Meine Stammzellspende

Registrierungsset
  Es ist zwar schon fast 3 Jahre her, dennoch ist es mir ein Bedürfnis, über meine Erfahrungen bei der Stammzellspende zu berichten. Vielleicht lässt sich dadurch doch noch der eine oder andere registrieren.

Es war ein normaler, stressreicher Arbeitstag im November 2013. Ich verließ das Büro und warf einen Blick auf mein Handy. In diesem Moment klingelte meine Mailbox mich an und ich hörte mir die empfangenen Nachrichten an. Eine nette Dame der DKMS hatte mir eine Nachricht hinterlassen und bat mich dringend zurückzurufen, da ich auf einen Leukämiekranken Patienten passe. Ich rief direkt zurück und von dort an ging alles sehr schnell.

Innerhalb weniger Tage, musste ich mir beim Hausarzt Blut abnehmen lassen, um zu bestimmen ob meine Werte noch den Registrierungswerten entsprechen und mit dem Spender übereinstimmen.

Wichtig für eine Spende ist nicht die Übereinstimmung der Blutgruppe, sondern die Übereinstimmung der Gewebemerkmale (HLA-Merkmale). Eine nahezu 100-%ige Übereinstimmung zu finden, ist kompliziert und wird deshalb mit der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen verglichen. Kommt es zur Spende, übernimmt der Empfänger mit den Stammzellen auch die Blutgruppe seines Spenders.

Es dauerte nicht lange und ich bekam die schriftliche Info, das ich nahezu zu 100% auf den Patienten passe und ich als nächstes zur Voruntersuchung nach Dresden kommen müsse. Dort sollte dann festgestellt werden, ob auch ich körperlich gesund bin, um den Patienten nicht zu gefährden. Als auch dort alles in Ordnung war, stand einer Spende nichts mehr im Wege.

Ich fuhr also einen Tag vor der Spende nach Dresden und die Aufregung stieg, je näher der Termin kam. Ich wurde dann in die Entnahmeklinik gebracht, wo ich dann mit mehreren Leuten noch kurz warten musste. Dann ging es los.

In meinem Fall wurden die Stammzellen, wie bei ca. 80 Prozent der Fälle, aus der Blutbahn entnommen. Um genügend Stammzellen entnehmen zu können, musste ich mir 5 Tage vor der Spende einen Wachstumsfaktor spritzen.
Dieser sorgte dafür, mehr der benötigten Stammzellen zu produzieren, die dann in das Blut geschwemmt werden, um sie dann über ein spezielles Verfahren aus dem Blut zu gewinnen. Während der Gabe der Spritzen, kann es vereinzelt zu grippeähnlichen Symptomen kommen. Diese stehen jedoch in keiner Relation zu dem, was der Empfänger durchmachen muss, bevor er die Spende erhält.

Meine Spende dauerte knapp 5 Stunden. Über einen Zugang im Arm wurde das Blut entnommen, durch einen Zellseparator geleitet , wo die Stammzellen rausgefiltert wurden und in einen Transportbeutel abgefüllt wurden. Das restliche Blut wurde über einen weiteren Zugang zurück in meinen Körper geleitet. So entsteht im Gegensatz zur Blutspende kein Verlust für den Körper. Im Normalfall kann man die Entnahmeklinik direkt nach der Spende verlassen. In vereinzelten Fällen, reichen die Stammzellen nicht aus und es muss am Folgetag erneut gespendet werden. Zu meinem Glück, hatte ich mehr als genug Stammzellen produziert und musste nicht erneut spenden.

Ich verbrachte noch einen schönen Abend in Dresden und trat am nächsten Morgen die Heimreise an. Zu Hause angekommen, wollte ich natürlich wissen, wohin meine Stammzellen gegangen sind.
Also rief ich die DKMS an und erhielt die Info, dass ich für einen 35-jährigen Amerikaner gespendet habe.

Von der Spende an gab es eine zweijährige Anonymitätsfrist.
Von Land zu Land ist dies unterschiedlich geregelt.
Ich durfte in den zwei Jahren anonymen Kontakt per Brief zum Empfänger haben. Ich schrieb schon kurze Zeit nach der Spende, um dem Empfänger alles Gute zu wünschen.
Gegen Ende des Jahres, erhielt ich dann eine Antwort vom Empfänger. Zu diesem Zeitpunkt war der Empfänger komplett frei von Leukämie.

Nach Ende der zwei Jahre, nahm ich erneut Kontakt auf. Doch leider erhielt ich dann die traurige Nachricht, dass der Empfänger verstorben ist. Durch die Spende, hatte der Empfänger noch knappe 2 Jahre mit seiner Familie. Ohne die Spende, wäre er innerhalb von wenigen Wochen verstorben. Somit war die Spende auf jeden Fall erfolgreich. Wenn ich auch nicht zur Heilung beitragen konnte, hatte er zumindest ein verlängertes Leben.

Dieser Beitrag soll keine Werbung sein, sondern rein informativ sein. Wer genaueres wissen möchte, kann mich gerne anschreiben.
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Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) | 07.11.2016 | 09:01   Melden
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