Produktives Lernen - die etwas andere Art zu lernen

Computerarbeitsplätze
 
Kleine tragbare Laptops, die auch als Tabletts benutzt werden können.
Im Bereich Bildung gibt es im Moment einige Probleme. Das Größte ist die zunehmende Motivationslosigkeit der Schüler. Ihre Welt scheint nur aus Handys, Zocken und sozialen Netzwerken zu bestehen. Eine Wissensvermittlung wird zunehmend schwieriger, weil das zu vermittelnde Wissen in Frage gestellt wird oder auf den Prüfstand des noch jungen Lebens kommt mit der allgegenwärtigen Rhetorik „Wozu brauche ich das?“. Hinzu kommt noch, dass Eltern die Pädagogik der Schule oft in Frage stellen und manche Pädagogen mit ihrem Berufsstand einfach überlastet sind. So glauben einige ihre Erziehungsdefizite gegenüber ihren Kindern mit Anwälte lösen zu können und glauben die Schule könnte hauseigene Probleme lösen. Das Ganze geht zu Lasten der Schüler. Manche werden gemobbt, manche werden verhätschelt, manche haben tatsächlich Schwierigkeiten mit dem 45-Minuten Rhythmus in der Schule.

In der Heinrich-Heine-Sekundarschule in Halle-Neustadt gibt es neben vielen interessanten Projekten unter anderem auch das Produktive Lernen. Das Projekt wird durch mit Mittel des Europäischen Sozialfonds finanziert und umfasst jeweils eine 8. und eine 9. Klasse. Das Ziel ist das Erreichen des Hauptschulabschlusses. Für einige wenige Schüler kann sogar durch einen qualifizierten Hauptschulabschluss die 10. Klasse möglich gemacht werden. Dazu brauch es auch einigen Fleißes. Das Produktive Lernen hat sich weiten Teilen vom 45 Minuten Frontalunterricht gelöst und stellt nicht das Abarbeiten von bloßem Schulstoff in den Vordergrund. Der Schüler muss also nicht alles wissen, sondern du sollst wissen, wo du dein Wissen findest und wie du es verarbeiten kannst. Die Idee steckt schon im Wort. Produktives Lernen verbindet praktische Arbeit an drei Tagen in der Woche mit einem besonderen Lernsystem an zwei Tagen in der Woche. Da das Schuljahr in Trimester eingeteilt ist (also drei Teile jeweils von Anfang des Schuljahres – Dezember, Dezember bis März und März bis Ende des Schuljahres), gibt es dreimal Zeugnisse mit einer Beurteilung. In jedem Jahr sollte so jeder Schüler drei Praxisbetriebe besuchen, wo man sich beweisen kann oder erst einmal die Tätigkeiten kennenlernt. Vielleicht merkt dann dieser oder jener, welcher Beruf ihm liegt oder sogar welche Berufe gar nichts für ihn sind, beides ist von Vorteil.

Seit 2003 besteht dieses Projekt. Das Konzept ist klar: Der Schüler soll da abgeholt werden, wo er faktisch in seinen Leistungen gerade steht und er kann mit anderen Lernmethoden wieder Anschluss finden. Der Frontalunterricht reduziert sich auf notwendige Inhalte wie deutsche Sprache und Mathematik. Selbstverständlich ist bei dieser Unterrichtsform auch der Wille des Schülers gefragt, darin liegt manchmal das Hauptproblem. Da brauchen wir natürlich auch die Unterstützung der Eltern, die uns ständig über Telefon, Internet, Email erreichen können. Länger als zwei Stunden brauchen die Lehrer nicht, um die Eltern vom Fehlen ihrer Kinder zu informieren.
Ob Schulbummelanten, Mobbingopfer, oder auch Lernunwillige, 80% der Schüler des Produktiven Lernens haben einen Hauptschulabschluss geschafft, obwohl die Institution Schule und manchmal auch die Eltern sie schon aufgegeben hatten. Freilich ein paar ganz Störrische bleiben auch bei uns auf der Strecke.

Schulbücher gibt es nicht, weil eine umfangreiche Lernwerkstatt mit großer Wissens-bibliothek und modernen Laptops genutzt werden kann. Man muss, außer ein paar Vokabeln in Englisch, nichts auswendig lernen, weil der Umgang mit Büchern gelehrt wird und im Internet nachgeschlagen werden kann. Das machen wir Erwachsenen im richtigen Leben nicht anders.

Im Produktiven Lernen der Heinrich-Heine-Sekundarschule in Halle-Neustadt kann sich jeder anmelden, der schon ein paar Mal sitzen geblieben ist oder der Abschluss fraglich ist. Es wird ein umfassendes Aufnahmegespräch geführt und in den ersten sechs Wochen des neuen Schuljahres kann er/sie sich entscheiden, ob diese Lernform die Richtige ist. Erst dann erfolgt die reguläre Aufnahme ins Produktive Lernen oder er geht bei Nichtgefallen zurück an seine Schule. Nach den sechs Wochen gehen die Schüler an drei Tagen in der Woche arbeiten und an zwei Tagen insgesamt 13 Stunden in die Schule. Wir haben einen Fundus von über 200 Praxisplätzen, setzen aber auch viel auf Eigeninitiative und trainieren, wie man sich in den Betrieben vorstellt und vieles mehr. Bewerbungsübungen sind integraler Bestandteil des Unterrichts. Für die berufliche Betreuung bzw. die Förderung und Hilfe steht eigens ein weiterer Sozialarbeiter zur Verfügung.

An zwei Tagen in der Woche haben die Schüler Mathematik, Deutsch, Englisch, Kommunikation, und einen Lernbereich, in dem die Naturwissenschaften Eingang finden. Die Schüler bekommen keine Punkte mit Ausnahme des Zeugnisses der neunten Klasse, wo nach einem Schlüssel Zensuren errechnet werden. Punkte haben den Vorteil, dass man sie nach einem schlechten Tag verbessern kann. Zwei Lehrer decken den gesamten Unterricht ab, was den Vorteil hat, dass Schüler sich nicht dauernd umstellen müssen, allerdings hat es auch einen Nachteil für die, die es gewohnt sind, Lehrer auszutricksen. Das individuelle Lernen, das Entwickeln von eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten steht bei uns im Vordergrund.

Eine Anmeldung erfolgt über die Internetseite der Schule, schriftlich oder telefonisch:

Heinrich-Heine-Sekundarschule
Produktives Lernen
Hemingwaystr. 01
06126 Halle
Tel.: 0345/ 20369968
http://www.sks-heine2-halle.bildung-lsa.de/
pl-halle@t-online.de
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 14.04.2018
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