Streifzug um ...

Die einst im Kraftwerk Muldenstein tätige Dampfspeicherlok steht nun als Denkmal am Auslauf des Muldestausees
 
Meine Wanderrouten
Muldestausee: Muldeaue |

den Muldensteiner Berg

Etwas Bitterfelder Industriegeschichte und Natur ①

Eigentlich könnte der Steinberg fast der Hausberg von Bürgereporter Katrin Koch aus Friedersdorf sein. Trotzdem unternahm ich mal wieder eine Fotopirsch von zwei Stunden.
So schön winterlich weiß wie vor zwei Jahren bei - östliche Mulde mit Auen und Wiesen - war die Landschaft diesmal nicht, doch ich kann mich auch für kleinere Brötchen begeistern.

Wegen der Baustelle für das neue Wasserkraftwerk am Muldestausee konnte ich leider nicht mehr direkt zur Mulde absteigen, sondern musste auf die Kraftwerksstraße ausweichen.

1. Etappe – ehemaliges Bahnkraftwerk Muldenstein

Davon ist wohl nur noch als stummer Zeitzeuge eine einst tätige Dampfspeicherlok als Denkmal am Auslauf des Muldestausees übriggeblieben.
1909 beschloss die königlich Preußische Regierung in Berlin eine Hauptstrecke der Eisenbahn auf elektrischen Betrieb umzustellen. Hierfür wurde die Strecke Bitterfeld-Dessau ausgewählt. Damit wurde es die weltweit erste elektrifizierte Fernbahnstrecke!
Die elektrische Energie für dieses Vorhaben sollte ein eigens zu errichtendes Kraftwerk liefern.
Die Standortwahl fiel auf Muldenstein, da dort die Nähe zu Kohlengruben und die Nähe zur Mulde wegen der Kühlwassergewinnung gegeben waren.
Zur Versorgung der elektrifizierten Bahn entstand 1911 das Bahnkraftwerk Muldenstein. Als erstes Bahnkraftwerk lieferte es Wechselstrom mit der „Bahnfrequenz“ von 16 2/3 Hz.

1946 erfolgte die Demontage durch die Sowjetunion, doch diese konnten die Turbinen und Generatoren wegen der 16 2/3 Frequenz nicht nutzten und schickten sie zurück. 1955 wurde das Kraftwerk wieder angefahren und bis 1994 betrieben.
Am 10.04.2011, 9:30 Uhr wurden die 3 restlichen Mauerwerksschornsteine gesprengt, der Rest der Anlagen war bereits abgerissen
Heute stehen auf dem ehemaligen Betriebsgelände zur weiteren Stromerzeugung unzählige Solarfelder.
Quellen: Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
             Kraftwerk Muldenstein

Aus meiner Sicht hätte es eigentlich als denkmalgeschütztes technisches Bauwerk (gleiches Schicksal erlitt auch Kraftwerk Vockerode) erhalten werden müssen und wird sicher nicht wie die Frauenkirche zu Dresden wieder aufgebaut.

   2. Etappe – Mulde Auen

Am Ender der Kraftwerksstraße konnte ich endlich in die Muldewiesen- und Wälder eintauchen.
Nun können die eigenen Naturotos zur Sprache kommen.
Auch hier haben die letzten Sturmtiefs gewütet, aber glücklicherweise nicht solche immensen Schäden hinterlassen wie im Harz. Trotzdem war es noch angebracht, um kein Risiko einzugehen, immer die Baumwipfel im Auge zu behalten.

Bei stürmischen Wetter also besser noch die Wälder meiden!!!

Bei einigen der Bäume hatten wohl erst die Biber sich gütig getan und die Herbsttürme ihnen endgültig den Rest gegeben.
Ich persönlich mag das Winterhalbjahr sehr, wenn durch fehlendes Blattwerk die Baumstrukturen besonders gut zu Geltung kommen. Und erneut war ich begeistert, was doch für herrliche verschiedene und uralte Bäume an der Mulde stehen - Eichen, Eschen, Erlen, Birken, Buchen und viele mehr.
Nun verließ ich auch die Wanderwege, um ans Ufer der Mulde zu gelangen. Doch die Wasservögel gaben mir nicht die geringste Zeit, sie aus der Nähe zu fotografieren. Da brauchte ich wohl ein Zelt zur Tarnung und dazu viel Zeit….
 

  3. Etappe – Steinberg mit Trinkwasserbehälter

Zur Abrundung kletterte ich noch das steile , aber kurze Stück auf den Steinberg – immerhin mit 119 m eine der höchsten Erhebungen in unserer flachen Region.
Kurz vorm Gipfel fiel mir erstmals ein ehemaliger Bunker (Be-bachtungsstelle der Zivilverteidigung) auf.

Schade, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist hier wie früher einen Aussichtspunkt zu errichten. Obwohl die Bäume jetzt kein Laub haben, versperren sie doch den Blick aufs Umland. Und auf das Dach des Trinkwasserhochbehälters der MIDEWA führt leider kein Weg.
 

  4. Etappe – Alte Ziegelei Muldenstein

Vom Steinberg führte ein bequemer Weg zur Hauptstraße.
In der Nähe der Bahnlinie Berlin München entdeckte ich noch einige alte museumsreife Strommasten, die wohl zum ehemaligen Bahnkraftwerk gehörten.
An der Straße holte mich die Vergangenheit erneut ein. Hier stehen noch die imposanten Mauern der Alte Ziegelei Muldenstein.
Seit 1864 hatte Muldenstein eine große Dampfziegelei. Im Zuge der Industrialisierung in Deutschland wurden für den Bau neuer Fabriken und Werksiedlungen Unmengen Ziegel gebraucht. Die Muldensteiner Werke Arno Meisel.
1873 kam eine zweite Ziegelei hinzu. Beide wurden bald deutschlandweit bekannt für ihre Säureklinker. Zu den Großabnehmern zählte die expandierende Chemieindustrie im Revier Bitterfeld-Greppin.
Seit Ende der 50er Jahre steht nun der Betrieb leer. Von den goldenen Zeiten vergangener Tage keine Spur mehr. Noch hat sich kein Investor für das etwa 21.000 Quadratmeter große Objekt interessiert.
Quelle:Einst wohl der Säureklinkerhersteller Nr. 1
Den Besuch der anderen Ziegelei „Rohrwerke Muldenstein“ (Baubeginn 1905, teilweiser Abriss 2010), vorher Papierfabrik, ersparte ich mir. Da kam ich gestern wieder vorbei, als ich eine weitere Wanderung; diesmal am westlichen Mulde Ufer unternahm.
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 09.02.2018 | 20:52   Melden
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 10.02.2018 | 00:51   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 10.02.2018 | 10:08   Melden
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Lothar Teschner aus Merseburg | 10.02.2018 | 11:35   Melden
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Peter Pannicke aus Wittenberg | 10.02.2018 | 16:54   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 11.02.2018 | 00:12   Melden
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Roland Worch aus Aschersleben | 22.02.2018 | 10:41   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 22.02.2018 | 12:59   Melden
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