 1810 begann hier der Hauptmann Franz von Trotha nach Braunkohle zu schürfen. Die Grube „Louise“, die bis 1894 immerhin über 1 Million Tonnen förderte, war die größte in Teutschenthal. Dass es daneben noch zahlreiche weitere –auch private- Gruben gab, scheint heute unglaublich.

Der Pfad führt weiter über Langenbogen, Zappendorf, Bennstedt, Lieskau (Waldheil) zum Bergmannsteig in der Dölauer Heide. Dieser hat seinen Namen nach den Dölauer Bergleuten, die in Zscherbener Gruben arbeiteten und täglich diesen Weg durch die Heide nahmen. Über den Granauer Berg (Aussichtspunkt) geht es weiter zum Heidesee, der ehemaligen Grube "Neuglücker Verein". Sie existierte von 1826 bis 1931 und machte das Dorf Nietleben zum reichsten im Saalkreis. Rund 9 Millionen Tonnen Braunkohle wurden in dieser Zeit allein hier abgebaut. Der Bau der vergleichsweise großen Kirche in den Jahren 1884-1886 erinnert an diese Zeit.

Vorbei an der ehemaligen Försterei „Habichtsfang“ und der Gartenstadt Nietleben führt der Weg über Heide-Süd zum Weinberg. Hier befand sich an der Wilden Saale eine Kohlerutsche, über die Kohle von einer Pferdebahn in Schiffe verladen wurde. Über die Peißnitz, das Gut Gimritz, die Schafbrücke und den Sandanger führt der Lehrpfad schließlich zum Zielpunkt Saline. Hier befand sich auch der Endpunkt der Pfännerschaftlichen Kohlebahn, die 1876 in Betrieb genommen worden war und die die Kohle aus der Grube Alt-Zscherben (Friedhof Halle-Neustadt) bis in die 5,6 Kilometer entfernte Saline transportierte.

Die Mitglieder der IG Waldheil e.V. mit Sitz in Salzatal OT Lieskau haben in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und unter wissenschaftlicher Anleitung von Professor Dr. Oelke interessante Fakten aus der Vergangenheit unserer Heimat der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch der Nietlebener Heimatverein e.V., der sich vor allem mit dem Bergbau in und um Nietleben beschäftigt hat, und mit mehreren Informationstafeln im Heidebad präsent ist, war mit eingebunden. Es ist das Verdienst dieser Heimatfreunde , ihrer Helfer und Sponsoren, dass die Erinnerung an ein Stück Industriegeschichte wach gehalten werden kann – auch wenn nur noch wenige Spuren dieser Epoche existieren.

Der interessierte Bürger kann sich gut vorbereiten: Faltblätter sowie ein ausführlicher Internetauftritt informieren nicht nur über die einzelnen Stationen des Braunkohlenpfades, sondern auch über die Verkehrsanbindung bzw. Rastmöglichkeiten.


Manfred Drobny
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 21.11.2016
Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 21.11.2016
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 19.11.2016 | 19:35   Melden
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