Rätselhafte Inschrift in Bennstedt

Inschrift am nördlichsten Obelisk
 
Die nördlichen drei Töpfe/Obelisken
Salzatal: Gutspark | Im Gutspark von Bennstedt (Saalekreis) zwischen Kirche und ehemaligem Gutshof haben ein Jahrhundert lang Mitglieder der Familie Koch Ruhe und Entspannung gesucht. Deshalb ist der damals mit einer Mauer umgebene Park lange Zeit der Öffentlichkeit nicht zugänglich gewesen und nur wenig darüber bekannt, wie genau seine Ausstattung aussah.

Die Mitteldeutsche Zeitung hat bereits vor sechs Jahren über diese Anlage berichtet, damals ging es um die letzten Jahre der Familie Koch und die Journalistin Margit Boeckh fand eine Zeitzeugin, die noch von einer "weißen Frau" zu berichten wusste und diese auch mit einer Postkarte aus dem Jahr 1924 nachweisen konnte. Es handelte sich dabei um eine "Flora", also um die Statue der römischen Göttin der Blüte.

Leider ist diese Figur, letztes Zeugnis der Vorgänger der Familie Koch, in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges verschwunden. Die Flora hatten die Marschälle v. Bieberstein im Jahr 1737 als einzige Figur hier gelassen, als sie Gut und Park an den preußische König verkauften. Alle anderen durften sie mitnehmen. Dies kann man in Erich Neuß´ "Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld" im Band "Im Seegau" (1935) nachlesen.

Seiner schmückenden Figuren beraubt dürfte der Park recht karg ausgesehen haben als ihn der preußische König erwarb. Heute befinden sich in der kleinen Anlage westlich des Gutshauses allerdings fünf Blumentöpfe, die sich ähneln, von denen aber nur die nördlichen beiden alt aussehen. An diesen befinden sich zudem regelmäßige Bohrungen, die wirken, als wären dort früher Tafeln angebracht gewesen. Der nördlichste dieser Töpfe trägt eine leider stark angegriffene Inschrift, die Auskunft darüber geben könnte, welche Bewandtnis es mit diesen kleinen Obelisken hat, denn darüber ist vor Ort nichts bekannt, wie mir von der ortskundigen Frau Dr. Schlenker versichert wurde.

Interessant sind sie vor allem deshalb, weil sie eine frappierende Ähnlichkeit zu Meilensteinen der Zeit um 1800 aufweisen, wie sie unter anderem noch nördlich von Halle zu finden sind. Eine solche Herkunft wäre durchaus denkbar, da im Jahr 1809 die Chaussee Halle-Langenbogen erbaut wurde und diese später auch nachweisbar Meilensteine besaß. Die „Forschungsgruppe Meilensteine“, die sich seit über 30 Jahren intensiv mit diesem Thema beschäftigt, ist aber sicher, dass es sich nicht um einen oder mehrere ehemalige Meilensteine handelt. Der mit der Formgebung der Meilensteine und der Geschichte der Chausseen im Raum Halle besonders vertraute Herr Olaf Grell erklärte mir gegenüber, dass preußische Meilensteine typischerweise keine Konvergenz aufweisen, sprich: sie laufen nicht spitz zu, wie die als Töpfe genutzten Obelisken im Gutspark von Bennstedt, sondern sie weisen die Form einer Stele auf, sind also oben und unten gleich breit.

Zudem wäre eine Beschriftung im unteren Bereich für einen Entfernungsanzeiger sehr ungewöhnlich, da die Fuhrleute und Kutscher weiter oben saßen und nicht erst den Sockel eines jeden Steines begutachten konnten, den sie passierten. Dennoch dürfte die große Ähnlichkeit mit zum Beispiel dem Halbmeilenstein von Beidersee ein Indiz für die Zeit der Entstehung sein, dieser nördlichste Obelisk und sein Nachbar also aus der Zeit um 1800 stammen. Das preußische Königshaus hat das Gut aber nur als Vermögensanlage für Prinz August Ferdinand (1730-1813) besessen, wodurch es unwahrscheinlich ist, dass sie sich um die Pflege des Parks kümmerten.

Der hohe Grad der Verwitterung der Inschrift spräche für ein höheres Alter. Allerdings ist die Inschrift offenbar nicht nur verwittert sondern auch absichtlich beschädigt worden, denn während die restliche Oberfläche vergleichsweise intakt wirkt, sind rund um die Buchstaben Spuren von Gewalteinwirkungen auszumachen. Das spräche für ein unliebsames Denkmal.

Auch ein solches ist für Bennstedt nachgewiesen: Neuß erwähnt eine "Spitzsäule", die an die Deutschen Einigungskriege erinnerte. Es ist auf einer alten Postkarte abgebildet und war ein Siegesdenkmal, das das Königshaus verherrlichte. Der Oberteil war ein Obelisk, darunter ein Inschriftstein, aber der entscheidende Unterteil ist von einem Zaun verdeckt. Über den Verbleib ließ sich nichts ermitteln.

Auch bei günstigem Licht kann man nur noch einzelne Buchstaben ausmachen und rätseln, was dort einst gestanden haben mag...
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6 Kommentare
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 16.12.2016 | 09:15   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 16.12.2016 | 11:36   Melden
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Ralf Springer aus Aschersleben | 16.12.2016 | 12:27   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 17.12.2016 | 17:38   Melden
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Martin Beitz aus Teutschenthal | 18.12.2016 | 13:04   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 14.02.2017 | 17:02   Melden
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