Halles erster Feuerwehrkommandant

Otto Ule im Jahr 1858 (Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_Gartenlaube_(1858)_b_665.jpg)

Angesichts der zahlreichen Brände der letzten Monate bekommt ein Jubiläum eine besondere Bedeutung: vor 150 Jahren bekam Halle den ersten freiwilligen Feuerwehrkommandant einer organisierten Feuerwehr.

Otto Ule (1820-1876) war ein Lehrer, Naturwissenschaftler und Politiker, der sowohl in Halle als auch in Berlin politisch wirkte. Der Gründer einer einflussreichen naturwissenschaftlichen Zeitschrift sowie einer eigenen Partei wurde am 28. September 1868 zum Chef der Halleschen Turnerfeuerwehr gewählt.

Seinen unermüdlichen Einsatz für Andere bewies er während des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) als Halle eine "Lazaretthauptstadt" war. Ule ließ sich mit seinen Leuten am Bahnhof nieder und sorgte dafür, dass bei jedem eintreffenden Zug mit Verwundeten sofort der Transport zu einem der Krankenhäuser erfolgen konnte.

Tragisch endete sein Leben nur wenige Jahre darauf. Ule, der bei der Gründung zahlreicher Vereine mitwirkte, war gerade dabei, die von ihm initiierte Gartenbauausstellung zu eröffnen, als er zu einem Großbrand gerufen wurde. Während der Löscharbeiten in der Großen Ulrichstraße wurde er von einem herabstürzenden Stein getroffen und erlag am Tag darauf seinen Wunden. Seine Beerdigung wurde von 28 Vereinen geschmückt und von mehr als 15.000 Menschen in einen würdigen Rahmen gesetzt, in dem die Leute mit gesenktem Kopf Spalier bildeten.

Sein Sohn Willi Ule (1861-1940), der dadurch siebenjährig seinen Vater verlor, machte sich ebenfalls einen Namen, publizierte nicht nur zu den Mansfelder Seen und der Leopoldina, sondern verwirklichte auch eine herausragende "Heimatkunde des Saalkreises, einschliesslich des Stadtkreises Halle und des Mansfelder Seekreises" (1909). Zudem nahm er an Forschungsreisen teil und wurde wie einst sein Vater Mitglied der Leopoldina.

Das Andenken Otto Ules wird vor allem durch die Feuerwehr hoch gehalten. Zudem wurde die Ulestraße nach ihm benannt und mittlerweile mit einer Erklärungstafel versehen. Im Jahr 2007 erinnerte man sich an sein Vermächtnis und barg die von ihm 1871 auf der Würfelwiese verborgene Kapsel. Leider hatte sie die Hochwasser-Ereignisse und den Lauf der Zeit nicht besonders gut überstanden und so konnte man nur ein Wort entziffern: Gerechtigkeit.

Quellen
- Heß, Wilhelm, Ule, Otto Eduard Vincenz, in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 180–181.
- Röfer, Ulrich, Dr. Otto Ule, Halles erster Feuerwehrchef. Turner, Kommandant und Humanist, in: Feuerwehren in Sachsen-Anhalt. Zeitschrift für das Feuerwehrwesen und den Brand- und Katastrophenschutz (2001), Heft 9, S. 24-25.
- http://www.feuerwehr-halle.de/bf/historie/ersterfe...
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