Sumpfzypressen (Taxodium distichum)

Aufrechte (Vordergrund) und Echte Sumpfzypresse (kupferfarben)
 
23. November bei Mösthinsdorf
Zörbig: Landschaftspark Cösitz | Nach meinen Frühjahresstreifzügen durch den echten Sumpfzypressenhain bei Mösthinsdorf, war ich neugierig wie es um ihn im Spätherbst bestellt ist. Vorsichtshalber marschierte ich wieder in Gummistiefeln in dieses urwaldähnliche Fleckchen.
Kurz etwas Theorie:

Die Echte Sumpfzypresse (Taxodium distichum),

auch Sumpfeibe genannt, ist die bekanntere der zwei Pflanzenarten aus der Gattung der Sumpfzypressen, die zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) gehört. Sie umfasst zwei Varietäten, die vom äußeren Eindruck deutlich unterscheidbar sind
Beide sind aber sommergrüne Bäume, die also im Herbst ihre Blätter abwerfen.

Die mit Abstand bekanntere Varietät Taxodium distichum var. distichum wird hier als Echte Sumpfzypresse beschrieben.
Ihr natürliches Vorkommen geht von südlichen USA (Sumpfzypressen-Sümpfe des Mississippi-Deltas) bis Mexiko und Guatemala.
Im Tertiär war Taxodium distichum auch in Europa beheimatet und bildete mit anderen Bäumen die Grundlage der Braunkohlevorkommen, z.B. im Rheinischen Braunkohlerevier.
In den europäischen Gärten und Parks ist die Echte Sumpfzypresse heutzutage nicht selten anzutreffen. Sie benötigt zum guten Gedeihen jedoch warme Sommer.
Sumpfzypressen können bis zu 700 Jahre alt werden. Sie bevorzugt feuchte Böden, sie kann aber auch Trockenheit vertragen. An Gewässerufern gepflanzt bildet sie markante

Atemknie (Pneumatophoren)

 die in der Funktion mit den Brettwurzeln tropischer Bäume vergleichbar sind. Die Atemknie erinnern im Aussehen an Termitenhügel und werden bis 40 cm hoch. Innen enthalten sie ein schwammiges Gewebe, das die Durchlüftung der im Wasser stehenden Wurzeln fördert. Diese Wurzeln sollen jedoch auch der Verankerung der Bäume im Boden dienen

Aufrechte Sumpfzypresse (Taxodium distichum var. imbricarium)

Die Aufrechte Sumpfzypresse ist eine Varietät der Echten Sumpfzypresse Sie ist in den östlichen USA von Virginia bis Alabama beheimatet und kann Wuchshöhen von bis zu 25 Meter erreichen.

Die Baumkrone ist locker und wenig verzweigt. Die Zweige sind aufrecht stehend und 10 bis 15 cm lang. Die schuppenförmigen Blätter sind 6 bis 8 mm lang (und damit kürzer als bei der Echten Sumpfzypresse), gekrümmt und fein zugespitzt. Diese dünnen Zweige entstehen überall auf den bis zu 3 cm dicken Ästen. Die Zapfen sind kleiner als bei der Echten Sumpfzypresse
In Mitteleuropa wird die Aufrechte Sumpfzypresse viel seltener als die Echte Sumpfzypresse angepflanzt; sie ist auch weniger frosthart als diese.
Quellen: Wikipedia, Infotafel im Park Cösitz und http://www.baumkunde.de/Taxodium_distichum/

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. So reizvoll mit hellgrünen Nadeln wie Anfang Juni sahen die Bäume natürlich am 23. November nicht mehr aus. Die meisten Nadeln hatten eine rotbraune Färbung angenommen, hingen aber noch an den Ästen. Viel schlimmer war, dass auch hier die Sturmtiefs gewütet hatten. Zwar hatte es sie nicht - wie anderenorts gesunde Eichen – komplett entwurzelt – vielleicht haben ihre Atemknies (die ich im hohen Schilf aber nicht sehen konnte) vor diesem Schicksal bewahrt. Stattdessen waren von mehreren Bäumen die Kronen komplett abgebrochen. So konnte ich mehrere Zapfen für Adventsdekoration einsammeln.

Dieses traurige Schicksal blieb im Landschaftsgarten Cösitz wenigstens den Sumpfzypressen erspart.
Besonders die stattlichste von ihnen am Parkteich l((Umfang 2,5 m, Höhe 15 m) leuchtete gestern in der Vormittagssonne von vielen Standorten aus mit ihren erst wenig abgeworfenen Nadeln herrlich kupferrot. Hier habe ich auch mehrere der verknorpelten Atemknie direkt am Teichufer fotografieren können.

Und nun zu einer botanische Besonderheit. Nur wenige Meter entfernt steht am Teichufer ein stattliches Exemplar der seltenen Aufrechten Sumpfzypresse (Umfang 2,4 m, Höhe 16 m). Am Südwestzipfel der Roseninsel im Wörlitzer Park soll es auch ein kleineres Exemplar geben – ein Ziel für das nächste Jahr.

Dank des Hinweises eines Mitarbeiters des Parkvereins konnte ich gestern auch den Urweltmammutbaum ausfindig machen. Er bot einen erbarmungswürdigen Anblick. Gegenüber den Sumpfzypressen, südlich vom Teich und eingezwängt zwischen kräftigeren Bäumen stand er kläglich. Ohne Krone kann er keine acht Meter mehr hoch sein und muss möglicherweise gefällt werden.

Wieder zu Hause habe ich eine Collage gebastelt – in der Mitte getrocknete Zapfen einer echten Sumpfzypresse, links ein paar Nadeln der Sumpfzypresse dazu und rechts die Nadeln des Urweltmammutbaums. Für mich kein großer Unterschied.
Ob ich wohl versuchen sollte aus den Samen einen eigenen Urweltmammutbaum zu ziehen - wie es mir mit Kanarenkiefern bestens gelungen ist...
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3 Kommentare
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Roland Worch aus Aschersleben | 09.12.2017 | 12:11   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 09.12.2017 | 21:54   Melden
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 10.12.2017 | 14:12   Melden
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