Lebendige Erinnerungskultur in Nietleben

Logo des Nietlebener Heimatvereins e.V. (Foto: Nietlebener Heimatverein e.V.)
 
Blick aus dem Ballon auf den Bruchsee (Graebsee) und seine Umgebung. Das Lager Nietleben befand sich auf dem Gelände des heutigen Wäldchens- auf dem Foto links der Straße Zur Gartenstadt. Der Marsch beginnt an der Straße Zur Gartenstadt.
Halle (Saale): Nietleben | 9.Internationales Jugendtreffen 2017 im Saalekreis veranstaltet am 27.Mai 2017 Gedächtnismarsch „Jaap Epskamp“ in Nietleben

Die Mitglieder des Nietlebener Heimatvereins e.V. erforschten in den vergangenen Jahren den Alltag von ausländischen Zwangsarbeitern zwischen 1939 und 1945 in Nietleben. Ihr Einsatz erfolgte vor allem in den Industriebetrieben des damals zum Saalkreis gehörenden Ortes. Eine Gruppe von 100 holländischen Zwangsarbeitern war am Rande des Flugplatzes der Heeres-und Luftnachrichtenschule untergebracht und wurde in und um Nietleben für die Instandhaltung von getarnten Rollbahnen, der Herrichtung von Flugzeughangars und Luftschutzgräben herangezogen.

Lebensgeschichten von Menschen aus verschiedenen Ländern Europas kreuzten sich hier. Beispiel dafür sind die Erlebnisse des Holländers Jaap Epskamp (1922-2016). Er war am 16.April 1944 bei einer Razzia in Beverwijk und Velsen-Noord mit weiteren 485 Jugendlichen verhaftet und zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden.Sein Leidensweg führte ihn durch Lager in Schkopau, Nietleben, Zöschen, Schafstädt sowie Ammendorf. Erst im Juli 1945 konnte er seine Eltern in Amersfoort (Holland) wieder in die Arme schließen.

Epskamp nahm mehrmals an Treffen - organisiert vom Heimat-und Geschichtsverein Zöschen e.V.- in Zöschen teil und stiftete u.a. einen Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Schafstädt. Die Erinnerungen von ihm sowie weiterer Zeitzeugen trugen wesentlich dazu bei, die uns bis vor kurzem unbekannten Fakten um das Lager Nietleben aufzuklären.

Der Heimat-und Geschichtsverein Zöschen e.V. führt mit Unterstützung der Nietlebener Heimatfreunde am Samstag, 27.Mai 2017 in Nietleben den 2.Gedächtnismarsch Jaap Epskamp durch. Der Gedächtnismarsch ist Teil des Programmes des 9.Internationalen Jugendtreffens im Saalekreis. Unter dem Motto „Wege zur Erinnerung: auf den Spuren von Insassen des AEL Zöschen“ findet es vom 24. Bis 31.Mai 2017 statt. Organisiert von dem Zöschener Verein treffen sich Jugendliche aus Holland, Polen, Tschechien und Deutschland, um sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, die ehemaligen Orte der Unterdrückung aufzusuchen und sich mit ebenfalls anwesenden holländischen Zeitzeugen auszutauschen. Erwartet werden ca. 35 Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 96 Jahren!

Das umfangreiche Programm des Jugendtreffens beinhaltet neben Gesprächsrunden, Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen u.a. in Zöschen, Schafstädt und Neumark auch die Erkundung der näheren Umgebung. Nach dem Gedächtnismarsch sowie einem Mittagessen im Heidebad wird die Gruppe das Halloren-und Salinemuseum in Halle (S.) besuchen und anschließend eine Stadtrundfahrt durch die Saalestadt unternehmen.

Startpunkt am 27.Mai 2017 ist 10 Uhr an der Straße Zur Gartenstadt (gegenüber dem Eingang zur Gartenanlage Habichtsfang I). Der Gedächtnismarsch vom Lager Nietleben bis zur alten Schmiede Alt-Zscherben bzw. dem Steinbruch (heute Steinbruchsee) folgt genau dem ca.3 km langen Weg, den die holländischen Zwangsarbeiter 1944/1945 täglich zu ihren Kommandos zurücklegen mussten. Interessenten sind herzlich eingeladen.

Die Forschungen des Nietlebener Heimatvereins zur Zwangsarbeit in Nietleben, zwischenzeitlich auf mehreren Vorträgen dargestellt, konnten abgeschlossen werden. Die Ergebnisse sollen in einer Broschüre des Vereins in den kommenden Monaten der Öffentlichkeit vorgestellt werden.


Manfred Drobny
Fotos: M. Drobny

Weitere Informationen auch unter: www.nietlebener-heimatverein.de
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2 Kommentare
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 10.05.2017 | 19:48   Melden
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marlit rendelmann aus Halle (Saale) | 11.05.2017 | 21:45   Melden
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